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    HypoVereinsbank onemarkets Breite Auswahl an Spitzentiteln

    Gastautor: Dominik Auricht
     |  10.07.2012, 15:56  |  1433 Aufrufe  |   | 

    Viele Orte und Dinge stehen im Schatten ihrer großen Brüder und Schwestern: Die Insel Menorca bekommt vor lauter Prominenz der größeren Nachbarinsel Mallorca kaum Urlauber ab, der Düsseldorfer Karneval ist weniger bekannt als der Kölner und die kleinen Indizes MDAX®und SDAX®ziehen traditionell weniger Investoren an als das Schwergewicht DAX®. Doch werden die „Kleinen“ zu Recht verkannt oder sind gerade sie es, die besonders schöne Plätze, tolle Eindrücke oder attraktive Anlagechancen bieten?

    Kleiner Bruder – große Chance?

    Generell hat die Eurokrise derzeit entscheidenden Einfluss auf die Aussichten europäischer Unternehmen, egal welcher Größe und Indexzugehörigkeit. Sie ist der Hauptrisikofaktor für das Wachstum. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber: In Phasen konjunktureller Aufschwünge stahlen die kleinen Indexbrüder dem großen regelmäßig die Show. Ging es allerdings abwärts mit der Wirtschaft, litten Nebenwertebarometer in der Regel mehr als Blue Chips. „Das lässt sich leicht erklären“, sagt Christian Stocker, Aktienstratege bei UniCredit. „Grob gesagt, sind die großen Konzerne im DAX®meist internationaler aufgestellt und weniger von der Konjunktur in Deutschland oder Europa abhängig. Die mittelgroßen Firmen im MDAX®und die kleinen im SDAX®sind eher regional fokussiert. Ihre Aktienkurse reagieren daher schneller auf Veränderungen der hiesigen Wirtschaftslage. Der MDAX®(MID CAP DAX®) enthält die deutschen Werte aus der zweiten Reihe: Nämlich die 50 nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz größten Unternehmen, die auf die 30 DAX®-Konzerne folgen. Nach diesen mittelgroßen Werten kommen die kleinen Small Caps im SDAX®. Oftmals bieten Nebenwerte bessere Renditechancen als große Standardwerte. Denn viele kleine besetzen lukrative Nischenmärkte. Vorteil: Dort ist der Sättigungsgrad nicht so hoch wie in etablierteren Geschäftsbereichen. Deutsche MDAX®-Konzerne kennzeichnen noch eine Reihe weiterer Vorteile: Die derzeit im historischen Vergleich niedrigen Bewertungen machen einige Titel in Kombination mit einem geringen Verschuldungsgrad und begrenzten Erwartungen der Anleger an das Gewinnwachstum zu attraktiven Übernahmezielen für große Konzerne.

    Jüngste Beispiele sind die Spekulationen um eine Übernahme von Rhön Klinikum und Symrise. Der Kauf von Rhön Klinkum durch Fresenius ist zwar zunächst gescheitert, aber wohl noch nicht gänzlich vom Tisch. Allerdings sind bei kleineren Unternehmen in der Regel die Handelsumsätze geringer und damit die Anfälligkeit für Kursschwankungen höher – Auf- wie Abwärtsbewegungen können stärker ausfallen, das Risiko ist also höher. Die großen DAX®-Werte entwickeln sich meist stabiler. Allerdings haben die kleinen Brüder derzeit sogar inmitten der europäischen Schuldenkrise die Nase vorn: Seit Jahresbeginn schlägt der MDAX®den DAX®mit rund 17,1 Prozent gegenüber 8,1 Prozent (Stand: 10. Juli 2012) Wertgewinn.

     

    Quelle: HypoVereinsbank onemarkets Magazin, Juli 2012.

