Neu auf wallstreet:online?
Jetzt registrieren | Login
x
Benutzername:

Passwort:

Angemeldet bleiben
Passwort vergessen?

Die US-Berichtssaison startete durchwachsen

Gastautor: Jochen Steffens
 |  22.01.2013, 10:20  |  1205 Aufrufe  |   | 

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

die Quartalsberichtssaison in den USA kommt so langsam ins Laufen. Zwar haben erst 67 S&P500-Unternehmen oder 13,4 % ihre Zahlen vorgelegt. Aber mit Apple, Microsoft, Google und IBM stehen in dieser Woche wichtige Schwergewichte vor ihrem großen Auftritt. Und auf welche wichtigen Tendenzen Sie dabei achten müssen, lässt sich bereits jetzt absehen.

Die Ergebnisse sind gut – aber nur gemessen an den niedrigen Erwartungen

Besondere Auffälligkeiten gab es bei den bisherigen Veröffentlichungen noch nicht. Das mag vor allem daran liegen, dass das dritte Quartal ziemlich schwach war. Daher wurden die Erwartungen für das vierte Quartal entsprechend nach unten korrigiert (siehe folgende Grafik). Und diese niedrigen Erwartungen wurden bisher einfach mehr oder weniger erfüllt.

Earnings S&P500 (1)

Quelle: Standard & Poor’s

In der Statistik liest sich das so: Von den genannten 67 S&P500-Firmen haben 64,2 % die Erwartungen übertroffen und 20,9 % diese verfehlt. Beides liegt im historischen Vergleich durchaus im „Normalbereich“. Das sich daraus ergebende „Überraschungsverhältnis“ (positive geteilt durch negative Überraschungen) liegt mit 3,94 sogar etwas über dem langjährigen Mittel von rund 3.

Der Medianwert der positiv überraschenden Gewinnzuwächse liegt bei 2,3 % und damit etwas unterhalb des historischen Durchschnitts, der knapp 3,3 % beträgt. Insgesamt schafften diese 67 Unternehmen damit einen Gewinnanstieg von 15,6 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Bei den Umsätzen liegen die Werte typischerweise merklich niedriger, die Details schenken wir uns hier.

Retten die Banken den S&P 500?

Wie gesagt: Was sich auf den ersten Blick ganz annehmbar ausnimmt, ist in Wahrheit eher wenig inspirierend. Denn diese vermeintlich recht guten Ergebnisse repräsentieren eben nur die Erfüllung der vorher entsprechend reduzierten Erwartungen.

Deutlich dramatischer wird die Einschätzung, wenn man diese Zahlen bestimmten Branchengruppen zuordnet. So haben mit JPMorgan, Wells Fargo, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America bereits auffallend viele Finanzkonzerne ihre Zahlen veröffentlicht. Deren Ergebnisse waren ausgesprochen gut, wenn man mal von Bank of America absieht.

Dennoch, rechnet man diese Zahlen aus den oben genannten Werten heraus, ergibt sich, dass nahezu das komplette Wachstum, das sie suggerieren, ausschließlich von diesen Finanzinstituten erbracht wurde. Ohne deren Berücksichtigung bleibt bislang lediglich eine homöopathische Gewinnsteigerung zum Vorjahr von 0,1 % übrig.

Der Technologiesektor, das alte und neue Sorgenkind

 

Besonders kritisch erscheint zudem die Lage im Technologiesektor. Bis Ende vergangener Woche hatten 13 % der Technologieunternehmen im S&P 500 ihre Zahlen vorgelegt, also ein äquivalenter Anteil zum S&P 500 insgesamt. Dieser Anteil an Tech-Firmen meldete gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt einen Gewinnrückgang um 11 %.

Aber: „im Durchschnitt“ heißt, dass diese -11 % fast vollständig auf das Konto von Intel gehen. Der Chipkonzern hatte in der vergangenen Woche ein Minus von 27 % bei seinem Quartalsgewinn ausgewiesen. Auch dieser Gewinnrückgang war allerdings bereits erwartet worden. (Am Ende war Intel sogar etwas besser oder eher nicht ganz so schlecht, wie die Analysten befürchtet hatten.)

Diese Schwäche des Technologiesektors war bereits im dritten Quartal eine der Hauptursachen für die schlechten Ergebnisse. Und sie ist vermutlich auch der Grund, warum der Technologieindex NASDAQ 100 derzeit den Märkten so auffällig hinterherhinkt.

