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Was ist denn da los? Ölpreis steigt auf 100 USD, Rubel wertet um 20 Prozent auf und Silber legt 30 Prozent zu!

16.12.2015, 11:46  |  17823   |   |   

Zum Ende eines jeden Jahres präsentiert die Saxo Bank ihre „10 Outrageous Predictions“ für das kommende Jahr. Welche eher unwahrscheinlichen Szenarien könnten unter Umständen eintreten und 2016 für erhebliche Tumulte an den Finanzmärkten sorgen?

Wie in jedem Jahr umspannen die provokanten Thesen die gesamte Bandbreite der Märkte und Regionen. Wir sollten in 2016 vor allem den Ölpreis, das Edelmetall Silber aber auch den Russischen Rubel im Auge behalten. Auch die viel gepriesenen „Einhörner“ des Silicon Valley bekommen ihr Fett weg. Augen auf auch am Markt für Unternehmensanleihen und den Emerging Markets. Hier könnte ein neuer Stern am Himmel stehen. 

„Wir nähern uns dem Ende der Paradigmenparalyse, die die wirtschaftspolitische Reaktion auf die weltweite Finanzkrise geprägt hat. Quantitative Lockerung und andere Formen der Intervention haben versagt. China befindet sich in einer Übergangsphase und die geopolitischen Spannungen sind so komplex wie eh und je. Die Grenzkosten des Kapitals steigen, ebenso wie Volatilität und Ungewissheit. Das bildet den Rahmen für unsere diesjährigen Prognosen,“ kommentiert Steen Jakobsen, Chefökonom bei der Saxo Bank.

„Die Outrageous Predictions der Saxo Bank skizzieren zehn relativ kontroverse, voneinander unabhängige Szenarien, die die Investmentbranche auf den Kopf stellen könnten. Es ist schon interessant zu beobachten, wie diese provokanten Thesen die Fantasie unserer Kunden anregen und die laufende Debatte beleben. Dieser Diskurs und das kritische Denken jenseits aller Herdenmentalität stehen im Mittelpunkt der zehn Thesen, die bei der Saxo Bank mittlerweile Tradition haben. Es geht darum, die Sensibilität für vernachlässigte Risiken zu schärfen“, so Jakobsen.


Und hier sind sie nun, die 10 Outrageous Predictions für 2016:  

1. Quo vadis EUR/USD? 1,23 …
Europa hat einen massiven Leistungsbilanzüberschuss aufgehäuft. Die niedrige Inflation sollte zudem – jedenfalls nach volkswirtschaftlicher Logik – eine stärkere und nicht etwa schwächere Währung bedeuten. Hier schließt sich der Kreis beim Rennen um den letzten Platz: Als unmittelbare Konsequenz der US-Zinspolitik ist der Dollar jetzt wieder geschwächt.

2. Der russische Rubel legt bis Ende 2016 um 20 Prozent zu
Ein plötzlicher Anstieg der Nachfrage nach Öl sowie die quälend langsame Straffungspolitik der Fed führen dazu, dass der russische Rubel bis Ende 2016 um rund 20 Prozent gegenüber dem USD/EUR-Korb zulegt.

3. Realitätscheck bereitet Silicon-Valley-Einhörnern Verdruss
2016 wird im Silicon Valley dem Jahr 2000 ähneln: Immer mehr Startups setzen beim Versuch, kritische Masse zu erreichen, lieber auf hohe Nutzerzahlen als auf Monetarisierung und handfeste Geschäftsmodelle.

4. Olympische Spiele lösen Boom in Brasilien und damit eine Erholung an den EM aus
Aufgrund von Stabilisierung, Investitionsausgaben anlässlich der Olympischen Spiele sowie maßvollen Reformen erholt sich die Stimmung in Brasilien. Zugleich begünstigen die schwächeren Lokalwährungen die EM-Exporte. Im Ergebnis dürfte Aktien von den EM ein hervorragendes Jahr bevorstehen, in dem sie Anleihen und andere Aktien übertreffen.

5. Demokraten stellen auch den neuen Präsidenten und erzielen 2016 absolute Mehrheit im Kongress
Die Republikaner verzetteln sich in internen Streitigkeiten über die künftige Richtung der Partei. Daher verspielen sie ihr politisches Kapital und stürzen dramatisch in der Wählergunst ab. In der Folge erzielt die Demokratische Partei einen erdrutschartigen Sieg. Dabei profitiert sie insbesondere von einer Kampagne, die sich vor allem an Jungwähler, die sogenannten Millennials, richtet, die von dem politischen Patt und den mageren Jobaussichten der vergangenen acht Jahre frustriert sind.

