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Ölpreis Öl fällt unter 30 US-Dollar – Die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses auf dem Ölmarkt

Gastautor: Jochen Stanzl
15.01.2016, 17:45  |  4530   |   |   

Der Verfall der Ölpreise geht weiter, jetzt rutscht der Preis für das schwarze Gold unter 30 US-Dollar. Auch an dieser Marke wird wieder spekuliert, ob hier endlich der Boden gefunden wird oder die Talfahrt weiter geht. Während sich Autofahrer über günstige Benzinpreise freuen, sorgen sich die Börsen über eine Pleitewelle im Energiesektor. Ein Kollaps im Öl könnte zu Milliardenverlusten bei Banken führen, die gezwungen wären, uneinbringliche Kredite abzuschreiben. Allein US-Banken sollen hochverzinsliche, spekulative Kredite in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar an den Ölsektor vergeben haben, um das Nullzinsumfeld zu umgehen. Diese Renditejagd könnte sich bitter rächen.

Die Ursachen des Öl-Crashs
Der Boom der amerikanischen Ölproduktion zwang die OPEC im Herbst 2014, den Mindestpreis abzuschaffen. Die amerikanischen Ölfirmen haben herausgefunden, wie man horizontal in Schiefergestein bohren und dieses aufsprengen kann, um an das darin gebundene Öl und Gas zu gelangen. Das war im Jahr 2005. Die amerikanische Ölproduktion stieg aber erst drei Jahre später an, als Ben Bernanke nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Banken erst den Leitzins auf Null senkte und anschließend ein milliardenschweres QE-Programm initiierte, um das Zinsniveau effektiv in den negativen Bereich zu bewegen. Die Flut an billigem Geld war ein Segen für die Ölfirmen, die Hochzinsanleihen verkaufen konnten wie warme Semmeln. Anleger rissen sich um die Anleihen, weil sie anscheinend sichere Überrenditen über dem Marktniveau boten.

Inflationsziele der Zentralbanken werden hinterfragt
Der tiefe Ölpreis lässt die Frage aufkommen, welche Inflation die US-Notenbank eigentlich bekämpfen will. Der Ölpreisrückgang lässt die Inflationserwartungen sinken. Dadurch werden weitere Leitzinsanhebungen der US-Notenbank in diesem Jahr schwer zu rechtfertigen sein. Ein Kollaps der Ölpreise lässt auch die Frage aufkommen, wie die EZB das Ziel von zwei Prozent Inflation noch erreichen will. Tiefere Ölpreise erzeugen Kostendeflation: Jeder Produktionsprozess benötigt Energie. Wenn der Ölpreis sinkt, dann sinken auch die Preise für andere energetisch genutzte Rohstoffe wie Kohle oder Gas. Das erzeugt Deflation, aber gerade keine Inflation. Das stellt eine ernsthafte Gefahr für die Ziele dar, die die Zentralbanken erreichen wollen.

Rezessionsgefahren in den USA
Die amerikanischen Optionsmärkte sehen die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den USA bei 25 Prozent. Die chinesische Regierung hat den Yuan zu Jahresbeginn schnell abgewertet und will sich damit Vorteile auf dem Exportmarkt verschaffen. Der Nebeneffekt ist, dass dadurch effektiv Deflation von China auf den Weltmarkt exportiert wird. Die Arbeitsmarktstatistik der Vereinigten Staaten zeigt jetzt, dass China im Dezember 2015 so viel Deflation in die USA exportiert hat wie zuletzt vor sechs Jahren.

China stoppt Ölpreisverfall – für sich selbst
Die Regierung in Peking hat entschieden, Ölpreise von unter 40 Dollar nicht mehr an die Preise für Benzin und Diesel weiterzugeben. Das heißt, dass die chinesische Nachfrage jetzt nicht mehr auf weitere Preisrückgänge reagieren wird. Das Gegenteil ist der Fall, sie wird sogar gedämpft, da der Ölpreis von derzeit rund 30 auf 40 US-Dollar heraufgesetzt wurde. Das soll dem Umweltschutz dienen, was sicherlich funktionieren kann, es ist aber ein böses Omen für den Ölmarkt. Man hatte gehofft, dass die chinesische Nachfrage ansteigen könnte, weil der Preis gesunken ist. Nun zerstört der Versuch Chinas, die Luft reinzuhalten, diese Hoffnungen.

Die Wahrscheinlichkeit eines Ölpreis-Kollapses
Nun steigen die Lagerbestände immer weiter an. Die US-Ölproduktion könnte im Januar nur um etwas mehr als 100.000 Barrel/Tag sinken. Die Reaktion auf die tiefen Ölpreise ist damit eher mau. Man hatte angesichts der Unterfinanzierung der amerikanischen Ölindustrie eher damit gerechnet, dass viele Unternehmen ihre Produktion stärker einschränken werden. Einige gingen von Werten aus, die beim vier- bis fünffachen der jetzt erwarteten 100.000 Barrel/Tag lagen. Das kam nicht. Am Montag endet möglicherweise das Ölexportverbot für den Iran. Die zusätzlichen Mengen, die der Iran exportiert, könnten den Rückgang der amerikanischen Produktion also überkompensieren. Die Lager der Welt laufen damit weiter voll. Was passiert, wenn die Lagerhallen fast voll sind? Es könnte zu einer aggressiven Marktbereinigung kommen, die Preise kollabieren, das erzwingt Fördermengenstopps bei Ölfeldern rund um den Erdball. Damit sorgt der Markt für einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage und die Ölpreise haben dann eine Chance, einen Boden auszubilden.



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Ölpreis Öl fällt unter 30 US-Dollar – Die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses auf dem Ölmarkt

Die Ursachen des Öl-Crashs
Der Boom der amerikanischen Ölproduktion zwang die OPEC im Herbst 2014, den Mindestpreis abzuschaffen. Die amerikanischen Ölfirmen haben herausgefunden, wie man horizontal in Schiefergestein bohren und dieses aufsprengen kann, um an das darin gebundene Öl und Gas zu gelangen. Das war im Jahr 2005. Die amerikanische Ölproduktion stieg aber erst drei Jahre später an, als Ben Bernanke nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Banken erst den Leitzins auf Null senkte und anschließend ein milliardenschweres QE-Programm initiierte, um das Zinsniveau effektiv in den negativen Bereich zu bewegen. Die Flut an billigem Geld war ein Segen für die Ölfirmen, die Hochzinsanleihen verkaufen konnten wie warme Semmeln. Anleger rissen sich um die Anleihen, weil sie anscheinend sichere Überrenditen über dem Marktniveau boten.

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