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Volkswagen Mehr Produktivität! Volkswagen verschärft Sparkurs - 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr

21.01.2016, 17:12  |  3474   |   |   

Volkswagen war einer der großen Verlierer im vergangenen Jahr. Über Monate dominierte der Abgasskandal die Schlagzeilen. Zum ersten Mal seit 20 Jahren fuhr Volkswagen einen Quartalsverlust ein. Auch die Aktien des deutschen Autobauers kamen nicht ungeschoren davon. Die Papiere von Volkswagen erlebten ihr blaues Wunder (siehe hier). Auf die Enthüllungen im Dieselgate folgte der Horrorcrash. Dank eines Comebacks konnte die VW-Aktie zwar über 50 Prozent ihres Verlusts seit September wieder gutmachen. Doch blieb auch Jahressicht ein veritables Minus von 27,6 Prozent.

Wie wallstreet:online weiter berichtete, zog der VW-Skandal auch das Umfeld des Autobauers mit in den Abgrund: Zulieferer, Anleger, Sportvereine… Sie alle müssen jetzt bluten. Noch ist nicht abzusehen, wie teuer der Manipulations-Skandal für Volkswagen letztendlich sein wird. Aber die Summe wird gigantisch sein, so viel ist sicher. Der neue VW-Chef Matthias Müller kündigte deshalb Anfang Oktober einen radikalen Sparkurs an.„Ich bin ganz offen zu Ihnen: Das alles wird nicht ohne Schmerzen gehen“, so Müller, der nun radikal sparen will. „Was jetzt nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben.“ (Mehr dazu hier)

Tausende Arbeitsplätze bei Volkswagen in Gefahr

Neuen Informationen zufolge verschärft der Wolfsburger nun seinen Sparkurs. Wie das „manager magazin“ berichtet, fordert VW-Markenchef Herbert Diess schon für das Jahr 2016 eine Produktivitätssteigerung um 10 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse VW Tausende Arbeitsplätze abbauen, heißt es im Konzern. Eine genaue Zahl werde von Diess bislang nicht genannt.

Zahlen werden derweil hinter der vorgehaltenen Hand geraunt. So sei intern von weit mehr als 10.000 gefährdeten Jobs die Rede, schreibt das „manager magazin“ weiter. Das heißt zugleich, dass es nicht ausreichen werde, die 7.000 Leiharbeiter nicht weiter zu beschäftigen, sondern es gehe auch um die Zukunft fest beschäftigter VW-Mitarbeiter. Diese liege nun in den Händen der Kunden und ihrer Reaktion auf den Abgasskandal.

Die 10-Prozent-Marke soll für alle Bereiche des VW-Konzerns gelten - in den Werken wie den Bereichen Verwaltung, Entwicklung oder Vertrieb. Aus diesem Grund werde der VW-Markenchef spätestens im Frühsommer auch massiv an die Arbeitsplätze herangehen, berichten VW-Manager. Als erstes könnte er sich die Komponentenwerke vorknöpfen. VW baut in Deutschland unter anderem Motoren, Getriebe und Achsen für die eigenen Modelle und andere Konzernmarken.

Marke Volkswagen auf Vordermann bringen

Herbert Diess hatte sein Amt als Chef der Marke VW im Juli 2015 angetreten. Er soll die schon in den vergangenen Jahren trotz hoher Verkaufszahlen leicht kriselnde Marke deutlich profitabler machen. Der Konzern hatte angekündigt, VW werde 2018 eine operative Umsatzrendite von 6 Prozent erzielen. Ließe Diess die Dinge allerdings einfach weiterlaufen wie aktuell, fehlten 2018 laut Prognosen der VW-Finanzer acht bis neun Milliarden Euro zu diesem Ziel. Vorstandschef Matthias Müller stütze den Sparkurs deshalb, heißt es laut „manager magazin“ in Konzernkreisen.

Alle müssen den Gürtel enger schnallen

Auch der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller übt sich Zuge des VW-Abgasskandals in Demut und Bescheidenheit. Mitarbeiter-Boni sollen gekürzt, teure Veranstaltungen gestrichen und die Versessenheit auf Absatzzahlen eingedämmt werden. Auf dem Sparzettel stehen unter anderem Bonuskürzungen für die Tarif-Mitarbeiter als auch die Vorstandsmitglieder. Zu den Sparmaßnahmen soll künftig auch der Wegfall diverser kostenintensiver Veranstaltungen, wie der Gala am Vorabend des Genfer Autosalons gehören. Bei der Organisation solcher pompöser Abende kämen laut Müller des Öfteren schon mal einige Millionen Euro zusammen. „Etwas mehr Demut und Bescheidenheit steht uns auch hier gut an“, sagte er diesbezüglich.

Prominente VW-Abgänge

Zuerst traten nach einem tagelangen öffentlich ausgetragenen Machtkampf mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn der ehemalige Konzernpatriarch Ferdinand Piëch (78) und seine Ehefrau und Ex-Aufsichtsrätin Ursula (58) zurück. Auch für Winterkorn endete seine VW-Karriere im Zuge des aufkeimenden VW-Skandals in einem Desaster (wallstreet:online berichtete). Doch nicht nur beruflich, sondern auch persönlich könnte die Affäre um manipulierte Abgaswerte für ihn zur Tragödie werden. Ob er von den Manipulationen wusste oder nicht, spielt dabei keine Rolle. VW-Aufsichtsräte der Arbeitnehmerseite wollen Winterkorn demnach für den entstandenen Schaden im Abgas-Skandal haftbar machen.

Kommt noch einer hinzu? Als neuer Aufsichtsratschef muss Hans Dieter Pötsch auch mögliche Haftungsansprüche gegenüber dem früheren VW-Vorstand prüfen – also auch gegenüber sich selbst. Kann das gut gehen? Nein, sagen führende Investoren und setzen Volkswagen in dieser Personalie die Pistole auf die Brust.

Die Manipulationslawine rollt...

Ist Volkswagen allein auf weiterer Spur? Das scheint schwer glaubhaft. Im September gerieten aufgrund neuer Testergebnisse auch andere Autobauer in Erklärungsnot. Haben Mercedes, BMW und Peugeot ebenfalls künstlich nachgeholfen? Das Ergebnis scheint eindeutig (mehr dazu hier und hier). Gerüchte über einen möglichen Betrug bei Abgaswerten machten vor Kurzem auch bei Renault die Runde. Am Aktienmarkt kam es daraufhin zum Ausverkauf. Lesen Sie mehr: „Das nächste Volkswagen? Renault-Aktie stürzt ab! Gerüchte über möglichen Abgasskandal schrecken Anleger auf“



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