DAX+0,44 % EUR/USD+0,26 % Gold+0,26 % Öl (Brent)+0,83 %

TOP Qualität im TecDAX! 2-stelliges Wachstum im Jahr 2016?

Gastautor: Volker Glaser
17.01.2016, 13:16  |  718   |   |   

Beim Softwarehersteller für Architektur und das Ingenieur- und Bauwesen laufen die Geschäfte wie am Schnürchen. „2015 war für uns ein sehr gutes Jahr. Wir sind auf allen Ebenen unserer Lösungen und allen Märkten gewachsen. Treiber sind unsere innovativen Lösungen für Open Building Information Modeling (BIM) – also für die Digitalisierung unserer Branche. Unsere zahlreichen Innovationen und die Entwicklung unserer Produkte führten zudem zur Gewinnung einer hohen Zahl von Neukunden, die von unserer Lösung überzeugt wurden“, sagt uns Vorstandssprecher Patrik Heider im Hintergrundgespräch. Organisch ist das Unternehmen um mehr als 10 % gewachsen. Nemetschek hat beispielsweise auch Kunden vom größten Wettbewerber Autodesk gewonnen, die zuvor die Lösungen der Amerikaner bevorzugt hatten. In den USA waren die Münchner ohnehin sehr erfolgreich. „Der Kauf von Bluebeam im Herbst 2014 hat sich bestens ausbezahlt. Das Unternehmen ist im Jahr 2015 um ca. 40 % gewachsen. Ich bin zuversichtlich, dass diese Einheit zumindest in 2016 und 2017 weiterhin sehr stark wachsen wird“, so Heider.

Zu den Zahlen des Jahres 2015 wollte sich der Firmenchef noch nicht äußern. Negative Überraschungen sind aber offenbar nicht zu erwarten. 2015 wird wieder ein Rekordjahr werden. Nemetschek hat im Oktober 2015 die Prognose für den Umsatz als auch das EBITDA nach oben gesetzt. Anstatt eines Wachstums von 20 bis 23 % erwartet die Gesellschaft ein Umsatzplus von bis zu 29 % auf 278 bis 282 Mio. Euro. Die Erwartungen für das EBITDA wurden von 62 bis 65 auf 65 bis 67 Mio. Euro erhöht. Denkbar, dass das Softwareunternehmen die Erwartungen schlussendlich nochmals leicht übertrifft. Unterstellen wir ein EBITDA von 67 Mio. Euro, erwarten wir ein EBIT von ca. 50 Mio. Euro. Von den gesamten Abschreibungen entfallen ca. 10 Mio. Euro auf Kaufpreisallokationen. Das Finanzergebnis erwarten wir leicht negativ und die Steuerquote bei ca. 32 %. Netto dürften über 35 Mio. Euro in der Kasse klingeln. Auf Basis der 38.5 Mio. Aktien sollte sich der Gewinn je Aktie auf rund 90 Cent belaufen. Bereinigt um PPA-Abschreibungen dürfte sich das EPS auf Basis dieser Annahmen auf ca. 1.15 Euro belaufen. Den Free Cashflow bereinigt um Kosten für Übernahmen erwarten wir bei deutlich über 50 Mio. Euro. Weil das Geschäftsjahr 2015 sehr stark verlaufen ist, rechnen wir mit einer deutlichen Anhebung der Ausschüttung auf bis zu 50 Cent je Aktie nach 40 Cent im Vorjahr.

Bislang hat Heider seinen Anteilseignern ein jährliches Umsatzplus zwischen 6 und 9 % in Aussicht gestellt. Nunmehr erwartet der CEO ein jährliches Umsatzplus von mindestens 10 %. „Wir wollen nachhaltig in jedem Jahr zweistellig wachsen. Für das Jahr 2016 sind wir erneut zuversichtlich, um mehr als 10 % aus eigener Kraft zu wachsen.“ Die EBITDA-Marge sieht der Firmenchef zwischen 23 und 25 %. „Es ist derzeit nicht unser Ziel, die Margen zu optimieren. Wir wollen lieber stark wachsen. Uns ist das Wachstum lieber, weshalb wir entsprechend investieren“, erklärt Heider.

