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Ölpreis bald bei 10 US-Dollar? Wenn billiges Öl zur Gefahr wird - Stürzt uns der Ölpreis in eine neue Finanzkrise?

13.01.2016, 12:01  |  9578   |   |   

Jubel an den Zapfsäulen, Panik auf den Bohrinseln – Der Ölpreis fällt und fällt und fällt. Allein seit Jahresbeginn hat er fast 20 Prozent eingebüßt. Gestern dann der nächste Meilenstein: Auch die Marke von 30 US-Dollar wurde durchbrochen.

Es war nur ein kurzer Ausflug, doch es war einer mit Signalwirkung. Erstmals seit Dezember 2003 fiel der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI kurzzeitig unter die Marke von 30 US-Dollar und kostete im Tief 29,93 US-Dollar. Auch die Nordseemarke Barrel kam den 30 US-Dollar bedrohlich nahe. Ein Barrel kostete am Abend 30,90 Dollar und damit 65 Cent weniger als am Vortag. Im Tagestief waren es mit 30,34 Dollar noch etwas weniger.

Zwar konnten sich die Ölpreise am Mittwoch wieder leicht erholen, dennoch geben Experten alles andere als Entwarnung. Im Gegenteil, sie korrigieren derzeit reihenweise ihre Prognosen nach unten. Goldman Sachs hatte bereits im September 2015 vorausgesagt, dass der Ölpreis auf 20 US-Dollar abstürzen könnte. Mittlerweile hält das auch Morgan Stanley für möglich. Die Standard Chartered Bank geht nun noch einen Schritt weiter. Sie glaubt: Öl wird auf zehn US-Dollar crashen! Erst dann würden Anleger begreifen, dass der Preisverfall zu weit gegangen sei, heißt es dazu in der „Bild“.

Jubel im Heizungskeller und an den Zapfsäulen

Ein solcher Öl-Crash würde für weiteren Jubel an den Zapfsäulen sorgen. Dank des niedrigen Ölpreises dürfen sich Autofahrer über ebenfalls purzelnde Spritpreise freuen. Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer rechnet damit, dass der billige Sprit die Deutschen in einen Kaufrausch versetzen wird. „Insgesamt rechnen wir durch den Ölpreis-Effekt mit einer Zusatznachfrage von mehr als 600.000 Pkw“, so Dudenhöffer gegenüber der „Welt“. Das wäre ein Absatzplus von 1,6 Prozent allein in Deutschland. Weltweit dürfte das Plus sogar deutlich höher liegen. Aber nicht nur bei Fahrzeugen ist mit einem Kaufrausch zu rechnen, auch Ölheizungen erleben dank der niedrigen Preise ein ungeahntes Comeback. Die bis dato jahrelang rückläufigen Einbauzahlen schossen 2015 laut „Spiegel Online“ schlagartig in die Höhe: Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres wurden demnach rund 30 Prozent mehr Ölheizungen eingebaut.

Eine Entwicklung, die so ganz und gar nicht nach dem Geschmack der Umweltschützer ist. Sie wähnten sich auf einem guten Weg. Aufgrund der hohen Energiekosten sei es an der Zapfsäule oder im Heizungskeller, entschieden sich immer mehr Deutsche für energiesparende und umweltschonende Alternativen. Doch damit dürfte erst einmal Schluss sein, denn bei diesen günstigen Preisen ist es schnell vorbei mit den guten Vorsätzen. Stattdessen wird wieder gefahren, geheizt und verbraucht, was das Zeug hält.

Für die Ölproduzenten wird es eng

Den Ölproduzenten wäre das nur allzu Recht. Sie hoffen darauf, dass ein steigender Verbrauch den Ölpreisen wieder Auftrieb verleihen wird. Allzu lange können sie sich bei dem derzeitigen Preisniveau nämlich nicht mehr über Wasser halten. Ölstaaten wie Venezuela, Russland oder Nigeria bräuchten für einen ausgeglichenen Haushalt einen Ölpreis von 100 US-Dollar oder sogar darüber, schreibt „Spiegel Online“. Selbst Saudi-Arabien gerät mittlerweile unter Druck. Um andere Wettbewerber aus dem Markt zu drängen, allen voran die US-Fracking-Industrie sowie Erzfeind Iran, halten die Saudis ihre Ölschleusen weiter offen. Nun aber wird der riskante Ölpreis-Krieg immer mehr zum Bumerang (siehe: Rekorddefizit! Saudi-Arabien bekommt Quittung für riskanten Ölpreis-Krieg).

Brenzlig wird die Lage auf dem Ölmarkt auch für die US-Fracking-Industrie. Die Hälfte der derzeitigen Produzenten habe kein legitimes Recht in einem Geschäft zu sein, dessen Preise selbst bei einer Erholung auf etwa 50 oder 60 US-Dollar prognostiziert werden, zitiert „Spiegel Online“ Fadel Gheit. Der Ölexperte der Investmentbank Oppenheimer sagt: „Sie brauchen Öl für 70 US-Dollar, um zu überleben.“ Tatsächlich gehen bei immer mehr Fracking-Unternehmen die Lichter aus. Die Sorge vor einem gefährlichen Dominoeffekt wächst. Denn hier steht nicht nur die Existenz der Fracking-Industrie auf dem Spiel, auch die Finanzwelt könnte in eine bedrohliche Schieflage geraten.

Stürzt uns der Ölpreis in eine neue Finanzkrise?

Hintergrund ist die Tatsache, dass der Fracking-Boom in den USA zum Großteil auf Pump basiert. Viel gefährlicher als die Höhe ist dabei die Art der Verschuldung. Die Fracking-Industrie finanziert sich größtenteils über hochriskante Anleihen, sogenannte High-Yield-Anleihen. Hierbei handelt es sich um ungesicherte Schuldverschreibungen von Emittenten mit einer schlechten Bonität. Solche Anleihen locken zwar mit hohen Zinsen, aber sie haben ihren Preis: Das Ausfallrisiko ist weitaus größer als bei normal verzinsten Anleihen. Experten vergleichen die Situation der Fracking-Anleihen daher mit den damaligen Subprime-Krediten auf dem US-Immobilienmarkt und warnen vor einer neuen Finanzkrise (Mehr dazu hier: Achtung, Crashgefahr! Riskante Fracking-Anleihen könnten neue Finanzkrise auslösen sowie Die Lunte brennt! Chaos am Markt für High-Yield Junk-Bonds - Investoren in der Falle?).

Ölstaaten, Umweltschutz, Fracking-Industrie, Finanzmärkte …  – die Liste der Öl-Verlierer ist lang. Für sie alle steht viel auf dem Spiel, je tiefer der Ölpreis in den Keller rauscht.

Wertpapier: Morgan Stanley


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Jubel an den Zapfsäulen, Panik auf den Bohrinseln - Der Ölpreis fällt und fällt und fällt. Allein seit Jahresbeginn hat er fast 20 Prozent eingebüßt. Gestern dann der nächste Meilenstein: Auch die Marke von 30 US-Dollar wurde durchbrochen.

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