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    Analyse Kabel Deutschland stärkt Wettbewerbsposition

    Gastautor: Carsten Müller
     |  24.05.2012, 13:28  |  1763 Aufrufe  |   | 

    Kabel Deutschland konnte sich vorerst durchsetzen. Im Gerangel um Marktanteile im deutschen Kabel- und TV-Übertragungsmarkt konnte der größte Kabelnetzbetreiber Deutschlands vorerst seine Konkurrenz ausstechen. Denn man schnappt sich für rund 618 Mio. Euro den regionalen Anbieter Tele Columbus.

    Tele Columbus ist überwiegend im Osten Deutschlands und im Großraum Berlin aktiv und verfügt über einen Kundenstamm von 1,7 Mio. Nutzern. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei 218 Mio. Euro und das EBITDA bei 81 Mio. Euro. Auch die Deutsche Telekom und Unity Media interessierten sich für Tele Columbus. Bereits vor der Übernahme bezog Tele Columbus jedoch schon teilweise seine Fernsehprogramme von Kabel Deutschland. So fiel am Ende die Entscheidung auch für Kabel Deutschland als Käufer.

    Die Zustimmung des Kartellamtes steht zwar noch aus. Aber wir gehen davon aus, dass der Deal durchgewunken wird. Damit hat das Unternehmen zwar einen Vorteil im Wettbewerb gewonnen, aber die Konkurrenz wird dadurch nicht verschwinden. So muss sich Kabel Deutschland auch auf anderem Gebiet weiter verstärken. Dabei setzt man auf eine Verbreiterung der Angebotspalette.

    Seit Anfang April wird ein Mobilfunktarif angeboten. Für den Preis von 39,99 Euro pro Monat kann der Kunde in alle deutschen Mobilfunk- und Festnetze telefonieren sowie im Internet surfen. Ein Smartphone von Samsung gibt es gratis dazu. Der Schritt an sich ist richtig, um den bisherigen Bundle-Gedanken weiterzutreiben und innerhalb der eigenen Kundengruppe höhere Umsätze zu generieren. Aber es ist kein einfaches Instrument.

    Denn im Mobilfunkmarkt wimmelt es nur so von Konkurrenz, darunter sind auch etliche Billiganbieter. Da nimmt der von Kabel Deutschland verlangte Preis schon einen Platz im oberen Segment ein. Nicht zu vergessen sind die hohen Kosten durch Werbemaßnahmen sowie das „Gratis-Handy“. Ob sich das Ganze rechnet, muss Kabel Deutschland erst noch nachweisen.

    Zur Finanzierung käme ein warmer Geldregen gerade richtig. Diesen erhofft man sich von einer Klage gegen die Deutsche Telekom. So soll die Telekom seit 2004 „missbräuchlich überhöhte“ Entgelte für die Nutzung ihrer Infrastruktur verlangt haben. Kabel Deutschland verlangt die Zahlung von knapp 280 Mio. Euro zzgl. Zinsen sowie die Verringerung der Nutzungsgebühr von 101 auf 34 Mio. Euro.

    Die Telekom weist alle Vorwürfe zurück und die Gerichtsbarkeit ist nun am Zuge. Bis zu einer Entscheidung können jedoch Jahre vergehen, so dass sich dieser Streit bis zu einem rechtskräftigen Urteil kaum auf den Aktienkurs auswirken dürfte.

    Beide Unternehmen bleiben harte Konkurrenten. Gerade im Bereich des Breitbandmarktes will die Telekom auf Kundenfang gehen und auch Kabel Deutschland das Geschäft streitig machen. Dabei setzt die Telekom vor allem auch auf lukrative Verträge mit Wohnungsbaugesellschaften und Stadtnetzbetreibern.

    Allerdings musste die Telekom bekanntlich jüngst einen herben Rückschlag hinnehmen, da man die Übertragungsrechte für die Bundesliga ab der Saison 2013 an Sky verloren hat. Ob man sich mit dem Bezahlsender über eine Lizenzierung einigt, steht noch in den Sternen. Ohne Rechte wäre das TV-Angebot Entertain mit dem Fußball-Paket „Liga Total“ deutlich unattraktiver und Kabel Deutschland könnte zusätzlichen Boden gewinnen.

    Zumal Kabel Deutschland mit seinem Kombi-Angebot von Telefon, Internet und TV gut gerüstet ist für den multimedialen Kampf. So entscheidet sich mittlerweile jeder zweite neue Breitbandkunde für Kabel statt DSL. Zukünftig will man verstärkt auf Pay-TV-Dienste setzen. Da der Konzern da jedoch für die Inhalte zahlen muss, sind die Margen auch wesentlich niedriger als bei Internet- und Telefonprodukten.

    Bisher verzeichnet Kabel Deutschland ein stetiges Kundenwachstum. Allerdings ist dieses auch durch geringe Margen teuer erkauft. Vergleicht man den Umsatz pro Kunde und die Renditen, so fallen diese deutlich niedriger als bei ausländischen Konkurrenten aus. Ungeachtet dessen konnte das Unternehmen aber zuletzt wieder einen Zuwachs bei Gewinn und Umsatz ausweisen.

    So wurde der Umsatz im 3. Quartal auf 427,3 Mio. Euro gesteigert. Der Überschuss belief sich auf 55 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurde hier ein Verlust von 36,5 Mio. Euro ausgewiesen.

    Positiv wirkte sich auch die Umschuldung aus. Kabel Deutschland hatte teure Anleihen zurückgekauft und sich zu besseren Konditionen neu verschuldet. Im Bereich Internet/Telefonie kamen 68.000 neue Verträge hinzu und im Bereich Fernsehen standen 134.000 neue Verträge in den Büchern. Auch für das 4. Quartal erwartet Kabel Deutschland einen Zuwachs. Der Umsatz des Vorjahres soll zwischen 6,25 und 6,75% steigen.

    Die schon angesprochene Frage der Verschuldung bleibt denn auch derzeit die größte Belastung. Schuld daran ist der ehemalige Eigentümer Providence, der den Konzern nach der Übernahme mit Schulden nur so überhäufte. Es wurden zwar schon kräftig Schulden abgebaut, aber noch betragen diese ein Mehrfaches des Jahresumsatzes. Auch diese Summe wird man nach und nach abtragen können, aber ein gewisses Risiko bleibt natürlich.

    Charttechnisch sieht es nun so aus, als wenn sich Kabel Deutschland dank der positiven Nachricht zu Tele Columbus freischwimmen kann. So hat man den Break über das 52-Wochen-Hoch geschafft. Zwar fehlt hier noch letzte Signifikanz. Doch halten wir es für vertretbar mit einer ersten Position dabei zu sein.

    Carsten Müller

    Herausgeber „alphabriefe“

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    Hinweis laut §34b WpHG: Der Autor ist in den entsprechenden Wertpapieren / Basiswerten nicht investiert. Es liegt daher kein Interessenskonflikt vor. Die in diesem Artikel enthaltenen Angaben stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

    Wertpapier: Kabel Deutschland

    Themen: Deutschland


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    Gastautor

    Carsten Müller ist Geschäftsführer bei Alphabriefe Verlag und Herausgeber der wöchentlichen Börsenbriefe „alpha anleihen& zinsen“ und "alpha aktien". Weitere Infos unter: www.alphabriefe.de.

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