6. Opec-Turbulenzen lösen vorübergehenden Anstieg des Ölpreises auf 100 USD pro Barrel aus
Der sogenannte Opec Basket Price für Rohöl fällt auf den niedrigsten Stand seit 2009. In der Folge wächst sowohl bei schwächeren als auch wohlhabenderen Mitgliedern der Unmut über die Preisstrategie der Organisation. Dadurch zeichnet sich schließlich die lang erwartete Verlangsamung der Ölförderung in den Nicht-Opec-Ländern ab. Das verschafft der Opec wiederum genug Auftrieb, um den Markt mit einer Drosselung ihrer Produktion zu überrumpeln. Der Preis erholt sich bald wieder, als Anleger erneut auf der Kaufseite in den Markt drängen. Eine Rückkehr des Ölpreises auf $100/Barrel ist in Sicht.

7. Silber bricht aus seiner üblichen Range aus und legt um 33 Prozent zu
2016 werden wir ein stärkeres Interesse an Silber erleben. Der politische Wille, Kohlenstoffdioxid-Emissionen durch Förderung erneuerbarer Energiequellen zu reduzieren, steigert die industrielle Nachfrage nach Silber für den Einsatz in Sonnenkollektoren. Der Preis für Silber wird daher um ein Drittel zulegen; andere Metalle können da nicht mithalten.

8. Offensive Fed-Politik führt zum Einbruch der Kurse für Unternehmensanleihen
Ende 2016 wird Fed-Chefin Janet Yellen eine stärker anti-inflationäre Tonart anschlagen und die Zinsen in schneller Folge deutlich anheben. Durch die steigenden Renditen kommt es an allen großen Anleihemärkten zu einem massiven Einbruch der Kurse. Da die Teile der Bank- und Broker-Bilanzen, die zuvor für Bondhandel und Market-Making vorgesehen waren, nahezu verschwunden sind, fehlt ein für einen funktionierenden Markt unerlässliches Element. Der Markt realisiert dies zu spät und die gesamte Kaufseite setzt auf Panikverkäufe, sobald ausgeklügelte Risikomodelle unisono auf Alarmstufe rot schalten.

9. El Niño löst sprunghaften Anstieg der Inflationsrate aus
Der nächstjährige El Niño soll der bisher extremste werden. Das bedeutet Wassermangel in weiten Teilen Südostasiens und Dürren in Australien. Die geringeren Ernteerträge lösen zu einem Zeitpunkt Versorgungsengpässe aus, wenn die Nachfrage im Zuge der weltweiten konjunkturellen Erholung immer noch steigt. In der Folge schießt der Bloomberg Agriculture Spot Index um 40 Prozent nach oben und treibt so die Inflationsrate in die Höhe (was auch dringend erforderlich ist).

10. Ungleichheit schlägt Luxus
Wachsende Ungleichheit sowie Arbeitslosenquoten von über 10 Prozent führen dazu, dass europäische Politiker die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens erwägen, damit alle Bürger ihre Grundbedürfnisse decken können. In einer eher egalitär ausgerichteten Gesellschaft, in der andere Werte gefördert werden, stürzt die Nachfrage nach Luxusgütern ab. Der Sektor kollabiert.
 



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Kommentare

Die Punkte 2, 6 und 7 waren sicherlich auch schon Träume im Kopf des selbsternannten Oberrrussen. Aber wie das mit Träumen so ist: Wacht man auf, zerplatzen sie wie eine Seifenblase.

Was mir mehr Sorgen macht ist der arme Mann im Titelbild. Jede Woche muss er mindestens eine neue Katastropenmeldung verkraften. Das ist einem gesunden Blutdruck nicht förderlich. Muss man also doch wieder nach Pharmaweten schauen. :)
@neuflostein: Na, das ist ja schon ein sehr hartes Urteil, das leider nicht den ironischen Bezug der so genannten provokanten Thesen (engl.: „Outrageous Predictions“) einbezieht. Diese Outrageous Predictions werden jedes Jahr mit einem Augenzwinkern von der Saxo Bank veröffentlicht. Treffsicherheit ist hier eher nicht das Ziel.
Steen Jacobsen ist ein Idiot, der eigentlich immer danebenliegt. Bei 10 Vorhersagen ist natürlich ab und zu mal was halbwegs treffsicheres dabei aber über die letzten Jahre lag er eigentlich immer daneben. Hier die "Predictions" vom letzten Jahr:

Die provokanten Thesen der Saxo Bank für 2015

1. Zusammenbruch des britischen Immobilienmarkts

Studien zufolge wird die Dynamik auf dem britischen Immobilienmarkt, vor allem in London, schnell nachlassen. Durch die bevorstehende Zinserhöhung der Bank of England wird Großbritannien 2015 einen Immobilien-Crash und einen Preisrückgang von sage und schreibe 25 Prozent erleben.