Parallel zum organischen Wachstum setzt Nemetschek auf Übernahmen. Jüngst wurde der BIM-Spezialist Solibri gekauft. „Solbiri ist eine strategische Übernahme, die unser Portfolio durch ein sehr hochwertiges Produkt ergänzt. Das Unternehmen profitiert von Regularien der BIM-Standards und passt perfekt zu uns“, sagt Heider. Die Firma setzt knapp 5 Mio. Euro um und wirtschaftet mit einer EBITDA-Marge von über 20 %. Bezahlt hat Nemetschek 32 Mio. Euro. Hinzuaddieren können sich noch Earn-out-Zahlungen von rund 13 Mio. Euro. Der Kaufpreis ist auf den ersten Blick durchaus sportlich. „Das Umsatzmultiple ist aufgrund der großen strategischen Bedeutung von Solibri für unseren Konzern zu rechtfertigen. Sofern unsere Wachstumsplanungen aufgehen und wir alle Earn-out-Zahlungen leisten, relativiert sich das Umsatzmultiple auf unter 4. In unserer Branche sind Zukäufe mit einem Umsatzmultiple von 3 bis 5 durchaus üblich.“ Nemetschek wird übrigens auf Basis der 2015er Umsätze mit einem Multiple von knapp 6 bewertet. Für Solibri musste sich Nemetschek auch gegen einen großen Wettbewerber aus den USA durchsetzen, was sicherlich den Preis getrieben hat. Finanziert wurde der Kauf durch ein Bankdarlehen mit Laufzeit von 5 Jahren und einem Zinssatz von unter 1 % - ohne Sicherheiten!

Weitere Zukäufe sind geplant. „Wir haben mehr als 10 Unternehmen auf unserer Liste, die wir uns näher anschauen. Regional befinden sich diese in Europa als auch in Asien und USA“, sagt Heider. Die Objekte der Begierde setzen in der Regel zwischen 10 und 15 Mio. Euro um. Größere Übernahmen mit einem Umsatzvolumen von 30 bis 50 Mio. Euro sind ebenfalls denkbar, befinden sich aber aktuell nicht auf der Liste.

Nemetschek erzielt rund 50 % der Erlöse aus Wartung und Services und 50 % mit Softwarelizenzen. In weiten Teilen der Softwarebranche ist es inzwischen in Mode, dass Kunden die Lizenz nicht mehr kaufen, sondern über ein Cloud- bzw. Subscription-Service oder SaaS (Software as a Service) mieten. Die Firmen befinden sich dann meistens in einer sogenannten „Transformation“, mit der Konsequenz, dass sich die Erträge über 2 bis 3 Jahre schwächer entwickeln. Autodesk verfolgt einen solchen Ansatz und zwingt die eigenen Kunden zum Wechsel auf ein Mietmodell. „Wir überlassen dem Kunden die Wahl: Entweder er kauft die Lizenz oder er nutzt das Mietmodell. Wir bieten beides an und sehen bei uns keine erzwungene Transformation“, erklärt der Firmenchef.

Wer sich im TecDAX Nemetschek anschaut, wirft auch einen Blick auf RIB Software. Bisher war RIB Software eher ein Partner für Nemetschek. „Wir haben seit einigen Monaten mit Nevaris eine neue innovative Software. Diese ist durchaus vergleichbar mit der iTWO Lösung von RIB. Wir sind hier Wettbewerber, aber sehen uns auch als Partner in manchen Teilen von RIB“, so Heider.

Nemetschek gehört qualitativ mit zu den besten Aktien im TecDAX. Die Bewertung mit einem KGV jenseits von 30 für 2016 ist natürlich knackig. Mit einem Börsenwert von 1.6 Mrd. Euro nähert sich der Börsenwert demnächst dem der Software AG, die mit 2 Mrd. Euro kapitalisiert ist und bislang noch als Deutschlands zweitgrößtes Softwarehaus zählt. Zumindest vom Börsenwert könnte die Software AG diesen Platz bald verlieren. Den Platz könnte durchaus Nemetschek einnehmen und den Börsenwert der Software einholen. Nicht zu vergessen allerdings, dass der Softwarehersteller Compugroup Medical mit einem Börsenwert von 1.8 Mrd. Euro sich um Platz 2 mit Nemetschek „streiten“ könnte. Die Aktie von Nemetschek ist an schwachen Tagen durchaus wieder ein Kauf.

www.vorstandswoche.de

 

 

 

 

 

Themen: Euro, DAX, Wachstum


Verpassen Sie keine Nachrichten von Volker Glaser

Volker Glaser wurde 1976 in Reutlingen geboren. Der Chefredakteur der Vorstandswoche blickt auf eine mehr als 19jährige Börsenerfahrung als Journalist und Investor zurück.

Abonnieren Sie jetzt Ihren Lieblingsautor
Ich habe die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung gelesen und stimmt diesen zu.
Autor abonnieren
Wir respektieren Ihre Privatsphäre, es werden keine Daten an Dritte weitergegeben!
Verpassen Sie nichts mehr aus der wallstreet:online Redaktion!
Newsletter kostenlos abonnieren

Schreibe Deinen Kommentar

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel