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Logische Folgen der EZB-Geldpolitik Tschüß kostenloses Girokonto und Hallo zu Minuszinsen? Postbank prescht vor!

18.04.2016, 15:43  |  12363   |   |   

Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Sicherheit steht höher im Kurs als Rendite. Das ergab nicht zu letzt eine repräsentative Umfrage des TNS-Emnid-Instituts im Auftrag der Postbank (mehr dazu hier). Trotz der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint das große Umdenken noch nicht eingesetzt zu haben. Die Zinsen bei oder nahe Null, Kredite günstig zu haben, doch die Deutschen wollen für schlechte Zeiten vorsorgen. Da kommen Nachrichten wie: Jeder zweite wird künftig eine Rente unterhalb des Grundsicherungsniveaus erhalten, gerade recht. Und die Banken? Die raufen sich die Haare ob der EZB-Geldpolitik und der verhaltenen Investitionstätigkeit ihrer Kunden.

Ende der Kostenloskultur: Früher gelockt, jetzt verschreckt?

Nun prescht die Postbank vor und stellt das kostenlose Girokonto infrage. "Unser Kostenmodell wird differenzierter werden“, sagte Frank Strauß, Vorstandsvorsitzender des Bonner Unternehmens, im Interview mit der „Welt am Sonntag“. Das neue Preismodell solle „spätestens 2017“ starten. "Die Veränderungen im Umfeld drängen zu raschem Handeln. Die gesamte Industrie wird andere Kontomodelle anbieten. Das ist logische Folge des Niedrigzinsniveaus. Früher konnten die Banken die Einlagen der Kunden verzinslich anlegen und haben damit faktisch das Girokonto quersubventioniert. Das funktioniert nicht mehr. Aber ich muss auch sagen: Es gibt keinen Anspruch auf ein kostenloses Girokonto. Sie zahlen auch für Strom, ein Teil der Bankdienstleistung ist wie Strom eine Versorgung“, sagte Strauß. „Vielleicht werden wir noch ein kostenloses Konto haben, das dann aber nur ganz bestimmte Dienstleistungen haben wird, ein schlankes Angebot, das wir uns in dieser Kostenstruktur leisten können“, so Strauß weiter. Das Unternehmen beschäftige sich intensiv und konsequent mit Kostenstrukturen und deren Auswirkungen. 

Minuszinsen nicht ausgeschlossen
 
Möglich ist auch, dass sich die Kunden in anderen Geschäftsbereichen auf Veränderungen einstellen müssen, etwa auf Minuszinsen. „Die Entwicklungen zeigen, dass man sich besser nicht hinstellt und etwas grundsätzlich ausschließt“, sagte Strauß der Zeitung. „Wenn die EZB von uns 40 Basispunkte für das nimmt, was wir an sie weitergeben, müssen wir als wirtschaftlich denkendes Unternehmen auch entsprechend bei unseren Kunden handeln.“ Allerdings seien aus heutiger Sicht Minuszinsen im normalen Privatgeschäft nur schwer vorstellbar. 

Den Vorwurf, mit Gebühren Minuszinsen durch die Hintertür erheben zu wollen, wies Strauß zurück. „Das ist eine ganz andere Diskussion. Wir haben vor einem Jahr eine Gebühr von 99 Cent für physische Überweisungen eingeführt. Dafür sind wir medial gescholten worden. Inzwischen haben viele Banken nachgezogen. Es wird weitergehen. Wir müssen selbstbewusster unsere Dienstleistungen vertreten, schauen, wo höhere Kosten anfallen, weil viele Mitarbeiter eine echte Leistung erbringen, und das für beide Seiten fair bepreisen. Wenn wir auf der einen Seite Minuszinsen zahlen müssen und auf der anderen Seite das Konto komplett kostenlos anbieten, wird daraus am Ende auch kein Schuh.“

Das Geldabheben am Automaten hingegen will Strauß nach Möglichkeit kostenfrei halten. "Bargeld gehört zu den wesentlichen Dienstleistungen rund um ein Girokonto. Wir wollen auf jeden Fall an einer bequemen Bargeldversorgung festhalten, und ich kann mir heute nicht vorstellen, dass wir zum Beispiel Bargeldabhebungen unserer Kunden an unseren Automaten bepreisen. Anderes werden wir uns ansehen müssen“, so Strauß im Interview mit der "Welt am Sonntag".

