Nur kurzes Luftholen Gipfelbeschlüsse erfreuen Finanzmärkte; Nikkei eröffnet freundlich und gibt am Ende leicht nach; Australiens Inflation rückläufig; KB Home hat Gewinn in Sicht; RIM Gerüchte verwundern; Sinn sieht Vermögensgefährdung

    Gastautor: Norbert Lohrke
     |  02.07.2012, 08:40  |  649 Aufrufe  |   | 

    Während eine Zweidrittelmehrheit in Deutschland für bisher nicht vorgesehene EFSF/ESM Direkthilfen an Banken ist, obwohl eine europäische Bankaufsicht noch in weiter Ferne ist, sieht Prof. Dr. Sinn darin eine Entlastung sich verzockender weltweiter Spekulanten, die sich aus dem "Strudel" befreien können. Diese "Hilfen" gefährden das deutsche Vermögen, womit keinem so richtig gedient ist. Der BDI unterstützt das jedenfalls weiter.

    Globalyze Marktbericht

     

    Die Gipfelergebenisse wie die direkte Bankenfinanzierung über den EFSF/ESM und die einheitliche Bankaufsicht in Europa sorgten an der Wall Street für Erleichterung und gute Stimmung zugleich. Dabei waren die US-Konjunkturdaten durchaus gemischt. So sank der Konsumvertrauensindex der Uni Michigan recht deutlich. Hingegen war der Chicagoer Einkaufsmanagerindex besser als erwartet. Dax, Nasdaq und S&P 500 stiegen um +2,20% (12.880), +3,00% (2.935) und +2,49% (1.362). Der Rohölpreis stieg um +9,4% auf 84,96 Dollar. Der Goldpreis legte um +3,5% auf 1.603,50 Dollar je Barrel zu. Der Dollar verlor gegenüber dem Yen. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen stieg auf 1,65%. Im Dow lagen Bank of America und General Electric mit +2,56% und +1,99% vorn. McDonalds gab um -1,66% nach. Im Nasdaq lag Vertex Pharamceuticals mit +7,59% an der Spitze, während Blackberry-Hersteller Research in Motion mit -19,29% ablooste.

     

    In Frankfurt waren die Händler aus dem Häuschen. Dax und S&P 500 schossen mit +4,33% (6.416) und +4,14% (568,84) förmlich durch die Decke. Der Tec Dax musste sich mit +2,48% (743,74) auch nicht verstecken. Die Tatsache, dass die Staaten bei direkter Bankenkapitalisierung durch den EFSF/ESM entlastet werden würden, spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Wobei eine marode Bank eine marode Bank bleibt. Das schien aber in der Euphorie niemanden zu interessieren. Selbst die Commerzbank legte um +5,68% zu. Im Dax lag übrigens die Deutsche Börse mit +7,45% ganz vorn. Einziger Verlierer war adidas mit -0,06%. Im Tec Dax war Adva Optical Network mit +7,18% vorn und Qiagen mit +0,18% ganz hinten. Auch am Anleihemarkt zeigte sich eine leichte Verbesserung. Die 10-jährigen spanischen Anleihen notierten statt bei 6,915% nur noch bei 6,558%. Die italienischen Anleihen fielen sogar unter 6%. Mal schauen, wie lange es dauert, bis sie sich Beide wieder Richtung 7% orientieren.

     

    In Tokyo eröffnete der Nikkei ebenfalls freundlich, gab aber im Laufe des Handels auf -0,04% (9.003) nach. Die guten Vorgaben von der Wall Street und Europa sowie der erneut schwächere Yen taten ihre Wirkung. Honda erreichte mit einem Kursplus von +1,8%% ein 2 Monatshoch. Canon kam auf +2%. Sony auf +2,5%. Ricoh, die 20% des Umsatzes nach Europa liefert, legte um +3,2% zu. Kansai Electric legte nach dem Anfahren des Nr. 3 Reaktors im Oi Atomkraftwerk in der Präfektur Fukui um +1,7% zu. Wobei das Anfahren von Nr. 3 und Nr. 4 den Versorger noch nicht in die schwarzen Zahlen bringen wird. Davon, dass der Baltic Dry Index zum vierten Mal in Folge stieg und zum ersten Mal seit Ende Mai auf 1.000 Punkte kam, profitierte Mitsui O.S.K. mit +3,2%. Bei Shimamura nahmen die Investoren Gewinne mit, was die Aktie um +2,4% drückte.

     

    Globalyze Pressetour

     

    KB Home drittelt Verlust. Nach einem Verlust von -68,5 Mio. Dollar im Vorjahr hat der US-Eigenheimbauer diesmal bei einem Umsatzzuwachs von +11% auf 302,9 Mio. Dollar im 2. Quartal nur einen Verlust von -24,1 Mio. Dollar erwirtschaftet.

