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Fusionspläne Juhu, wir werden geschluckt! Syngenta bejubelt Übernahmeangebot von ChemChina

03.02.2016, 11:56  |  2406   |   |   

Das Fusionsrad in der Chemiebranche dreht sich weiter. Es bahnt sich der größte Zukauf eines chinesischen Unternehmens im Ausland an. ChemChina will den Schweizer Chemiekonzern Syngenta schlucken. Dort reagiert man hellauf begeistert.

Die Chemiebranche reitet auf einer Fusionswelle. Monsanto, Sygenta, Dow Chemical, Dupont, Bayer, BASF – beinahe jede Konstellation heizte bereits die Gerüchteküche an. Vor allem die Versuche des US-Konkurrenten Monsanto, Branchenprimus Syngenta zu übernehmen, sorgten wochenlang für Schlagzeilen (auch wallstreet:online berichtete). Der Schweizer Chemieriese weigerte sich jedoch beharrlich, schielte stattdessen auf Dupont oder Dow Chemical als potenzielle Fusionspartner. Doch die ließen Syngenta-Präsident Michel Demaré ganz schön alt aussehen, als sie stattdessen im Dezember ihre eigene Fusion verkündeten (siehe: Die nächste Megafusion: BASF-Konkurrenten schmieden neuen Chemiegiganten).

ChemChina will Syngenta

Nun drängt ein neuer Spieler in den westlichen Markt: die China National Chemical Corporation, kurz ChemChina. Der chinesische Staatskonzern geht bereits seit einigen Jahren in Europa auf Einkaufstour, kaufte unter anderem den italienischen Reifenhersteller Pirelli und zuletzt den deutschen Spezialmaschinenhersteller Krauss-Maffei (siehe hier und hier). Nun will ChemChina den ganz großen Wurf wagen: Syngenta schlucken.

ChemChina bietet eigenen Angaben zufolge 465 US-Dollar je Aktie zuzüglich einer Sonderdividende von fünf Schweizer Franken. Das Angebot entspricht 480 Franken je Aktie. Wenn Aktionäre und Behörden zustimmen, wäre es der bislang größte chinesische Zukauf im Ausland. Damit würde das Staatsunternehmen zu einem wichtigen globalen Mitspieler in der Branche. Es ist auch ein wichtiger Schritt in der Strategie Chinas, die Entwicklung seiner Landwirtschaft durch moderne Methoden wie Biotechnologie voranzubringen.

Syngenta empfiehlt Annahme

Grünes Licht gab es bereits vom Übernahmekandidaten selbst. Der Syngenta-Verwaltungsrat empfahl den Anteilseignern einstimmig, das Angebot der Chinesen anzunehmen. So paradox es klinge, schreibt das „Handelsblatt“, die Übernahme gewährleiste Syngenta ein Maximum an Unabhängigkeit. Tatsächlich sieht die angestrebte Lösung vor, die operative Eigenständigkeit von Syngenta zu sichern. Darüber hinaus stellt ChemChina einen Börsengang des Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäfts „in den kommenden Jahren“ in Aussicht.

Die Syngenta-Aktie reagierte mit Luftsprüngen. Bereits im vorbörslichen Handel Luftsprünge stieg sie um bis zu neun Prozent, ehe es im Handel weiter bergauf ging. Auch Experten begrüßten das Übernahmeangebot, weil ChemChina bereit sei, das Sechsundzwanzigfache des letztjährigen Gewinns zu bezahlen.

Hier die Syngenta-Aktie im Fünf-Tagechart:

Was sagen die Kartellbehörden?

ChemChina und Syngenta wollen den Deal am liebsten bis zum Ende des Jahres über die Bühne bringen. Das Vorhaben muss aber möglicherweise einen langwierigen Genehmigungsprozess in der EU und den USA durchlaufen. Eine Kernfrage ist, ob das amerikanische Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) zustimmen muss. Das Aufsichtsgremium, das Übernahmen auch unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit prüft, gilt als nicht besonders chinafreundlich. Syngenta macht schätzungsweise ein Viertel seines Umsatzes in den USA.

Der Syngenta-Vorstandsvorsitzende John Ramsay erklärte, sein Konzern könne durch die Transaktion die Position als Weltmarktführer bei Pflanzenschutzmitteln ausbauen und das Potenzial des Saatgutgeschäfts erheblich vergrößern. Dass die Kartellbehörden den Mega-Deal noch zu Fall bringen könnten, hält der Manager für wenig wahrscheinlich: „Dieser Deal erhöht die Auswahlmöglichkeiten für die Landwirte.“

Die Zahlen der Schweizer zum Geschäftsjahr 2015 traten derweil in den Hintergrund. Der Umsatz von Syngenta sank um 11 Prozent auf 13,41 Milliarden US-Dollar. Das Betriebsergebnis (Ebitda) verminderte sich um fünf Prozent auf 2,78 Milliarden US-Dollar, der Überschuss fiel um 17 Prozent auf 1,34 Milliarden US-Dollar.

Mit dpa-AFX



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