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Versorger Anleger sollten bei E.ON und RWE den Stecker ziehen

19.02.2016, 12:39  |  3924   |   |   

Viele Jahre haben Experten die Aktien von E.ON und RWE zum Kauf empfohlen, vor allem wegen der hohen Dividendenrendite. Die neuesten Nachrichten von RWE sollten Anleger aber einmal mehr in die Realität zurückgeholt haben. Die Perspektiven für die Aktien der Versorger bleiben trüb.

Neue Hiobsbotschaft von RWE: Deutschlands zweitgrößter Versorger leidet massiv unter der Energiewende in Europa und dem Verfall der Großhandelspreise für Strom. Daher hat der Konzern 2,1 Mrd. Euro auf deutsche und britische Kraftwerke ebenso abgeschrieben wie latente Steuern von 0,9 Mrd. Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust von 0,2 Mrd. Euro. Das Ergebnis hat RWE selbst als „außergewöhnlich schwach“ bezeichnet.

Vorstandschef Peter Terium reagiert auf die schwachen Zahlen und streicht die Dividende für die Stammaktien, nachdem für 2014 noch ein Euro geflossen war. Investoren sind schockiert, hatten Analysten doch eine Kürzung auf lediglich 0,62 Euro vorhergesagt. Schwach ist auch der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Demnach soll das betriebliche Konzernergebnis auf 2,8 bis 3,1 Mrd. Euro sinken, gegenüber 3,8 Mrd. Euro für 2015.

Geschäftsanteil bei Erneuerbaren Energien ist viel zu klein

Die Versorger haben enorme Probleme und daran dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern. So wächst der Anteil der Erneuerbaren Energien in Europa weiter, was die Nachfrage nach Strom von E.ON und RWE dämpft. An dieser Entwicklung partizipieren E.ON und RWE nur langsam, waren sie doch sehr spät in den Bereich eingestiegen. Steigende Gewinne in dem Segment können damit wegbrechende Gewinne aus der Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken bei Weitem nicht wettmachen.

Die schwache Nachfrage verschärft die Talfahrt der Strompreise. Die Großhandelspreise an der Strombörse EEX liegen am Rekordtief, wobei die Preise für 2017 noch deutlich unter denen von 2016 liegen. Entsprechend trüben sich die Perspektiven für die Versorger ein. Wieso die Analysten für 2017 für E.ON und für RWE  einen Gewinnanstieg vorhersagen, bleibt deren Geheimnis.

Industrie der Euro-Zone zeigt Bremsspuren

Gegenwind droht den Versorgern auch von der bevorstehenden Konjunkturabkühlung in Europa. Üblicherweise schlägt die Konjunkturflaute in den USA und China mit einer zeitlichen Verzögerung von wenigen Monaten auf Europas Exportwirtschaft durch, weshalb sich die Perspektiven gerade für die Industrie Europas eintrüben. So ist der Einkaufsmanagerindex für die Industrie der Euro-Zone, den die englische Researchfirma Markit veröffentlicht, im Januar auf 52,3 Punkte gesunken. Damit nähert er sich rapide der 50er-Marke. Werte darunter signalisieren ein Schrumpfen des Sektors. Das sind schlechte Nachrichten für die Versorger, erzielen sie doch fast ihre gesamten Einnahmen in Europa.

Das Umfeld für die Versorger bleibt trübt. Angesichts dessen sind E.ON mit einem 2016er-KGV von 12,5 und RWE mit 11,0 sehr hoch bewertet. Welchen Sinn macht es eine Aktie zu besitzen, die eine Dividendenrendite von vier oder fünf Prozent hat, - oder null Prozent wie bei RWE derzeit -, wenn sich die Kursverluste auf 25 oder 30 Prozent pro Jahr belaufen? Keinen. Die Talfahrt der Versorgeraktien dürfte weitergehen. Anleger sollten schnellstmöglich den Stecker ziehen. 

Wertpapier: RWE, RWE Vz., E.ON


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Kommentare

in Anbetracht der Tatsache, wie schnell man einige GW an G&D-Leistung ans Netz bringen kann und wieviel moderne G&D-Leistung derzeit kaum ausgelastet ist - und somit ein Vielfaches an Vollaststunden bringen kann, ist damit die Versorgungssicherheit mit erneuerbarer Energieerzeugung deren spezifische Anzahl an Vollaststunden ebenfalls kontinuierlich steigt durchaus gegeben ...

Bis eine Marktbereiningung allein um den Nettoexportüberschuss von 50TWh aus D ins Ausland eingetreten ist müssen deutlich mehr als die 1 - 2 AKW-Blöckeund die 2,7GW Braunkohleblöcke, , die bis 2020 vom Netz gehen, stillgelegt werden - denn das die produzieren zusammen nur ca. 40TWh - bis dahin wird allerdings im erneuerbaren Energiebereich eine Erzeugungsleistung für weitere 50-75TWh zugebaut werden .

Defakto müssen alle 300/500/600mw-Braunkohleblöcke vom Netz, die in den 60-er/70-er Jahren gebaut worden sind - und das hätte dann definitiv nochmal richtig Implikationen für RWE. Damit Zusammenhängen würde ebenfalls die Stillegung von 2 von 3 Tagebauen von RWE - defakto braucht man dann nur noch Hambach für 3 BoA-Blöcke.

Fazit : Läuft der Strukturwandel konsequent weiter in diesem Bereich, dann sind noch lange nicht alle notwendigen Aspekte auf dem Tisch - RWE kann nur hoffen, dass sie auch für die ca. 3GWim 300mw und für die 3GW im 600mw-Bereich bei den alten Braunkohleblöcken nochmal einen niedrigen Mrd-Betrag bekommt - weil sie sie in eine Pseudoreserve - die technisch so nie nutzbar sein wird - einbringen - aber immerhin können sie damit dann den Fonds für den AKW-Rückbau bedienen - am Ende ist der Rückbau dann doch implizit steuerfinanziert - weil die Assets, die hinter den Rücklagen stehen z.T. nur noch in dieser Form einen Wert haben.

Einfach mal genauer hinschauen - dann ist alles ziemlich klar, was kommen wird.
Die Versorgungssicherheit können die erneuerbaren Energien nicht sicherstellen. Der kontinuierliche Abbau von Kraftwerks Kapazitäten wird dazu führen, dass die Stromerzeugung im Kraftwerksbereich für die Versorgungssicherheit hochprofitabel werden wird. Die Vorhaltung der Kraftwerksleistung wird aufgrund der Überkapazitätenen noch nicht angemessen vergütet. Der freie Fall der Unternehmenswerte wird enden. EON und RWE haben eine herausragende Bedeutung für den Industriestandort BRD. Dies wird auch die Politik auf Dauer nicht unberücksichtigt lassen können.
Die Überforderung durch Politik wird ihr Ende finden....obwohl es Wählerstimmen kosten wird.

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