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EZB-Geldpolitik Niedrigzins und Strafzins - Packt die EZB bei der Dicken Bertha noch was drauf?

09.03.2016, 13:01  |  5194   |   |   

Am morgigen Donnerstag tritt der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi zum zweiten Mal in diesem Jahr vor die Presse. Experten der Finanzmärkte erwarten mehrheitlich weitere expansive Schritte der Notenbank.

Was hat die EZB bislang erreicht? Die Glaubwürdigkeit der EZB und ihrer Maßnahmen wird seit langem auf eine harte Probe gestellt. Sowohl die Inflationsraten als auch Inflationserwartungen sind immer noch weit vom ursprünglich proklamierten Ziel von nahe zwei Prozent entfernt. Auch mussten die Wachstumsprognosen regelmäßig nach unten angepasst werden. 

Eins steht fest: Für die EZB ist das Ende der Fahnenstange an geldpolitischen Möglichen noch lange nicht erreicht. Aber welche Werkzeuge aus dem Baukasten stehen zu erwarten? „Die EZB hat die Erwartungen an ihre geldpolitischen Entscheidungen dieses Mal etwas vorsichtiger gesteuert als im Dezember vergangenen Jahres. Klar ist dennoch, dass sie diese Woche ihre Geldpolitik weiter lockern dürfte,“ betonte Karsten Junius, Chefökonom der Bank Sarasin auf wallstreet:online

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird EZB-Chef Draghi den Einlagenzins für Banken bei der Notenbank weiter ins Minus drücken. Steht dieser aktuell bei minus 0,3 Prozent, prognostizieren einige Experten die weitere Absenkung auf minus 0,4 oder gar 0,5 Prozent - möglicherweise auch zweistufig, wie manche EZB-Ratsmitglieder befürworten. Auch dürfte eine moderate Ausweitung des Anleihekaufprogramms verkündet werden. Zum einen könnte das Volumen erhöht werden. Analysten der Deka sprechen von bis zu 20 Milliarden Euro (siehe hier). Zum anderen könnte das Programm auf weitere Assetklassen wie Unternehmensanleihen ausgeweitet werden. Allerdings, so Junius, sei weiterhin „nicht ganz klar über welchen Wirkungskanal die Anleihekäufe eigentlich positiv stimuliert haben sollen.“

EZB fördert durch Aktionismus Vertrauensverlust im Euroraum

BVR-Präsident Uwe Fröhlich schickte schon mal eine Warnung in Richtung EZB: "Die aktuelle Niedrigzinspolitik zeigt zunehmend hässliche Nebenwirkungen, die die Realwirtschaft in immer stärkerem Maße zu spüren bekommt. Aus der Schweiz lernen wir, dass lang andauernde Niedrigzinspolitik dort sogar zu steigenden Kreditzinsen geführt hat." Dieser hätte somit genau das Gegenteil bewirkt. Auch sei der EZB-Kurs für die private Altersvorsorge pures Gift.

Heftige Kritik äußerten die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe an dem Aktionismus der EZB und dem einhergehenden Vertrauensverlust für die Gemeinschaftswährung Euro. Weitere expansive Maßnahmen der Euro-Notenbank „können kaum mehr positive Wirkungen auf die Wirtschaft entfalten“. Der Griff in den EZB-Baukasten könnte sogar kontraproduktiv wirken: „Vor allem leistet die EZB mit übereilten geldpolitischen Maßnahmen einer Krisenstimmung und damit einem weiteren Vertrauensverlust im Euroraum Vorschub“, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier. „Die Glaubwürdigkeit der Notenbank droht Schaden zu nehmen, wenn sie permanent trotz höchstem Aktionismus ihre eigenen Ziele verfehlt.“ 

Der Bankenverband rät der EZB zu einer „Politik der ruhigen Hand“. Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer betont: „Wir sehen keinerlei Deflationsgefahren und warnen vor unnötigen Alarmrufen. Die EZB reagiert aus unserer Sicht seit geraumer Zeit viel zu mechanistisch und überzeichnet die Deflationsrisiken.“ 

Ölpreis als Stütze?

Nun kommt allerdings auch noch Ölpreis ins Spiel. Wie das? Die jüngsten Kursgewinne sollten sich sich positiv Inflationsentwicklung auswirken. Damit könnte der Druck auf die Währungshüter abnehmen, die Geldpolitik weiter zu lockern. Ja, insofern das nicht nur ein kurzes Intermezzo ist. Dennoch warnt der Kapitalmarkt-Analyst Jochen Steffens auf wallstreet:online vor allzu hohen Markerwartungen an die kommende Zinsentscheidung. Zuletzt hatte EZB-Chef Draghi im Dezember die Erwartungen an eine weitergehende Lockerung der Notenbankpolitik enttäuscht, was zu Verwerfungen an den Märkten führte.

Niedrigzinspolitik und Strafzinsen: Hochkonjunktur für Tresore?

Der Strafzins geht ins Geld! Kommt jetzt die Hochkonjunktur für Tresore? Vor dem Hintergrund der Strafzinsen der EZB denken bereits viele Banken über Ausweichmöglichkeiten nach. So wird zum Beispiel in einem internen Rundschreiben des bayerischen Sparkassenverbands dafür geworben, das Geld lieber im eigenen Tresor zu bunkern, als der EZB den Strafzins von 0,3 Prozent zu zahlen. Wird der Strafzins weiter erhöht, könnte die Diskussion um die Eigenlagerung von Geldmitteln eine völlig neue Dimension erreichen. Mehr dazu hier: EZB-Bargeldschutz: Geld im Tresor bunkern - Sparkassen planen "Bargeldschutz" gegen EZB-Strafzinsen.

Das kommt für den Gesundheitsfonds wohl nicht infrage. Doch auch hier verbrennt der Negativzins bereits Millionen: So musste der Gesundheitsfonds, der die Beiträge für die gesetzlichen Krankenkassen verwahrt, im vergangenen Jahr erstmals Beitragsgelder als Strafzinsen an seine kontoführenden Banken zahlen. Und auch auch die Rentenversicherung sowie die Privaten Krankenkassen bekommt die Niedrigzinspolitik der EZB zu spüren - und damit letztlich jeder Einzelne von uns. Lesen Sie mehr: EZB - Strafzinsen: Negativzinsen - Gesundheitsfonds muss Millionen Beitragsgelder an Strafzinsen zahlen.



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Kommentare

Frage:Welcher WO-user kennt "die dicke Bertha"?Ich kenne Sie seit 50Jahren,als ich die Landser meines Naziverseuchten Opas las.(keine Sorge,hat bis auf einige Redewendungen nichts Gravierendes hinterlassen!)In der Zeitgeschichte gilt generell,dass nicht die Kriegspartei am Ende gewinnt,welche die brutalsten Waffen hat,sondern diejenigen welche den grössten Willen entwickeln.Ho ho ho-tschi-minh!Die Handungsweisen,nebst der selbstherrlichen Bilder, dieses rechtskräftig verurteilten GS-Verbrechers,machen mir nur Angst!Leider entwickeln wir keine Resistance,da Marschall Petain in A.M.reinkarniert zur Zeit unsere Geschicke bestimmt!Fahr zur Hölle EZB!

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