Zur Einordnung der Bedeutung der High-Tech-Branche für die Börsen zwei Zahlen: Die Technologieunternehmen sind für rund ein Fünftel der Gewinne des S&P 500 insgesamt verantwortlich. Dominieren da negative Vorzeichen, wird auch der gesamte Index kräftig nach unten gezogen.

Wehe, wenn nun auch noch Apple (wieder) patzt

Ein Viertel der Gewinne des Technologiesektors verantwortet zudem allein Apple. Patzt also auch noch die iPhone-Company, dann wird es für die US-Börsen ganz besonders schwer. Deshalb wird diese Woche möglicherweise entscheidend für den weiteren mittelfristigen Kursverlauf werden. Denn wie eingangs erwähnt, berichten in den kommenden Tagen mit Apple,  Microsoft, Google und IBM vier echte Schwergewichte, deren Ergebnisse richtungsweisend für die Börsen werden dürften!

Sie müssen also in den kommenden Tagen mit einigen Turbulenzen rechnen, insbesondere wenn die Zahlen nicht wie erwartet ausfallen sollten. Andererseits besteht natürlich auch die Chance auf kräftige Gewinne, wenn die reduzierten (!) Erwartungen deutlicher übertroffen werden sollten. Vor allem wenn der alte Anlegerliebling Apple wieder liefert, dürften die Börsianer das stürmisch feiern...

Bleiben größere Überraschungen aus, werden hauptsächlich die weiteren Prognosen der Firmen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen (natürlich nicht nur dann, aber dann ganz besonders). Denn für 2013 und 2014 sind die Erwartungen ungleich höher als für das vierte Quartal bzw. das Gesamtjahr 2012 (siehe folgende Grafik).

Earnings S&P 500 (2)

Quelle: Standard & Poor’s (* Werte ab 2012 geschätzt)

Das Wichtigste: Wie fallen die Prognosen der Unternehmen aus?

Wie Sie sehen, hoffen die Analysten für dieses und das kommende Jahr wieder auf zweistellige Gewinnzuwächse. Diese Hoffnung müssen die Unternehmen in ihren Ausblicken nun mit den entsprechenden konkreten Prognosen unterlegen. Sonst drohen erneute Reduzierungen der Gewinnschätzungen, wie das schon während des gesamten Jahrs 2012 der Fall war (siehe erster Chart).

Diese Reduzierungen dürften mit Kursverlusten einhergehen, denn die jüngsten Kurssteigerungen haben den S&P 500 für 2013 auf das gleiche Bewertungsniveau gehievt, wie es auch 2011 und 2012 herrschte (KGV 13 bis 14). Jeder Prozentpunkt verringerter Gewinnerwartung könnte daher zu einem (mindestens) gleich großen Kursrückgang führen.

Auch die Charttechnik könnte schnell wieder kritisch werden

Und vergessen wir nicht: Der S&P 500 überwand just in der vergangenen Woche sein Hoch von 2012 – aber eben noch nicht nachhaltig. Ein Rückschlag könnte diesen Ausbruch nun schnell zu einem Fehlausbruch an dieser wichtigen Marke machen. Dann liefert auch die Charttechnik negative Signale.

Kurzfristig erscheinen daher nach den Kurssteigerungen der vergangenen Wochen und der damit erreichten überkauften Lage die Risiken größer als die Chancen. Bleiben Sie also besonnen und widerstehen Sie jeglichem Übermut. Das Jahr 2013 wird zweifellos noch einige große Chancen bereithalten. Es erscheint allerdings wahrscheinlich, dass wir derzeit nicht an einem solchen Punkt stehen.

 Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

(Quelle: www.stockstreet.de)

Wertpapier: DAX


Schreibe Deinen Kommentar

 

Kommentare

flk
22.01.13, 12:54
ISIN US0549371070
WKN/Local ID 884233
:-)

http://wallstcheatsheet.com/stocks/bbt-earnings-call-insights-loan-growth-expectations-and-new-branch-openings.html/?ref=YF


Und last but not least wuerden mich gute Zahlen von RF Micro
nicht verwundern ... da kommt heut noch was :-)
ISIN US7499411004
WKN/Local ID 907250
...schaumama wieviel an Samsung Nokia und Apple geliefert wurde!

Disclaimer

Enthaltene Werte

WertpapierKursZeitPerf. in %
9.544,19
17:45 
-0,58