DAX+1,15 % EUR/USD-0,40 % Gold-0,04 % Öl (Brent)-0,48 %

Negative Zinsen "Strafzinsen sind die dümmste Idee, die ich je gesehen habe"

04.05.2016, 09:50  |  5192   |   |   

Die Komödie hat ausgespielt: Die Notenbanken behaupten, sie würden mit immer niedrigeren Strafzinsen die Wirtschaft ankurbeln. Doch das Wachstum der Weltwirtschaft schwächt sich immer weiter ab. Denn: Strafzinsen sind die Definition von Deflation, sie würgen die Wirtschaft ab.

Seit Jahren verbreitet die US-Notenbank die Mär, dass eine kräftige Konjunkturbelebung quasi um die nächste Ecke lauert. Irgendwie kommt die Konjunkturbelebung aber einfach nicht. „Jedes Mal wurde diese Hoffnung jedoch enttäuscht. Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem diese Komödie ausgespielt hat. Niemand sagt mehr, dass die Konjunktur 3 Prozent expandieren wird. Auch die US-Notenbank hat kapituliert“, kritisiert Jeff Gundlach gegenüber „Finanz und Wirtschaft“. Der "Anleihenkönig" aus den USA geht gegen die immer extremere Geldpolitik der Notenbanken hart ins Gericht.

In den vergangenen Quartalen hatte sich das Wirtschaftswachstum der USA dramatisch abgeschwächt. Nachdem es im zweiten Quartal 2015 noch bei annualisiert 3,9 Prozent gelegen hatte, ist der Wert im ersten Quartal 2016 auf nur mehr 0,5 Prozent zurückgegangen. Der annualisierte Wert wird errechnet, wenn man die Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit vier multipliziert. Viele US-Konjunkturdaten, wie die Einzelhandelsumsätze, die Industrieproduktion, die Aufträge langlebiger Gebrauchsgüter deuten klar daraufhin, dass die Wirtschaft bereits in der Rezession oder zumindest am Rande der Rezession ist.

Maximal eine Zinserhöhung in diesem Jahr

Der Anleiheexperte des US-Vermögensverwalters DoubleLine bezweifelt, dass die US-Notenbank die Zinsen in diesem Jahr die Zinsen zwei Mal anheben wird, möglicherweise werde es nur eine Anhebung geben. „Letztlich wird es darauf hinauslaufen, dass die US-Notenbank den nächsten Zinsschritt fortwährend hinausschiebt, wie sie das mit allen bedeutenden Entscheiden seit der Finanzkrise gemacht hat.“ Der Finanzmarkt hat sich schon längst darauf eingestellt, dass es höchstens eine Zinserhöhung in diesem Jahr geben wird. Gemessen an den Fed Funds Futures, also Derivaten auf die Fed Funds (Leitzinsen) könnte es eine Erhöhung im Dezember geben.

Strafzinsen in der Euro-Zone und Japan erreichen das Gegenteil des bezweckten Ziels
„Das nächste Großereignis wird der Moment sein, in dem auch die Zentralbanken in Japan und Europa aufgeben und das Experiment der negativen Zinsen abbrechen. Negative Zinsen sind ein Horror. Sie sind die dümmste Idee, die ich je gesehen habe. Sie bewirken exakt das Gegenteil dessen, was sie bezwecken sollen. Seit die Bank of Japan (japanische Notenbank) zu dieser Massnahme gegriffen hat, hat der Yen stark angezogen, und die Aktienkurse sind gesunken. Das gleiche Problem hat die EZB“, sagte Gundlach gegenüber der Schweizer Finanzzeitung.

