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EU-Referendum - Großbritannien Brexit - EU-Austritt Großbritanniens für Deutschland eine Katastrophe?

07.03.2016, 13:02  |  6048   |   |   

Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum über den Verbleib des Landes in der Europäischen Union ab. Beide Lager rühren fleißig die Trommeln. Während die einen vor den fatalen Folgen eines EU-Austritts warnen (siehe auch: EU vor Zerreißprobe? "Brexit-Referendum wird Großbritannien schaden, egal wie es ausgeht), frohlocken die anderen ob der künftigen neuen Freiheiten. Nach aktuellen Meinungsumfragen halten sich Befürworter und Gegner eines „Brexits“ die Waage. 

„Das bevorstehende Referendum stellt einen kritischen Augenblick für sowohl für Großbritannien als auch für die Europäische Union dar. Es kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die globalen Perspektiven von ungewohnter Unsicherheit geprägt sind,“ sagt Black Rock Chairman, Philipp Hildebrand. Laut dem Vermögensverwalter BlackRock negative und zwar für beide Seiten (Mehr dazu hier). Anders der britische Botschafter in Berlin, Sebastian Wood. Der „Brexit“ wäre „keine Katastrophe für Großbritannien“. Allerdings, so ergänzt er, wäre es für sein Land besser, „bei einer reformierten EU“ in der Gemeinschaft zu bleiben. Lesen Sie mehr: Brexit? No Problem! EU-Austritt wäre „keine Katastrophe für Großbritannien“.

Freihandel gefährdert, EU-Beitrag rauf?

Nun warnt aktuell das Münchener ifo-Insitut vor den Gefahren eines Brexits: "Ein Austritt Großbritanniens hätte viele negative wirtschaftliche Folgen für das Land, aber auch für die EU und Deutschland", sagte Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. Im schlimmsten Fall würde der Freihandel gestoppt, die Binnenmarktregeln verfallen, Zollschranken würden wieder errichtet. "Der Handel würde dann richtig teuer – insbesondere für Großbritannien. Denn für die Briten ist der EU-Markt sehr viel wichtiger als Großbritannien für die allermeisten EU-Mitgliedstaaten. Auch auf BMW mit seiner Mini-Fabrik in Oxford würden höhere Kosten zukommen.“

Felbermayr fügte hinzu: "Deutschland würde auch einen wichtigen Partner verlieren. Großbritannien und Deutschland vertreten beide marktwirtschaftliche Prinzipien, anders es als Frankreich in vielen Fragen tut." Obendrein fiele der britische Nettobeitrag an die EU weg, Deutschland müsste möglicherweise mehr zahlen.

Modell Schweiz oder Norwegen als Alternative?
 
Und das Modell Schweiz? Wären nach einem Austritt Großbritanniens die Beziehungen des Landes zur EU wie mit der Schweiz geregelt, könnten ebenso Handelshemmnise im Weg stehen. Mit der Schweiz gibt es 120 Abkommen, die einen direkten Zugang zum EU-Binnenmarkt ermöglichen. "Es würde Jahre dauern, die Verträge für Großbritannien auszuhandeln", so Felbermayr weiter.
 
Schauen wir nach Norwegen: Das Modell Norwegen würde noch die günstigsten Regelung für den Handel bedeuten. Großbritannien bliebe im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Wie Norwegen müsste auch Großbritannien etwas Geld in die Gemeinschaft einzahlen, hätte bei der Rechtssetzung der EU aber kein Mitspracherecht.

Was sagen die Briten - Good bye oder Hello?

Momentan halten sich die Brexit-Befürworter und Brexit-Gegner die Wage. Viele Briten seien jedoch noch unentschlossen. Auch die Regierung von Premier Cameron zeigt sich tief zerstritten. Laut Cameron wäre ein Austritt des Landes aus der Europäischen Union ein Sprung ins Ungewisse. Er habe den anderen EU-Ländern erhebliche Sonderrechte für die Briten abgetrotzt. Mit der Gemeinschaft sei sein Land "sicherer, stärker und besser dran“. Das allerdings sehen mittlerweile mehrere Minister seines Kabinetts anders. Laut BBC hätten sich sechs Dissidenten im Kabinett auf die Seite des Brexit-Lagers geschlagen. So der Justizminister Michael Gove. Das Land sei außerhalb der EU "freier, fairer und besser dran", betonte er. Gove galt bisher als enger Vertrauter und Freund Camerons.  Auch der populäre Londoner Bürgermeister Boris Johnson schlug sich auf die Seite der Brexit-Befürworter. Es ginge um die Souveränität des Landes. Das Projekt der politischen Gemeinschaft "ist in Gefahr, außer Kontrolle zu geraten", zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Lesen Sie mehr: Historischer Volksentscheid - Brexit-Referendum: Good Bye oder Good Morning Britain?

Brexit - Das Aus für den Finanzplatz London? Viele befürchten das Aus für London als Nummer eins der europäischen Finanzwelt (siehe: Brexit - Das Aus für den Finanzplatz London?). Schon als die Brexit-Gerüchte erstmals hochkochten, spielten zahlreiche Banken einen Abschied aus London durch (siehe: EU-Austritt bedroht Finanzplatz London - Banken planen Absprung). Wie wallstreet:online berichtete, wollen Großbanken nun mit umfangreichen Geldspritzen den Austritt Großbritanniens aus der EU verhindern (mehr dazu hier). Anders die Hedgefonds, die für einen Brexit trommeln. Sie zum Beispiel der Gründer von CQS, Sir Michael Hintze, der sich durch einen EU-Austritt Großbritanniens mehr Handlungsspielraum durch den Wegfall der Kontrolle aus Brüssel erhofft (mehr dazu hier). 



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Kommentare

Scotty,beam me away,till 24.June 2016!Bis dahin werden,befürchte ich,täglich mehrmals,die,finanziell besser gestellten Lobbygruppen den Brexit wie den bevorstehenden Weltuntergang verkaufen!Ich denke,dass diese mediale Dauerapokalypse, ihre Wirkung nicht verfehlen wird.Mit der Einhaltung von Gesetzen,Verordnungen&demokratischen Gepflogenheiten nimmt man es ja nicht so genau in der EU.Aber,wehe ihr spurt nicht!Alles hat sich dem Bürokratenendsieg unterzuordnen,sonst geht's in ein Minuszins/Altersarmut-umerziehungslager von €U-Deflationsverbannführer Mario Draghi.Ich,"Gutmensch",nicht im Sinne von Weltrettungsman,sondern viel kleiner in Form von Anstand&Verlässlichkeitsfanatiker werde wohl wieder mal auf der Verliererseite enden!Da ich,mittelmässig religiös bin,kann ich mir das dann ja immer noch als Topstartposition für's eigentlich wichtige Leben,das im Jenseits,verkaufen.Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt,bzw.beginnt erst damit!

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