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Marktkommentar: Credit Suisse: Nachhaltiges Investieren: Trend oder Notwendigkeit?
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Marktkommentar Credit Suisse: Nachhaltiges Investieren: Trend oder Notwendigkeit?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
03.05.2016, 10:09  |  558   |   |   

Nannette Hechler-Fayd'herbe, Head Investment Strategy der Credit Suisse, über Nachhaltigkeit in der Finanzbranche und die Entstehung neuer Märkte.

Simon Staufer / Simon Stücheli: Frau Hechler-Fayd'herbe, wie wird das Thema Nachhaltigkeit die Finanzbranche in den nächsten fünf Jahren verändern?

Nannette Hechler-Fayd'herbe: Es entstehen neue Märkte, und mit ihnen entstehen neue Produkte. Als Banken sind wir Intermediäre, die Gefäße schaffen können, um Investitionen in diese Märkte zu ermöglichen und klimafreundliches und nachhaltiges Anlegen voranzutreiben. Wir sehen hierbei einen Trend, der sich in Europa schon seit Längerem akzentuiert, und der zunehmend auch Schwellenländer erfasst, vor allem in Asien (z.B. mit Green Bonds). Es werden immer mehr Fonds und Lösungen angeboten, die auf Nachhaltigkeit fokussieren oder das Thema zumindest miteinbeziehen, und das dürfte sich in den nächsten Jahren noch einmal beschleunigen.

Welche Anreize kann die Privatwirtschaft schaffen, um klimafreundliches und nachhaltiges Investieren voranzutreiben - und welche Rolle spielen staatliche Akteure?

Der grundsätzliche Beitrag der Privatwirtschaft ist zunächst einmal Liquidität und Kapital. Wir haben in den letzten Jahren eine expansive Geldpolitik gesehen, und es gibt viel Kapital, das sinnvoll investiert werden will - gerade in Zeiten, wo Cash kaum oder gar keinen Ertrag mehr abwirft. Und gerade bei jüngeren Investoren ist zu beobachten, dass viele von ihnen dieses Kapital auch in jener Hinsicht sinnvoll anlegen wollen, dass es eben einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet. Die Privatwirtschaft kreiert Anlageprodukte dazu, und sie erarbeitet zudem über Verbände Standards, um zum Beispiel festzulegen, was als ein «Green Bond» zu bezeichnen ist, oder nach welchen Kriterien gewisse nicht nachhaltige Investments aus einem Portfolio ausgeschlossen werden können. All dem setzen staatliche und auch supranationale Akteure einen Rahmen, indem sie Regeln und Anreizstrukturen festlegen, innerhalb derer sich die Privatwirtschaft bewegt.

Sie sprechen supranationale Akteure an. Die UNO verabschiedete 2015 die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), ein Kernelement der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Werden diese umfassenden Ziele nachhaltiges beziehungsweise klimafreundliches Investieren zusätzlich populärer machen?

Ich denke durchaus, dass die SDGs einen Beitrag leisten können. Natürlich: Es gibt wie gesagt bereits einen Trend und einen großen Wachstumsmarkt. Aber wenn ein solches institutionelles Rahmenwerk definiert wird, vor allem auf dieser hohen Ebene, dann liefert das zusätzliche Unterstützung und Visibilität und schärft auch das Bewusstsein für die Dringlichkeit der Thematik.

Schreitet der Trend zu klimafreundlichem Investieren denn schnell genug voran? Laut dem «Global Risk Report» des WEF 2016 ist das Versäumnis, den Klimawandel einzudämmen («failure of climate-change mitigation and adaption») in mittelbarer Zukunft das globale Risiko mit den größten potenziellen Auswirkungen, und zudem eines der wahrscheinlichsten.

Klimawandel könnte eine der größten Herausforderungen unserer Zeit sein, und es ist letztlich nicht einfach, abzuschätzen, ob diese Entwicklungen schnell genug voranschreiten. Sicher ist, dass man regional differenzieren muss. Europa nimmt schon seit Langem eine Vorreiterrolle ein beim klimafreundlichen Investieren und die Schweiz sowie die nordischen Länder sind da besonders hervorzuheben. Die USA sind in dieser Entwicklung noch nicht ganz so fortgeschritten, sie sind aber auch ein Land mit einer flexiblen Wirtschaft, in der oft sehr schnell und effizient agiert wird, wenn Preise die richtigen Anreize schaffen. So nimmt jetzt in einigen amerikanischen Städten z.B. die Installation von Solarpanels auf Einfamilienhäusern schnell und sehr bedeutend zu. Eine wichtige Rolle spielen natürlich auch die bevölkerungsreichen Schwellenländer: Hier wird es oft zuerst für prioritär erachtet, einen gewissen Wohlstand zu erlangen, bevor Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen ins Zentrum rücken. Wir sehen aber auch hier einen Trend in diese Richtung, gerade am Beispiel China: Die Regierung fördert seit einigen Jahren verstärkt einen nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen und die Verschmutzung gewisser Städte sensibilisiert die Bevölkerung natürlich ebenfalls.

Können Investments, die explizit klimafreundlich sind - oder zumindest ökologische Kriterien einbeziehen - genauso rentabel sein wie solche, die sich damit nicht auseinandersetzen oder schränkt ein Fokus auf Nachhaltigkeit die finanzielle Rendite ein?

Das ist eine wichtige Frage für Investoren. Es sind über einen längeren Zeitraum grundsätzlich keine Rendite-Nachteile festzustellen, besonders wenn man auch Risikoaspekte miteinbezieht. Über kürzere Perioden können klimafreundliche Portfolios gewissen Schwankungen unterworfen sein, etwa wenn Anlagen in Sektoren finanziell besonders attraktiv wären, in die in einem klimafreundlichen Portfolio aufgrund von Ausschlusskriterien nicht oder nur wenig investiert wird. So genannte «sector biases» können periodisch Auswirkungen auf die Performance haben, allerdings unter Umständen durchaus auch positive. Zudem haben nachhaltige Indizes oft ein gutes Risiko-Rendite-Profil, das heißt, große Verluste sind in vielen Fällen weniger wahrscheinlich.

Bei welchen nachhaltigen Investments sehen Sie besonders viel Potenzial - und was funktioniert Ihres Erachtens weniger?

Wenn ich mir den Markt zurzeit anschaue, erachte ich die Green Bonds als interessant, die ich vorhin bereits erwähnt habe. Das sind Anleihen von Emittenten, die ökologisch nachhaltige Projekte finanzieren. 2015 hatte sich das Volumen von Green Bonds auf über USD 40 Mrd. vervielfacht - 2012 lag es noch bei gut USD 3 Mrd. Ebenfalls interessant ist für mich die Mikrofinanz, durch welche Menschen am unteren Ende der Einkommenspyramide Klein- und Kleinstkredite zur Verfügung gestellt werden. Erstens können Investitionen in diesem Bereich einen wertvollen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten, zweitens eignen sie sich gut zur Diversifizierung eines Portfolios und bieten Anlagemöglichkeiten, die mit der Situation auf den globalen Märkten vergleichsweise gering korrelieren. Volatil haben sich hingegen Anlagen in alternative Energien gezeigt: Es variiert je nach Typ erneuerbarer Energie und je nach Land, wie stark diese subventioniert werden, was wiederum Auswirkungen auf entsprechende Investments hat. Ebenfalls hängen sie zu einem gewissen Grad von der Entwicklung des Marktes für fossile Energien ab.

Was würden Sie nun einem Kleinanleger, bzw. Retailkunden, raten, der in nachhaltige Anlagen investieren möchte?

Gerade Kleinanleger sind oft daran interessiert, das Risiko zu begrenzen und eher konservativ zu investieren. Für viele von ihnen ist deshalb zum Beispiel Mikrofinanz besonders interessant. Aber wie gesagt bieten verschiedene nachhaltige Investitionsansätze gute Risiko-Rendite-Profile - und ermöglichen es, persönliche Werte ins Anlageportfolio zu integrieren.

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