     

    Auch SDAX®und TecDax® schnitten im laufenden Jahr bislang besser ab als die Top-30-Unternehmen. Auf längere Sicht steht der Index mittelgroßer Unternehmen ebenfalls besser da als der DAX®: Seit dem Einbruch Ende 2007 schaffte der MDAX®eine jährliche Steigerung von rund 1,2 Prozent, während der DAX®rund 5 Prozent pro Jahr verlor (Stand: 10. Juli 2012). Das sollte für viele Anleger Grund genug sein, den eigenen Anlagehorizont auf die zweite Reihe zu erweitern. In der aktuellen Lage ist das Bild allerdings differenziert zu betrachten: Vielmehr sollte der Anleger bei der Basiswertauswahl genau hinschauen – bei den großen wie bei den kleinen Konzernen. Denn die Chancen sind uneinheitlich verteilt und hängen von der Positionierung der einzelnen Unternehmen ab.

    Eine Frage der Positionierung

    Ein Schlüsselfaktor ist die Betroffenheit der Unternehmen von der europäischen Schuldenkrise. Innerhalb der Eurozone entwickeln sich die Länder trotz globaler Konjunkturerholung sehr unterschiedlich. Im ersten Quartal 2012 übertraf die deutsche Wirtschaft die Wachstumserwartungen und setzte sich mit einem Plus von 0,5 Prozent an die Spitze der europäischen Staaten. Während die mittel- bis langfristigen Wachstumsprognosen in der Eurozone mit einem Minus von 0,4 Prozent für das laufende Gesamtjahr eher düster sind, sieht die Lage in Deutschland mit einer von UniCredit-Experten erwarteten Wachstumsrate von 1,1 Prozent besser aus – vorausgesetzt, die Eurokrise eskaliert nicht. 2013 könnte die Gesamteurozone ein Wachstum von 0,6 und Deutschland von 1,9 Prozent erreichen, wenn sich die Wogen der Krise glätten. „Ufert die Krise hingegen weiter aus, hat das Auswirkungen auf den gesamten Markt der Eurozone und darüber hinaus“, so Stocker.

    Vereinfacht gesagt, stehen aufgrund der Eurokrise derzeit diejenigen Unternehmen gut da, die einen Kundenstamm in Übersee oder Asien haben und vom dortigen Wachstum profitieren können. Außerhalb der Europäischen Union (EU) verhilft der derzeit relativ günstige Euro-Wechselkurs deutschen Konzernen zu einem Wettbewerbsvorteil. Die internationale Ausrichtung entsprechend positionierter Unternehmen bildet ein Gegengewicht zu den Belastungen aus der Krise der europäischen Währungsunion. Kleinere Aktiengesellschaften, die ihren Absatzmarkt vor allem in Europa haben – knapp 60 Prozent der Exporte deutscher Unternehmen finden EU-intern statt –, leiden derzeit hingegen besonders. Allerdings holen die Emerging Markets als Abnehmer deutscher Waren rasch auf. Wie gut sich die deutsche Wirtschaft der Situation anpasst, zeigen die aktuellen Exportzahlen: Obwohl die Nachfrage nach deutschen Gütern innerhalb der Europäischen Union sank, verzeichneten die Ausfuhren aus der Bundesrepublik im März einen neuen Rekord: Das Statistische Bundesamt meldete für den Monat Mai Exporte im Wert von 92,5 Milliarden Euro 0,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der Grund für die gute deutsche Bilanz: Während die Ausfuhren in Länder der Eurozone um 1,7 Prozent zurückgingen, nahmen die Exporte in Drittländer um 3,4 Prozent zu. Die deutsche Wirtschaft verlagert also ihre Absatzmärkte. An Bedeutung gewinnen vor allem bevölkerungsreiche Länder mit hohen Wachstumsraten, darunter die BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien und allen voran China.

    Quelle: HypoVereinsbank onemarkets Magazin, Juli 2012.