     

    Standpunkt: Die Netto-Auftragseingänge stiegen dabei um +2,6% auf 2.049 Eigenheime. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag bei 233.000 Dollar und war damit +9% höher als im Jahr zuvor. Die Bruttomarge verbesserte sich von 7,3% im Vorjahr auf 16,9% in diesem Quartal. So wie es also derzeit aussieht, könnte KB Home den Sprung in die Gewinnzone schaffen. Was dem Aktienkurs etwas auf die Sprünge helfen sollte.

     

    RIM‘s angebliche Cash-Sorgen verwundern. Nachdem Blackberry Hersteller RIM den Launch seines neuen Smarthpones verschoben hat, der Verlust und auch die Entlassungen höher als erwartet waren, streuen einzelne Analysten Cash-Gerüchte. Was angesichts von Schuldenfreiheit verwundert.

     

    Standpunkt: Die man dann doch in aller Form zurückweisen sollte. Schließlich sitzt das Unternehmen auf 2,2 Mrd. Dollar Cash, ist quasi schuldenfrei und hat Zugang zu einer großen Kreditlinie. Auch soll die Blackberry 10 Plattform nach Angabe des Unternehmens alles Bisherige in den Schatten stellen. Zudem entlässt das Unternehmen beinahe ein Drittel seiner Mitarbeiter, was die Kosten deutlich drücken wird. RIM hat sicherlich seine Probleme. Dennoch muss man sich fragen, ob solche Schlagzeilen über „Cash Concerns“ angesichts der tatsächlichen Finanz-, Vermögens- und Ertragslage nicht etwas übertrieben sind.

     

    Sinn sieht Gefährdung deutschen Vermögens. Laut dem Chef des Münchner Ifo-Instituts werden derzeit sich verspekulierende Investoren aus aller Welt entlastet, während Deutschland den Preis dafür bezahlt und in Gefahr gerät.

     

    Standpunkt: Indem wir für die Rückzahlung der Schulden südeuropäischer Banken einstehen, können sich die sich verspekulierenden Investoren weltweit „aus dem Strudel befreien“, sind die Worte von Prof. Dr. Sinn in einem Handelsblattinterview. Währenddessen ist die finanzielle Stabilität Deutschlands gefährdet. Die einzige Hoffnung, die nun noch bleibe, sei das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Sinn beklagt auch, dass der Fiskalpakt von den anderen Europäern gar nicht ernst genommen wird. Insofern haben wir uns aus einer Position der Stärke, die wir angesichts No-Bail-Out hatten, in eine Situation der Schwäche mit enormen Haftungsrisiken hineinmanövriert. Wenn der BDI das alles kritiklos unterstützt und dabei noch dazu auf die Bankenaufsicht verweist, die es so noch gar nicht gibt, fragt man sich, wie verantwortungsvoll und patriotisch die Konzerne und Konzernvorstände sind. Eins ist klar geworden. Soziale Marktwirtschaft und die Möglichkeit des Marktaustritts gibt es nur noch für den Mittelstand. Banken und Konzerne können sich getrost auf die Regierung verlassen. Wie auch die in der Vergangenheit unsolide wirtschaftenden Staaten Europas, die Deutschland nun unverhohlen erpressen. Nur, weil wir in der Vergangenheit fleißiger waren, als jene.

     

    Australiens Inflation sehr niedrig. Mit nur 1,6% Inflation und einem im Juni monatlichen Rückgang der Preissteigerungsrate um -0,2% ist der Spielraum der australischen Notenbank für eine Zinssenkung weiter gewachsen.

     

    Standpunkt: Die australische Notenbank hat ein Inflationsziel von 2 bis 3% ausgegeben. Da ist man deutlich drunter. Die Inflationsrate ist so niedrig wie seit 2009 nicht mehr. Insofern stellt sich die Frage, ob die Notenbank auf ihrem morgigen allmonatlichen Treffen den Leitzins senken wird. Spielraum dazu hätte sie genug. Ein mit +4,3% recht hohes Wachstum bei einer solch niedrigen Inflation, davon kann man eigentlich nur träumen. Jedenfalls, wenn man hier im Kriseneuropa festsitzt.

     

    Rohstoffpreise im Sinkflug. Die allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung führt dazu, dass die Rohstoffpreise so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr zurückgehen bzw. zurückgegangen sind.

     

    Standpunkt: Egal welchen Rohstoff man sich anschaut. Beinahe überall sind drastische Rückgänge zu verzeichnen. So ging das Rohöl von 100 Dollar auf ca. 85 Dollar je Barrel zurück. Baumwollpreise haben sich allein in diesem Jahr um -22% verbilligt. Wobei bereits im letzten Jahr eine Halbierung stattfand. Und auch Kupfer ist seit September deutlich zurückgekommen. Allerdings muss man auch dagegenhalten, dass die Rohstoffpreise aufgrund von Spekulationen zum Teil deutlich überhöht waren. Der Preisrückgang führt dazu, dass die Materialkostenseite in den Gewinn- und Verlustrechnungen entlastet werden. Da die Preise nach unten eher wenig elastisch sind, verheißt das höhere Gewinne. Was wiederum für höhere Kurse sorgen sollte. Es sieht also unterm Strich gar nicht so schlecht aus.

     

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