Postbank-Umfrage: Sicherheit vor Rendite, Giro- und Sparkonten beliebt

Vor Kurzem veröffentlichte die Postbank eine Umfrage zum Anlage- und Sparverhalten der Deutschen (wallstreet:online berichtete unter Berufung auf die "Funke Mediengruppe"). Demnach sei es 91,1 Prozent der Bürger wichtig, dass ihr Geld sicher angelegt ist. Trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase wollten nur 15 Prozent der Bundesbürger ihr Anlageverhalten ändern. Mit 8,9 Prozent der Befragten hätte nur ein kleiner Teil  Geld aus niedrig verzinsten Anlageformen wie Sparbüchern oder Tagesgeldkonten in chancenreichere Anlagen umgeschichtet. Weitere 6,1 Prozent würden künftig noch eine Umschichtung planen.

Doch: Die Mehrheit der Bundesbürger würde ihr Geld weiterhin auf Giro- und Sparkonten belassen, so die Postbank. Und das, obwohl diese bereits seit längerem kaum Zinsen abwerfen. So parken 46,8 Prozent der Bürger ihre Guthaben auf Girokonten, 39,8 Prozent auf Tagesgeldkonten und 33,3 Prozent auf klassischen Sparkonten. Nur 17,7 Prozent legen unterdessen ihr Geld in Aktien an. 17,8 Prozent bewahren ihr Geld sogar Zuhause auf.

Wertpapier: Deutsche Postbank


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Kommentare

Genau Aktien sind doof--

Konserven im Keller und Silber und Godbarren - nur das gibt echte Sicherheit

Und kleine Stückelungen - das es für paar Aldi Einkäufe reicht...!
Silber startet durch. Da gibt's kein halten. Alle die nicht dabei sind werden sich schwarz ärgern.
Das gute ist auch noch das es nie mehr so weit runter geht wie es jetzt aktuell ist.
Ich bin all-in
In meinem Schubfach liegen Edelmetalle und das Schubfach wird nun immer wertvoller, alles andere wie Aktien, Papiergeld ist für den Dumm-Michel genau die richtige Anlage.
Mit Verlaub Herr ErdoganRMD !So müssen zur Zeit leider geistige Berichte& Kommentare beginnen,zwecks merkellical Correctness!Ich bin kein Beschäftigter der Sparkasse,noch ist ein Familienmitglied selbiges.Der verwendete Begriff "üppige Grundgebühr" von 7Oirofuffzich,entlarvt Sie aber als Permanentnörgler mit 1stelligem IQ!Geiz ist geil,hiess es noch vor Kurzem.Gilt das immer noch,obwohl ich es von Anfang an abgelehnt habe!?Wenn Ihnen eine regionale Bank(Sparkasse,Raiba),7,5 Oiro zu teuer ist,dann wenden Sie sich doch an aussereuropäische Superbanken,wie bspw.die isländischen!Ich,wahrscheinlich altersbedingt degeneriert(z.Zt.57jährig)freue mich jedesmal,wenn ich in MEINER Sparkasse mit MEINER Angestellten,bzw.eines neuen Lehrlings,Entschuldigung Azubis Smalltalk haben kann!Menschlichkeit ist mir noch was wert!Zumindest grösser siebenfuffzich!Denken Sie mal an die Branche bei der Sie ihre Brötchen erwerben!Könnte man die nicht auch vollfett optimieren,so dass Sie demnächst freigestellt werden können?An all ihr Optimierer&Reduzierer!Ihr habt euere Berechtigung,sonst DDR.Das,allein seeligmachende,habt bIhr aber auch nicht i m Programm!
Schade,das könnte sich für den Standort Deutschland wirklich als ein Nachteil erweisen,wenn es um sich greift,war es doch für die Arbeitgeber von großem Vorteil,dass sie die Gehälter durch Banken überweisen konnten,naja,früher hat es mit den Lohntüten auch wunderbar funktioniert und dann können sich einige Banken gleich ein ganz neues Betätigungsfeld suchen.
Damit ist dann wenigstens endgültig die Bedeutung vom Bargeld gesichert,Obst und Gemüse würde ich aber nicht in der Postbank kaufen wollen,während ich in der Schlange stehe,werden dann nämlich meine Bananen fleckig,aber man kann ja auch erstmal Obst-und Gemüse ran schreiben und dann Fischdosen inne Regale stellen,war ja auch schon !
Viel Spaß !

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