2. Inflation in Japan erreicht 5-Prozent-Marke

Das Vertrauen in den Yen ist durch die aggressive Geldpolitik der japanischen Notenbank erschüttert, deren Chef feststellen muss, dass seine Inflationspolitik einen zu großen „Erfolg“ gezeitigt hat. Es ist ein Symptom dafür, dass Japan die Kontrolle über seine Währung verloren hat.

3. China wertet Yuan um 20 Prozent ab

China wird nach Möglichkeiten Ausschau halten, den enormen Deflationsdruck – die Kehrseite des Kreditbooms – zu verringern. Im Zuge der lauernden Deflationsgefahren schneidet sich China eine Scheibe von der Bank of Japan ab, beschließt eine Entwertung des Yuan um 20 Prozent und folgt so dem Beispiel Japans bei seinen Anstrengungen, Inflation und Nachfrage zu erhöhen.

4. Draghi legt Amt bei der EZB nieder

Um die Deutschen vom QE-Programm der Europäischen Zentralbank zu überzeugen, tritt Mario Draghi von seinem Amt zurück, damit die EZB ihre Politik der quantitativen Lockerung unter einem neuen Präsidenten, Jens Weidmann von der Bundesbank, fortsetzen kann. Draghi sieht größere Chancen für seine Qualitäten in Italien, wo er von Präsident Napolitano als sein Amtsnachfolger vorgeschlagen wird.

5. Russland wieder in der Schuldenkrise

Aufgrund stark fallender Ölpreise und einer kalten Finanzschulter von Russlands geopolitischen Widersachern, werden russische Großkonzerne oder die Regierung selbst Bestandteil einer immer stärkeren Auslandsverschuldung. Zusammen mit einer diplomatischen Lösung der Ukraine-Frage ist eine Schuldenkrise wie 1998 notwendig, um die Zukunft des Landes zu sichern.

6. Internet-Hacker zerschlagen den E-Commerce

2015 werden die größten E-Commerce-Player Opfer von noch umfangreicheren und schärferen Angriffen sein, die wahre Schockwellen bei Internet- und Cloud-Dienstleistern auslösen. Aufgrund der starken negativen Auswirkungen auf die E-Commerce-Branche und auch seiner Überbewertung erleidet Amazon.com, der größte Internethändler und führender Anbieter von webbasierten Dienstleistungen, einen Rückgang von 50 Prozent.

7. Vulkanausbruch macht Sommer in Europa zunichte

Wie der Vulkan Laki im Jahre 1783, bricht der bereits aktive isländische Vulkan Bardarbunga 2015 aus und setzt enorme Mengen an giftigem Schwefeldioxid und anderen Gasen frei, die den Himmel über Europa verdunkeln. Der Ausbruch führt zu einer Veränderung der Wetterbedingungen und schürt Ängste vor Ernteausfällen in ganz Europa. Die Getreidepreise verdoppeln sich, obwohl sich die Auswirkungen des Vulkanausbruchs als weitaus moderater erweisen, als ursprünglich befürchtet.

8. Kakao-Futures erreichen Rekordmarke von 5.000 USD pro Tonne

Weltweit steigt die Nachfrage nach Kakao, da der westliche Gaumen dunklere Schokolade bevorzugt und immer mehr Asiaten ihre Liebe zu Schokolade entdecken. Aufgrund des sinkenden Kakaoangebots infolge der Sorge vor dem Ebola-Virus sowie der zu geringen Investitionen in wichtigen westafrikanischen Erzeugerregionen, liegt der weltweite Verbrauch von Kakao deutlich über seiner Produktion. Diese Tatsache wird sich 2015 in einem Rekordpreis für Kakao von über 5.000 USD pro Tonne niederschlagen.

9. Großbritannien nach erdrutschartigem Wahlsieg der UKIP vor möglichem Ausstieg aus der EU (Brexit)

Bei den britischen Unterhauswahlen am 7. Mai 2015 erringt die UK Independence Party 25 Prozent der abgegebenen Stimmen und zieht dadurch sensationell als drittgrößte Partei ins Parlament ein. Die UKIP bildet eine Koalitionsregierung mit der konservativen Partei von David Cameron und ruft 2017 zum geplanten Referendum über die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU auf. Die britische Staatsverschuldung nimmt deutlich zu.

10. Spreads bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen verdoppeln sich

Nach einer deutlichen Veränderung bei hochverzinslichen Anleihen sind Anleger, die 2015 nach Ausstiegsmöglichkeiten suchen, mit geringer Liquidität und starken Preisrückgängen konfrontiert. Mit dem massiven Abverkauf hochverzinslicher Kredite erschüttern neue Schockwellen wieder die schwache europäische Wirtschaft in ihren Grundfesten. Der Markit iTraxx Europe Crossover-Index verdoppelt sich 2015 auf 700 Basispunkte.

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