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    BRICS leiden unter Weltwirtschaft

    Gastautor: Patrick Daum
     |  11.06.2012, 07:45  |  548 Aufrufe  |   | 

    Trotz langsameren Wachstums in China und Indien sieht Franklin Templeton das längerfristige Bild der BRICS intakt.

    Der Mai war für die Aktienmärkte weltweit der schwächste Monat des Jahres. Der MSCI Emerging Markets Index büßte während des Monats auf Dollarbasis 11,2 Prozent ein. Dr. Mark Mobius, Vorstandsvorsitzender der Franklin Templeton Emerging Markets Group hat sich BRICS-Staaten genauer angeschaut und fällt insgesamt ein positives Urteil.

    In Brasilien habe die Regierung im Mai neue Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft angekündigt. „Zu den wichtigsten Schritten gehören eine Reduzierung der Industriesteuern auf die Autoproduktion, niedrige Finanztransaktionssteuern bei Bankkrediten an Einzelpersonen sowie eine Verringerung der Zinsen auf ausgewählte Kredite seitens der nationalen Entwicklungsbank“, sagt Mobius. Um die Kreditverfügbarkeit für den Automobilsektor zu erhöhen, habe die Zentralbank zudem die Mindestreservesätze verringert. Die Leitzinssenkung um 50 Basispunkte auf ein Rekordtief von 8,5 Prozent im Jahresvergleich soll die Binnenwirtschaft unterstützen. Seit August 2011 seien die Zinsen damit um 400 Basispunkte (4,0 Prozent) gesenkt worden. Trotz einer Inflationssteigerung um 0,6 Prozent im April, habe sich der Verbraucherpreisindex, im Jahresvergleich, von 5,2 Prozent im März auf 5,1 Prozent abschwächen können. Darüber hinaus sei die Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent im März auf 6,0 Prozent im April gesunken. Den Grund dafür liege im Stellenaufbau des Bauwesen- und Dienstleistungssektors.

    „Das BIP-Wachstum in Russland beschleunigte sich im Jahresvergleich von 4,8 Prozent im letzten Quartal 2011 auf 4,9 Prozent im ersten Quartal 2012. Das Land wurde weniger durch die Krise in Europa in Mitleidenschaft gezogen als andere Staaten der Region“, so der Franklin Templeton-Chef. Für 2012 prognostiziere die russische Regierung ein Wirtschaftswachstum von 4,0 Prozent. Ihre neutrale Geldpolitik setze sie fort und belasse den Leitzins unterverändert bei 8,0 Prozent. Ein Rekordtief verzeichne die Inflation: Nach Angaben des Statistik-Dienstleister Global-Rates fiel sie auf rund 3,6 Prozent. Der Verbraucherpreisindex hingegen sei im Jahresvergleich von 3,7 Prozent im März auf 3,6 Prozent im April zurückgegangen.

    Indien bleibt das Problemland der BRICS. Das BIP-Wachstum habe den tiefsten Stand seit neun Jahren erreicht, was Mobius vor allem auf die Schwäche des verarbeitenden Gewerbes zurückführt. Dieser Sektor sei auch hauptverantwortlich (gemeinsam mit dem Bergbau) für den Produktionsrückgang des Landes von 4,1 Prozent im Februar auf 3,5 Prozent im März gewesen. Vor allem der Wachstumsrückgang müsse jedoch relativ gesehen werden: „Das indische Wachstum lag im ersten Quartal 2012 mit 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr allerdings immer noch deutlich höher als in vielen anderen Ländern.“ Höhere Lebensmittel- und Kraftstoffpreise hätten eine Beschleunigung der Inflation bewirkt und auch der Verbraucherpreisindex sei im Jahresvergleich von 6,9 Prozent auf 7,2 Prozent im März gestiegen.

    In China zeigen die BIP-Daten eine Verlangsamung des Wachstums: „Im ersten Quartal dieses Jahres lag das chinesische Wachstum im Jahresvergleich bei 8,1 Prozent, was eine Abschwächung gegenüber den 8,9 Prozent im letzten Quartal 2011 bedeutete“, analysiert Mobius. Trotz dieses Rückgangs, fielen die Zahlen noch immer beachtlich aus. „Kaum ein Anleger kann sich noch an Zeiten erinnern, in denen in den USA oder Westeuropa ein Quartalswachstum von sieben Prozent ausgewiesen wurde“, gibt der Experte zu bedenken. Anhaltender Pessimismus bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung Chinas gründe sich seiner Meinung nach auf übertrieben optimistische Prognosen der Volkswirte, die nun von den aktuellen Daten nicht erreicht würden. „Mein Investmentteam und ich blicken nicht nur auf die vorliegenden makroökonomischen Fakten, sondern halten es, wie Bottom-up-Anleger, für genauso wichtig, auch die unternehmensspezifischen Fundamentalfaktoren zu untersuchen“, sagt Mobius. Daher sei er bei China langfristig positiv gestimmt.

    Die Wirtschaft Südafrikas im ersten Quartal 2012 ein Wachstum von 2,7 Prozent, nach 3,2 Prozent im Vorquartal. Die Hauptgründe für die Verlangsamung macht Mobius am Produktionsrückgang des Bergbausektors und einer schwächeren Steigerung der Produktion des verarbeitenden Gewerbes fest. „Die Sektoren Landwirtschaft und Einzelhandel unterstützten hingegen das Binnenwachstum“, erkennt der Experte. Dennoch verzeichne das BIP im ersten Quartal 2012 nur noch ein Plus von 2,1 Prozent, nach 2,9 Prozent im vierten Quartal 2011. Um die Binnenwirtschaft zu unterstützen, habe die Reserve Bank den Leitzins im Mai unverändert bei 5,5 Prozent gelassen, wodurch die Zinsen seit bereits 18 Monaten auf ein und demselben Niveau lägen. Durch die Preisentwicklung in den Bereichen Wohnungsbau, Versorgung, Lebensmittel und Transport sei die Inflation von 6,0 Prozent im März auf 6,1 Prozent im April gestiegen.

    Die durchwachsenen Zahlen aus dem ersten Quartal 2012 führt Mobius zu einem großen Teil auf die Weltwirtschaft zurück: „Die Rohstoffpreise sanken, die Mittelflüsse in Schwellenmarktfonds fielen negativ aus und die Schwellenmarktwährungen werteten sich gegenüber dem US-Dollar ab.“ Deshalb sei das längerfristige Bild für die Schwellenmärkte – ungeachtet der Negativmeldungen – nach wie vor intakt mit weiterhin hohen Wachstumsraten, steigenden Devisenreserven und niedrigen Verschuldungsquoten.

    Auf seinen Reisen rund um den Globus ist Mark Mobius immer auf der Suche nach den besten Investitionsmöglichkeiten in den Emerging Markets. In seinem Blog berichtet er davon.

    (PD)



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    Disclaimer

    Gastautor

    Patrick Daum ist Dipl.-Politologe mit Schwerpunkt für Europa, Wirtschaft und Recht. Als Junior-Redakteur bei €uro-Advisor-Services GmbH ist er zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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