Konjunktur Welt Verhaltener Quartalsausblick – Eurofrage scheidet Deutschland und EZB

     |  17.01.2013, 11:25  |  1147  |  0
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    Einen verhaltenen Ausblick für die Weltwirtschaft zeichnet die Saxo Bank. Für das 1. Quartal 2013 prognostiziert die Bank ein schwächeres Weltwirtschaftswachstum als die allgemeine Marktmeinung. Grund hierfür sei nicht zuletzt eine pessimistischere Einschätzung des US-Wirtschaftswachstums im ersten Quartal von 0,8 Prozent des BIP, die deutlich unter der Konsensschätzung von 1,6 Prozent liegt. Grund sei eine mangelnde Zuversicht vor allem bei US-Kleinbetrieben, auf die aber fast zwei Drittel der Arbeitsplätze und Wirtschaftsleistung des Landes entfallen.  
     
    Auch werde die Haltung Deutschlands zur europäischen Währung zunehmend auf die Probe gestellt. So sähen sich die Deutschen allmählich gezwungen, die Vergemeinschaftung von Schulden zu akzeptieren. Dies werde sich nicht nur erheblich auf Deutschlands Bonitätseinstufung auswirken, sondern auch auf dessen Exportwirtschaft. 
     
    Nach Auffassung der Saxo Bank Analysten werden die Club-Med-Staaten angesichts hoher Arbeitslosenzahlen und stagnierenden Wachstums von der EZB umfassendere Maßnahmenpakete à la Federal Reserve fordern. Im EZB-Direktorium hätten die Befürworter einer expansiven Geldpolitik die Mehrheit. Somit stünden die Vertreter der Bundesbank recht isoliert da. Besorgt äußern sich die Experten der Saxo Bank darüber, dass Verstöße gegen den EU-Vertrag abermals ignoriert werden könnten, sofern die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten europaweit weiter steigt.
     
    In Asien behält die Saxo Bank vor allem China im Blick. Das chinesische Wirtschaftsexperiment datiert aus dem Jahr 1979, und der Anpassungsbedarf sei groß. Die nächste Herausforderung für China bestehe darin, von der größten aufstrebenden Volkswirtschaft der Welt zur hochentwickelten Supermacht zu avancieren. In ihrem Quartalsausblick weist die Saxo Bank auf drei Schlüsselbereiche hin, in denen China den Wandel vorantreiben muss, damit dieser Übergang gelingt:
     
    1. Förderung des Wettbewerbs, um der Korruption entgegenzuwirken; 
    2. Schaffung gut funktionierender inländischer Kapitalmärkte, um den mit wachsendem Wohlstand einhergehenden Investitionsbedürfnissen gerecht zu werden;
    3. Ausbau des Sozialsystems, vor allem der Gesundheitsversorgung.
     
    Diese Schritte würden den Übergang erleichtern von einer Volkswirtschaft, die zu sehr vom Infrastrukturbau und Exporten abhängt, hin zu einer ausgewogenen Wirtschaft mit eigener Binnennachfrage. Dies könne allerdings nur gelingen, wenn ein umfassenderes soziales Netz hohe Ersparnisse überflüssig macht. Andernfalls würden die Chinesen weiterhin durchschnittlich 40 bis 50 Prozent ihrer Einkünfte auf die hohe Kante legen. 
     
    Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank, kommentiert: „Auch in diesem Jahr lautet unsere Hauptbotschaft, dass sich die Verantwortlichen weniger auf die makro- und mehr auf die mikroökonomischen Faktoren konzentrieren sollten. Im Gegensatz zur Notenpresse ist Zuversicht nämlich der einzige Multiplikatoreffekt, der wirklich funktioniert. Dennoch sind wir für 2013 nicht pessimistisch. 2013 ist ein Jahr des Übergangs. Auch wenn zunächst alles wie gehabt weiter geht wird sich allmählich die Einsicht durchsetzen, dass uns die Zeit davonläuft und wir deshalb neue Wege beschreiten müssen. 99 Prozent sind bereit für den Wandel – doch wann werden die politisch Verantwortlichen so weit sein?“

