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Bluetooth - ein neuer Standard gewinnt Profil

 |  28.02.2000, 10:57  |  67 Aufrufe  |   0  | 

Allmählich wird Bluetooth über den Kreis eingefleischter Technologie-Insider hinaus bekannt. In der letzten Woche machte z.B. Lintec von sich reden, als man bekanntgab, schon im zweiten Quartal diesen Jahres erste Bluetooth Produkte verkaufen zu wollen.

Wer auf der CeBit ist, sollte die Gelegenheit nicht versäumen, dem Bluetooth Interessenverband in Halle 1, Stand 5D4, einen Besuch abzustatten.


Was ist Bluetooth?

Bluetooth war ursprünglich mit dem Ziel angetreten, das Kabelwirrwarr rund um den PC zu beseitigen. Mittlerweile hat es sich aber von einem reinen Kabelersatz zu einem neuen Typ Netzwerk entwickelt, das alle im persönlichen Umkreis eines Individuums befindlichen elektronischen Komponenten untereinander verkoppelt. Es wird zu einem Standard für die drahtlose Nahbereichsanbindung von Endgeräten wie PCs, Organizern, Druckern, Telefonen, rechnergesteuerten Halthaltsgeräten bis hin zu Internet Appliances ausgebaut.

Naheliegende Anwendungen sind zur Zeit etwa schnurlose Freisprecheinrichtungen (auch für Handys), Digitalkameras mit PC-Ankopplung und dergleichen.

Die Gedanken gehen aber schon sehr viel weiter - sogar weg vom Kernthema hin in den Kfz-Bereich, wo Mannesmann VDO und Ericsson gemeinsam auf Bluetooth basierende Alarmanlagen entwickeln wollen.

Noch hat Bluetooth sein physikalisches Ziel nicht erreicht, eine robuste, per Mikrochip realisierte Funkkomponente zu sein, über die digitale Geräte kommunizieren können. Immerhin gibt es aber schon einige mehr oder weniger hoch integrierte Systeme, sprich Chipsätze.

Die Arbeitsfrequenz von Bluetooth liegt zwischen 2,4 und 2,5 GHz. Dieses ISM-Band ist weltweit verfügbar. An Reichweite plant man eine Größenordnung von zehn bis 30 Meter. Im Gegensatz zu einer IR-Verbindung geht die Kommunikation durch Wände und die Bandbreite ist um ein Vielfaches höher.

Die Bluetooth-Spezifikation als Ganzes definiert eine offene Systemlösung, die außer Hard- und Softwareeigenschaften auch Interoperabilitätsaspekte berücksichtigt. Die Mitte letzten Jahres herausgegebene Version 1.0 ist die erste offen gelegte Bluetooth Dokumentation. Der Standard definiert unterschiedliche Typen von Datenpaketen, asynchrone Datenraten bis 720 kBit/s, verschiedene Sprachformate, unterschiedliche Netzwerktopologien und Datenverschlüsselung.

Gegeneinander abgegrenzte Profile sollen helfen, Overhead im Einzelfall zu vermeiden, um besonders kostengünstige Systeme anbieten zu können.


Die Hauptplayer

Die Gründungsmitglieder der erst knapp zwei Jahre existenten Bluetooth-SIG (Special Interest Group), Ericsson, IBM, Intel, Nokia und Toshiba, haben kürzlich Verstärkung bekommen: Nun sind auch 3Com, Lucent, Motorola und Microsoft beigetreten. Neben der Kerntruppe gibt es eine Fülle bekannter oder weniger bekannter Namen, die sich eine Scheibe vom Kuchen abschneiden wollen.


Marktgröße

Analysten der GartnerGroup schätzen, dass im Jahre 2004 40% des e-Business außerhalb der USA durch drahtlose Handheld-Produkte abgewickelt werden. 75% aller neuen Cellular-Telephone sollen dann Bluetooth-fähig sein, um ein Remote Headset oder eben einen PDA ankoppeln zu können.

Die Cahners In-Stat Group geht davon aus, dass im Jahre 2005 fast 700 Mio. Bluetooth-Geräte eingesetzt werden. Bis dahin ist ein Marktvolumen von etwa drei Billionen US-Dollar aufgelaufen, das von den Produkten mit Bluetooth-Funktionalität gebildet wird.

Nach anderen Abschätzungen sollen im Jahre 2002 ungefähr 200 Mio. PC-Anwendungen und fast 250 Mio. Mobilfunkgeräte mit Bluetooth ausgerüstet sein. Außerdem wird prognostiziert, dass dann bereits fast 80% aller Headsets mit dieser Übertragungstechnik funktionieren.

Für die nächsten Jahre sagen Marktforscher übereinstimmend ein rasant steigendes Marktvolumen voraus. Einig sind sich die meisten Beobachter auch darin, dass es sich bei Bluetooth um die aktuell wichtigste Neuentwicklung in der drahtlosen Kommunikationstechnik handelt.


Die wichtigsten Namen

Hauptpromoter ist Ericsson. "Bluetooth" ist eingetragenes Warenzeichen des Unternehmens. Ericsson kann seit kurzem einen Starter-Kit anbieten. Das etwa 3000 US-Dollar kostende Teil richtet sich an Entwickler, die damit erste Gehversuche unternehmen können.

Philips arbeitet an einem Basisband-Controller und einem Chip für den Hochfrequenzteil.

Atmel will ebenfalls eine Lösung bestehend aus einem Basisband-Controller und einem RF-Transceiver aus dem -vor einiger Zeit übernommenen- Hause Temic Semiconductor anbieten. Eine Ein-Chip-Lösung soll in diesem Jahr verfügbar werden. Beide Unternehmen setzen übrigens einen ARM-Prozessor in ihren Designs ein.

Die kanadische Philsar hat einen Bluetooth-Transceiver entwickelt, der bei IBM gefertigt wird. Mitel bietet einen hierzu passenden Basisband-Controller an. Beide Unternehmen arbeiten gemeinsam an einer Ein-Chip-Lösung.

Lucent will seinen integrierten Bluetooth-HF-Chip im dritten Quartal 2000 in Stückzahlen liefern können. Auch hierzu steht dann ein Basisband-Controller auf ARM-Basis zur Verfügung.

Hitachi will den eigenen Geschäftsbereich "Kommunikations-IC’s" kräftig ausbauen und berücksichtigt dabei insbesondere Bluetooth- und CDMA-basierte HF-Applikationen. Im April diesen Jahres soll bereits ein Bluetooth-Controller vorgestellt werden. Das Unternehmen ist stark auch im HF-Chip Bereich. Diesen will man weiter voran bringen durch Entwicklung einer eigenen, auf GaAs beruhenden Technologie. Davon werden dann auch die weiteren Bluetooth-Aktivitäten wieder profitieren.

Auch Conexant will mitmischen. Das Unternehmen verfügt über einen eigenen SiGe-Prozess, der die Herstellung kleiner, leistungsfähiger und stromsparender HF-Halbleiter ermöglicht.

Lucent war die erste Chipfabrik mit SiGe-Prozess. Nun folgt Conexant. Auch IBM verfügt über eine solche Technologie. Hitachi setzt auf einen modifizierten GaAs-Prozess. Insbesondere bei der Bereitstellung von Ein-Chip-Lösungen ist die Beherrschung neuer Halbleiter-Technologien in der Tat ein entscheidender Wettbewerbsvorteil im kommenden Bluetooth-Geschäft. SiGe erlaubt die Realisierung von schneller Logik und Hochfrequenzfunktionen auf einem Chip.

Microsoft’s Motive bei Bluetooth liegen auf der Hand: Man will ja mit Windows-CE Einzug in Palmtops und andere persönliche Kommunikationsgeräte halten. Diese sind für drahtlose Kommunikation prädestiniert. Hier sieht man wohl erhebliche Möglichkeiten, die eigenen Pläne voranzutreiben.

Motorola hat sich kürzlich mit der Firma Digianswer Know-how eingekauft. Das Unternehmen ist in der Kurzstreckenkommunikation aktiv. Mot will zügig preiswerte Produkte für die drahtlose Kommunikation, z.B. für Bluetooth, herausbringen.

In Deutschland hat neben Lintec auch die am Neuen Markt notierte ELSA bereits blaue Zähne gezeigt und will Produkte im Übertragungsbereich mit Bluetooth ausrüsten.


Fazit

Man darf gespannt sein, ob und wann Bluetooth über den bisher äußerst eingegrenzten Aktionsradius (einige zehn Meter) hinausgetrieben wird.

Zweifellos handelt es sich bei Bluetooth um eine äußerst wichtige Neuentwicklung in der drahtlosen Kommunikationstechnik.

Ein Gewinner steht schon fest: ARM ist mit seinen Controller-Designs in den gegenwärtig wichtigsten Ansätzen für eine hochintegrierte Bluetooth-Lösung vertreten.

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