    Optimismus in Deutschland

    Auch in Sachen Dividende hat die gerade abgelaufene Ausschüttungssaison gezeigt, dass es die kleineren Indizes durchaus mit dem deutschen Leitindex aufnehmen können: Eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit der FOM Hochschule belegt, dass gerade Small und Mid Caps ihre Dividenden überproportional steigerten: Während die DAX®-Konzerne rund 5 Prozent mehr als im Vorjahr ausschütteten, betrug die Steigerung im MDAX®23,6 und im SDAX®sogar 45,7 Prozent. 14 der insgesamt 569 analysierten deutschen Aktiengesellschaften haben in den vergangenen fünf Jahren ihre Dividenden kontinuierlich erhöht. Mit Fresenius und Fresenius Medical Care sind nur zwei DAX®-Konzerne darunter, aber vier im MDAX®und drei im SDAX®gelistete. Diese Dividendenchampions bilden den „Rising Dividend Basket“, der in vier Jahren einen Wertzuwachs von 175 Prozent hingelegt hat. „Bemerkenswert: Die Dividendenchampions liefern nicht nur in steigenden Märkten eine Outperformance, sondern zeigen auch in Krisenzeiten relative Stärke“, so die Studienautoren von DSW und FOM. Ganz von der Krise abkoppeln kann sich die deutsche Wirtschaft freilich nicht. So fiel der ifo-Geschäftsklimaindex Ende Mai mit 106,9 Punkten nach zuvor stabilen 109,9 Punkten im April eher enttäuschend aus. Die Verbraucherstimmung ist aber nach Ergebnissen der aktuellen GfK-Konsumklimastudie stabil. Die konjunkturellen Aussichten schätzten die Verbraucher im Mai deutlich optimistischer ein als noch im Vormonat und auch die Konsumneigung legte laut GfK moderat zu. „Solange kein nachhaltiger Aufwärtstrend zu erwarten ist, fokussieren wir uns auf Unternehmen, die ein stabiles Wachstum aufweisen und keinen Schwankungen unterworfen sind“, rät Aktienexperte Stocker. In den Reihen des Indexschwergewichts DAX®kann das beispielsweise der international aufgestellte Elektrokonzern Siemens sein. Entgegen dem allgemeinen Trend hat die US-Ratingagentur Moody’s die Bonitätsnote Anfang Juni auf Aa3 hochgestuft. Basis war die Einschätzung einer stabilen Gewinnlage und einer geringeren Anfälligkeit gegenüber zyklischen Schwankungen nach Unternehmenszukäufen, so Moody’s. Auch Europas größter Versicherungskonzern Allianz ist einen Blick wert: Vorstandschef Michael Diekmann hatte einen Expansionskurs angekündigt. Der erste Zukauf ist bereits unter Dach und Fach: Die Münchner übernehmen die Schaden- und Unfallsparte des französischen Maklers Gan Eurocourtage. Anleger, die in die DAX®-Konzerne investieren, aber gegen Kursdämpfer abgesichert sein wollen, bieten (Express) Aktienanleihen Protect attraktive Zinssätze und interessante Sicherheitsschwellen.

