NRZ Reaktion auf ADAC-Skandal: Stiftung Warentest wiederholt Reifentests

    Nachrichtenagentur: news aktuell
     |  11.02.2014, 17:01  |  262 Aufrufe  |   | 
    Essen (ots) - Wegen des Manipulationsverdachts wiederholt die
    Stiftung Warentest einen Teil der Reifentests und stellt die
    Kooperation mit dem ADAC auf den Prüfstand


    Die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest wird ihren
    alljährlichen Sommerreifen-Test in Teilen wiederholen und kann
    deswegen die Testergebnisse erst einen Monat später als gewohnt
    vorlegen. Die für März geplante Veröffentlichung der Testergebnisse
    wurde jetzt gestoppt, zum Teil soll es neue Reifentests geben. "Wir
    planen die Veröffentlichung jetzt für das Aprilheft", s der für die
    Tests zuständige Bereichsleiter der Stiftung. Hintergrund sind
    Vorwürfe an den ADAC, auch bei den Reifentests manipuliert zu haben.
    Stiftung Warentest und ADAC haben eine langjährige Kooperation vor
    allem bei Tests von Kinderautositzen und Reifen. Ein Ende der
    Kooperationen mit dem ADAC sei hingegen nicht geplant, so Stiftung
    Warentest.

    Der ADAC und die Stiftung Warentest - das sind zwei Leuchttürme
    des Verbrauchervertrauens in einer unübersichtlichen Warenwelt.
    Besser gesagt: Es waren zwei Leuchttürme. Die Strahlkraft des
    Automobilclubs ist dahin - und bei den Verbraucherschützern der
    Stiftung Warentest kann man zwischen den Zeilen heraushören, wie
    schwierig der Spagat ist zwischen der Wahrung einer langjährigen
    Kooperation mit einem anscheinend verlässlichen Partner mit großer
    Medienmacht und dem Bemühen, die eigenen Unabhängigkeit und das
    eigene Renommée zu bewahren.

    Derzeit, das machen die Berliner Verbraucherschützer sehr
    deutlich, gibt es keinen Hinweis darauf, dass bei einem der
    gemeinsamen Tests manipuliert worden ist. Der Hinweis auf angeblich
    extra für die Tests gefertigte Reifen wird von der Stiftung Warentest
    aber immerhin so ernst genommen, dass der Test der Sommerreifen 2014
    in Teilen noch einmal wiederholt wird. Zwar seien die
    Manipulationsvorwürfe in weiten Teilen wieder zurückgenommen worden,
    dennoch wolle man ganz sichergehen und werde mehrere Reifensätze
    nachkaufen und nachtesten, um vor allem bei den Ausreißern nach oben
    und unten in der Test-Liste die bisherigen Ergebnisse auf ihre
    Plausibilität überprüfen zu können, so die Stiftung Warentest.

    Die Tests, insbesondere von Reifen und von Autokindersitzen, sind
    extrem aufwändig. "Die haben schnell ein Volumen von rund 600 000
    Euro und gehen damit an die Grenze dessen, was wir stemmen können",
    so Holger Brackemann, bei der Stiftung Warentest verantwortlich für
    die Untersuchungen. So werden von 40 bis 50 verschiedenen Typen
    jeweils 24 Reifen gekauft und getestet - wegen der langen Testdauer
    zum Teil Monate vorher. Kurz vor Veröffentlichung werden dann noch
    einmal Reifen nachgekauft, um festzustellen, ob die Produktqualität
    gleich geblieben ist. Insbesondere bei Rollwiderstand und beim
    Nassbremstest wird jetzt noch einmal mit - wie bislang auch - anonym
    eingekauften Reifen das bisherige Ergebnis überprüft, so Warentest.

    Bei Kindersitzen sind es vor allem Crashtests, die ins Geld gehen.
    Diese Tests wie auch die Reifentests laufen häufig in
    ADAC-Teststätten - und im Verbund mit Verbraucherschutzorganisationen
    und Verkehrsclubs in anderen europäischen Ländern.

    Gemeinsam mit diesen Organisationen werde man jetzt beobachten,
    wie der ADAC sich aufstellt, um seine Glaubwürdigkeit
    wiederzugewinnen, heißt es bei der Stiftung. Fest stehe allerdings
    auch: Für die Warentester gebe es genügend Alternativen zu den
    ADAC-Prüfeinrichtungen.

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