Nachdem der Chef der japanischen Notenbank Haruhiko Korada noch wenige Tage vor der Notenbanksitzung am 29. Januar gesagt hatte, die Notenbank denke nicht über Strafzinsen nach, hat er bei der Sitzung für viele „Experten“ „völlig überraschend“ Strafzinsen angekündigt. Normalerweise hätte das den Yen gegenüber dem Dollar deutlich schwächen müssen, wenn die Geldpolitik in Japan immer lockerer wird, während die US-Notenbank zumindest auf der Bremse steht. Entgegen den Erwartungen ist der Yen seit damals aber um 14,5 Prozent gegenüber dem Dollar gestiegen auf 105,7 Yen je Dollar. Denn in den vergangenen Wochen hat die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen den Start eines neuen QE-Gelddruckprogramms und die Einführung von Strafzinsen ins Spiel gebracht. Die Aussicht, dass die US-Notenbank in den nächsten Monaten eine Kehrtwende von der Zinswende einlegt und wieder kräftig Geld drucken wird, schwächt den Dollar massiv. Niemand kann auch nur annähernd so viel Schulden machen und Geld drucken wie die Amerikaner.

Strafzinsen schwächen die Wirtschaft

„Sie (die Strafzinsen) sind dazu konzipiert, Deflation zu bekämpfen. De facto sind sie aber die Definition von Deflation: Geld verschwindet. In einem Regime mit Strafzinsen hat man als Investor davon in Zukunft weniger als heute“, so der Finanzprofi. Weil die Verbraucher und die Unternehmen wegen der Strafzinsen weniger Zinsen haben als vorher, tritt der private Sektor auf die Ausgabenbremse. Das bremst die Wirtschaft. Entgegen der Behauptung der Notenbanker und vieler „Experten“ kann man über Strafzinsen die Wirtschaft also nicht ankurbeln, sondern würgt sie vielmehr ab.

Gold ist sehr aussichtsreich

„In einem deflationären Umfeld sind Investments attraktiv, die ihren Wert behalten oder eine kleine Rendite erwirtschaften. Deshalb mag und halte ich Gold. Es bewahrt Kapital, und in einer Welt mit negativen Zinsen ist eine Rendite von null Prozent relativ gesehen sogar recht anständig“ erklärte Gundlach gegenüber Finanz und Wirtschaft. Der Goldpreis ist mit Kursen von um die 1.300 Dollar auf das höchste Niveau seit Januar 2015 nach oben geschossen.

US-Aktien sind extrem teuer

Im Gegensatz zu Gold ist der Anleihenkönig sehr skeptisch für US-Aktien. „Amerikanische Aktien sind ungeheuerlich teuer.“ In den vergangenen Monaten haben die Analysten die Gewinnschätzungen für den S&P500 für die Jahre 2016 und 2017 zusehends gesenkt. Auf Basis der Schätzungen für die nächsten zwölf Monate – eine für Analysten und Investoren sehr wichtige Kennzahl – ist der S&P500 mit einem KGV von 17 extrem hoch bewertet. Bei dieser Kennzahl werden jetzt im Mai die 2016er-Schätzungen mit acht Monaten und jene für 2017 mit vier Monaten gewichtet. Der langjährige Durchschnitt beim KGV lag aber bei elf bis zwölf, weil das dem langjährigen Gewinnwachstum der S&P500-Unternehmen entsprach.

Davon ist derzeit aber weit und breit nichts zu sehen. Das prognostizierte Plus für 2016 liegt bei mickrigen 1,1 Prozent. „Auch fundamental spricht wenig für Engagements. Die Margen, die Gewinne und die Qualität der Unternehmensbilanzen verschlechtern sich stetig. Viele Konzerne verschulden sich, um Dividenden zu zahlen oder eigene Aktien zu kaufen. Das ist kein Rezept für Wachstum, sondern hochgradig unproduktiv. Ich rechne deshalb damit, dass US-Aktien erneut absacken werden.“



Verpassen Sie keine Nachrichten von Redaktion w:o
Abonnieren Sie jetzt Ihren Lieblingsautor
Ich habe die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung gelesen und stimmt diesen zu.
Autor abonnieren
Wir respektieren Ihre Privatsphäre, es werden keine Daten an Dritte weitergegeben!
Verpassen Sie nichts mehr aus der wallstreet:online Redaktion!
Newsletter kostenlos abonnieren

Schreibe Deinen Kommentar

 