    Finger weg von Zyklikern

    Abzuraten sei derzeit von stark zyklischen Branchen, unabhängig von der Unternehmensgröße, so Stocker. Zum Beispiel würden der Maschinenbau sowie europäische Autohersteller außerhalb des Premiumsegments noch auf absehbare Zeit unter der europäischen Krise leiden. „Aussichtsreicher sind Konsumtitel“, so der Experte. Dazu zählen die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, Haushaltsgüter, Kosmetika, Bekleidung und Elektrogeräte, aber auch diverse Luxusmarken. Denn viele Konsumtitel profitierten derzeit doppelt: Einerseits von der konjunkturresistenten Nachfrage nach Verbrauchsgütern in Europa, andererseits von der steigenden Nachfrage nach westlichen Markenartikeln in Schwellenländern. Wer an Einzelwerten partizipieren möchte, kann über Discount-Zertifikate das Risiko teilweise abfedern. Die Papiere werden mit einem Abschlag (Discount) gegenüber dem Kurs des Basiswertes verkauft und fangen in diesem Umfang Kursverluste ab, bevor der Anleger in die Verlustzone rutscht. Als besonders aussichtsreich gilt vielen Analysten derzeit das SDAX®-Unternehmen Bertrandt. Der Konzern entwickelt Komponenten für die Automobil- und Luftfahrtindustrie, zum Beispiel Crashsimulationen oder Fahrzeuginterieurs. In den vergangenen Monaten hat Bertrandt bereits ein überaus rasantes Umsatz- und Gewinnwachstum hingelegt und kommt mit Neueinstellungen von Fachkräften kaum nach. Die Gründe sind unter anderem die schnelle Zunahme der Anzahl von Automodellen sowie die Suche nach neuen Antriebsmodellen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist dabei mit 12 noch recht niedrig. Die Thomson Reuters Konsensschätzung bewertet den Titel derzeit mit „Buy“ und einem Zielkurs von 72 Euro – aktuell notiert die Aktie bei 57,90 Euro (Stand: 10. Juli 2012). Angesichts des unsicheren Marktumfelds sind Discount-Zertifikate eine risikoreduzierte Alternative zu einem Direkteinstieg. Auch bei anderen MDAX®- und SDAX®-Werten können sich kurzlaufende Discounter lohnen. Die an sich frühzyklischen Chemie- und Pharmakonzerne sind derzeit gut im Geschäft. „Chemie bildet heutzutage die Grundlage für nahezu alle Produktionen. Damit kann man fast von einer Art weltweiten Dauerkonjunktur von Chemiekonzernen sprechen“, erklärt UniCredit-Aktienexperte Stocker. Davon profitieren auch einige DAX®-Konzerne wie BASF, Bayer und Linde.

    Konsumgüter gehen immer

    In den Bereichen Nahrung und Haushaltsgüter profitiert unter anderem die im MDAX®gelistete GEA Group. Die Düsseldorfer stellen Prozesstechnologien im Bereich des Wärme- und Stoffaustauschs her und erwirtschaften rund 70 Prozent des Umsatzes mit Kunden aus den Segmenten Nahrungsmittel und Energie. Auf DAX®-Ebene profitieren vom Konsumtrend hierzulande wie in den Emerging Markets Waschmittelhersteller Henkel und der Kosmetikkonzern Beiersdorf. In Sachen Luxuskonsum und aufstrebende Marken kann derzeit ein Blick auf ein Hugo-Boss-Investment lohnend sein. Für Anleger, die eine Einzeltitelauswahl scheuen und von einer weiteren Outperformance der Small und Mid Caps auf breiter Front überzeugt sind, bieten sich Index-Zertifikate an, welche die Barometerentwicklung nahezu 1:1 nachvollziehen. Mit ihrer Hilfe können Investoren diversifiziert auf mittelgroße Unternehmen (MDAX®), auf Small Caps (SDAX®) oder auch auf Branchenbarometer wie den F.A.Z.®Chemie und Pharma-Index oder den DAXplus® Export Strategy setzen. Die Papiere haben keine Laufzeitbegrenzung. Die Emittentin UniCredit Bank AG besitzt allerdings ein Sonderkündigungsrecht. Bei allen Zertifikaten sollten Anleger bedenken, dass es sich um Inhaberschuldverschreibungen handelt. Bei einer Insolvenz der jeweiligen Emittentin droht ein Verlust bis hin zum Totalverlust.



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    Disclaimer

    Gastautor

    Seit 1996 ist Dominik Auricht im Kapitalmarktgeschäft aktiv. Berufliche Expertise sammelte er im In- und Ausland bei international agierenden Banken, wie der Rabobank, Citigroup sowie Merrill Lynch. Heute befasst sich der Betriebswirt in der Position des Directors im Bereich Corporate & Investment Banking der UniCredit mit der strategischen Entwicklung von strukturierten Produkten unter der Marke HypoVereinsbank onemarkets. www.onemarkets.de

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