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    Konjunktur Welt Verhaltener Quartalsausblick – Eurofrage scheidet Deutschland und EZB

    Einen verhaltenen Ausblick für die Weltwirtschaft zeichnet die Saxo Bank. Für das 1. Quartal 2013 prognostiziert die Bank ein schwächeres Weltwirtschaftswachstum als die allgemeine Marktmeinung. Grund hierfür sei nicht zuletzt eine pessimistischere Einschätzung des US-Wirtschaftswachstums im ersten Quartal von 0,8 Prozent des BIP, die deutlich unter der Konsensschätzung von 1,6 Prozent liegt. Grund sei eine mangelnde Zuversicht vor allem bei US-Kleinbetrieben, auf die aber fast zwei Drittel der Arbeitsplätze und Wirtschaftsleistung des Landes entfallen.  
     
    Auch werde die Haltung Deutschlands zur europäischen Währung zunehmend auf die Probe gestellt. So sähen sich die Deutschen allmählich gezwungen, die Vergemeinschaftung von Schulden zu akzeptieren. Dies werde sich nicht nur erheblich auf Deutschlands Bonitätseinstufung auswirken, sondern auch auf dessen Exportwirtschaft. 
     
    Nach Auffassung der Saxo Bank Analysten werden die Club-Med-Staaten angesichts hoher Arbeitslosenzahlen und stagnierenden Wachstums von der EZB umfassendere Maßnahmenpakete à la Federal Reserve fordern. Im EZB-Direktorium hätten die Befürworter einer expansiven Geldpolitik die Mehrheit. Somit stünden die Vertreter der Bundesbank recht isoliert da. Besorgt äußern sich die Experten der Saxo Bank darüber, dass Verstöße gegen den EU-Vertrag abermals ignoriert werden könnten, sofern die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten europaweit weiter steigt.
     
    In Asien behält die Saxo Bank vor allem China im Blick. Das chinesische Wirtschaftsexperiment datiert aus dem Jahr 1979, und der Anpassungsbedarf sei groß. Die nächste Herausforderung für China bestehe darin, von der größten aufstrebenden Volkswirtschaft der Welt zur hochentwickelten Supermacht zu avancieren. In ihrem Quartalsausblick weist die Saxo Bank auf drei Schlüsselbereiche hin, in denen China den Wandel vorantreiben muss, damit dieser Übergang gelingt:
     
    1. Förderung des Wettbewerbs, um der Korruption entgegenzuwirken; 
    2. Schaffung gut funktionierender inländischer Kapitalmärkte, um den mit wachsendem Wohlstand einhergehenden Investitionsbedürfnissen gerecht zu werden;
    3. Ausbau des Sozialsystems, vor allem der Gesundheitsversorgung.
     
    Diese Schritte würden den Übergang erleichtern von einer Volkswirtschaft, die zu sehr vom Infrastrukturbau und Exporten abhängt, hin zu einer ausgewogenen Wirtschaft mit eigener Binnennachfrage. Dies könne allerdings nur gelingen, wenn ein umfassenderes soziales Netz hohe Ersparnisse überflüssig macht. Andernfalls würden die Chinesen weiterhin durchschnittlich 40 bis 50 Prozent ihrer Einkünfte auf die hohe Kante legen. 
     
    Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank, kommentiert: „Auch in diesem Jahr lautet unsere Hauptbotschaft, dass sich die Verantwortlichen weniger auf die makro- und mehr auf die mikroökonomischen Faktoren konzentrieren sollten. Im Gegensatz zur Notenpresse ist Zuversicht nämlich der einzige Multiplikatoreffekt, der wirklich funktioniert. Dennoch sind wir für 2013 nicht pessimistisch. 2013 ist ein Jahr des Übergangs. Auch wenn zunächst alles wie gehabt weiter geht wird sich allmählich die Einsicht durchsetzen, dass uns die Zeit davonläuft und wir deshalb neue Wege beschreiten müssen. 99 Prozent sind bereit für den Wandel – doch wann werden die politisch Verantwortlichen so weit sein?“
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