Kommentare

Es sind nicht die Strafzinsen,die die Wirtschaft schädigen,es ist etwas anderes,in dem Medikamenten-Cocktail,was sich als Begleiterscheinung dazu geschmuggelt hat,Deutschland,ist erwiesenermaßen sehr anfällig dafür,wir haben eben keine wirkliche Demokratie und für Republik,hat es eben auch nicht ganz gereicht,es herrscht eine unvermeidliche Elite und die hatte nunmal nach allen Regeln der Kunst wirklich vollkommen ausgespielt!
Um das unvermeidliche zu vermeiden,hatte man sich Spielraum erkauft,um die Gesellschaft zu verändern und künstlich toleranter zu machen,vor mehr als 40 Jahren,waren die ersten europäischen Einheits Versuche an genau denselben Order-Betrügereien und Geldwäschereien,sowie von von vorneherrein vereinbarten Rechtsbeugungen und Rechtsschändungen begleitet,wie auf dem Höhepunkt dieser Krise,es ist also vollkommen klar,dass die Instrumente,die man benutzte,nicht zufällig benutzt wurden,sondern auf Weisung,mit voller Absicht und zwar gegen die eigene Bevölkerung .Exemplarisch dazu,der auffällige begleitende Grundton,erinnern wir uns,die reichen waren schuld !
...wie es gerade passt,es kann einfach jeden erwischen!
Diesmal,haben sie sich allerdings gehörig selbst verzockt,sie haben verwässert,ohne Ende,sitzen auf den faulen Papierchen und bekommen sie selbst nicht mehr los,so sieht es aus,denn in ihren Händen und durch ihre Hände,was sie nie zugeben wollen,wird letztlich jeder gute Apfel madig und faul,den will keiner mehr !
Jede ungelernte Putzfrau kann führen,wenn man nur die Bedingungen und Spielregeln ständig ändert,die Begleitspielchen,wie zb "Die Partei hat immer Recht" wirkten am Ende auch schal und vollkommen überdosiert,an Lachhaftigkeit nicht mehr zu überbieten,waren die verzweifelten Suggestions-Versuche,der Kanzlerin zb "Durchsetzungsvermögen" anzudichten,weil offenbar an Masse nicht viel vorhanden war.Es ist ganz einfach,wenn etwas nicht,oder zu wenig vorhanden ist,um noch die Schulden der Führung zu bezahlen,dann wird es abgewertet,so wie zZ eben das Geld,denn wenn die nicht die Mehrheit haben,muss sie erst erlangt werden !
Irgenwie befindet sich Deutschland gesellschaftlich im Tiefflug und nicht wenige erhoffen schon,dass es kracht,weil sie nur noch im Neubeginn eine Chance sehen,reiche erahnen es ebenfalls und werden sich mit Engagements schon bald zurückhalten,denn man wartet besser,bis die Zeit reif ist .
Es ist erneut die traditionelle Problematik,dass man auch abwarten muss,wer in den USA President wird,Herr Trump,hatte ja da schon angedeutet,in welche Richtung es gehen könnte,...also,nach weiteren Zinssenkungen,hört sich das wohl eher nicht an,das wird auch seine Schatten auf Europa werfen,wie so viele amerikanische Presidenten,vor ihm,wird er möglicherweise mittels seiner ersten Amtshandlungen die Welt retten,oder was noch zu retten ist,er wird auch Konzepte haben,wohl dem,der dann noch ein paar Euros aneinander reiben kann,sonst,spielt man eben eine Runde nicht mit.
Man muss sich doch nur einmal fragen,wie die Welt ohne die Strafzinsen aussehen würde,wir würden im Chaos untergehen,das würden die "Gestalten"nämlich nicht packen,aber warten wir es ab,die Uhr tickt,es reicht nämlich auch nicht mehr,um so weiter zu machen !
"Strafzinsen sind die dümmste Idee, die ich je gesehen habe"

Also ich hab schon weitaus dümmere Ideen gesehen, derzeit Kapitallebensversicherungen abschließen zum Beispiel. ... ;-)
"Strafzinsen sind die dümmste Idee, die ich je gesehen habe"

Du musst Dich damit abfinden das der überwiegende Teil der Menschheit dumm wie Brot ist.

Disclaimer

Europas größte ETP-Plattform

Erfahren Sie alles zum Thema Investieren in ETPs. Informieren Sie sich auf etfsecurities.com

Zum Leitfaden

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel