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Gold – Von der Krisenwährung zum Risiko-Investment

Gastautor: Torsten Gellert
 |  16.05.2012, 16:31  |  2526 Aufrufe  |   | 

So wie die Griechen aktuell ihre Bankkonten leer räumen, machen die Investoren wieder Gold zu Geld und verkaufen das einst als Krisenwährung geltende Edelmetall.

Der Grund ist in beiden Fällen der Gleiche. Beide wissen nicht, wie es nach der geplatzten Regierungsbildung mit Griechenland, mit dem Euro und Europa weitergeht und werden zunehmend nervöser. Den Goldpreis belasten in der Folge die fallenden Aktienmärkte und ein steigender Dollar, dazu kommt eine geringer als erwartet ansteigende Inflation. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Goldpreis ist in diesem Monat um acht Prozent gefallen und notiert aktuell bei 1.540 USD pro Feinunze, von der Spitze bei 1.920 US-Dollar trennen ihn sogar knapp 20 Prozent.

Damit wird das einst sicher geglaubte Investment auf einmal zu einem Unsicherheitsfaktor und macht die Anleger genauso nervös wie das Engagement in anderen Assetklassen. Und mehr noch: Die Verluste bei Aktien und Derivaten lassen in diesen Tagen die Liquidität der spekulativ orientierten und auch mit Hebel agierenden Marktteilnehmer schmelzen. Die Not treibt auch sie nun zu Verkäufen ihrer Goldpositionen, bevor diese noch weiter im Wert fallen. Den Sonderstatus gegenüber anderen Rohstoffen scheint das Edelmetall vorerst verloren zu haben. Allerdings ging die Talfahrt hier etwas gebremster vonstatten als bei anderen Commodities. So ist er Ölpreis seit Anfang des Monats um 13 Prozent gefallen, eine Feinunze Silber ist 12 Prozent weniger wert als noch Anfang Mai.

Ein entscheidender Faktor für die Entwicklung der Rohstoffpreise ist der US-Dollar. Wegen der Notierung der Rohstoffe in Dollar werden sie bei einem steigenden Greenback für ausländische Investoren immer teurer und damit unattraktiver. Kaufen sie dennoch zu einem höheren Dollarkurs und fällt dieser dann wieder, kommt noch das entsprechende Währungsrisiko dazu. Umgekehrt konnten deshalb zumindest die Goldkäufer aus der Eurozone ihren Verlust durch den gestiegenen Dollar etwas abfedern, in Euro gerechnet ist der Goldpreis im gleichen Zeitraum um „nur“ vier Prozent gefallen.

Aber wo bleibt die Nachfrage nach Gold aus Angst, durch Inflation und der damit drohenden schrittweisen Vernichtung seines realen Kapitals in ein paar Jahren mit sehr viel weniger Kaufkraft dazustehen? Die Gegenfrage darauf lautet wohl eher: Wo bleibt die Inflation? Die Antwort ist auf den ersten Blick nicht ganz einfach. Zwar muss man konstatieren, wenn jetzt sogar schon Finanzminister Schäuble für höhere Löhne in Deutschland plädiert und die BILD-Zeitung nach Äußerungen eines Bundesbankers den „Inflations-Alarm!“ ausruft, sind Tendenzen für eine schleichende Geldentwertung erkennbar. Allerdings steht dem aktuell eine Lage der Weltwirtschaft entgegen, die noch weit entfernt von stark steigenden Preisen ist, eher sogar deflationäre Ängste aufkommen lässt.

Vielmehr scheint es so, dass das Geld aus den ganzen Maßnahmen der Notenbanken weltweit nicht in Form von wachstumsfördernden Krediten in der Realwirtschaft ankommt. Stattdessen bauen die angeschlagenen Banken mit dem billigen Geld ihre Kapitalreserven auf, um das Risiko zu verringern, bei Turbulenzen in Schieflage zu geraten. Dieser Effekt verstärkt sich mit der weiter anhaltenden Unsicherheit an den Finanzmärkten. Und so bleibt auch fraglich, ob die Strategie, weiter auf diese Art Geld in den Markt zu pumpen, der richtige Weg aus der Krise ist.

Aktuell stehen die Ampeln für ein Investment in Gold meiner Meinung nicht auf Grün. Ich würde zunächst abwarten, bis sich ein Boden ausbildet. Der Weg dann zurück in einem ersten Schritt auf die 1.670 US-Dollar von Anfang Mai und später in Richtung Allzeithoch wird lang und schwer werden. Sind die aufgrund von Fehlspekulationen nervösen Hände allerdings aus dem Markt, worauf erste Anzeichen nicht zuletzt auch durch die sich beschleunigende Talfahrt bei Gold hindeuten, und geraten die Märkte wieder in ruhigeres Fahrwasser, könnte das Gold überproportional profitieren und eine sehr viel besser zweite Jahreshälfte erleben.

 

 

 

 

 



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Gastautor

Torsten Gellert ist Managing Director von FXCM Deutschland. FXCM ist einer der führenden Forex- und CFD-Broker weltweit, der seine Dienste seit 1999 privaten und institutionellen Kunden anbietet. Forex Capital Markets Ltd. (FXCM) ist durch die UK Financial Services Authority zugelassen [FSA Registrierungsnummer 217689]. Forex Capital Markets Limited, Berlin (FXCM Deutschland), ist eine Niederlassung von Forex Capital Markets Ltd. Das Unternehmen wird zu großem Teil durch die FSA reguliert und in anderen Bereichen durch die Deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beaufsichtigt [BaFin Registrierungsnummer 122556].

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