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Deutsches Stromnetz Die Teilung Deutschlands - Strompreiszonen als Strafe für schleppenden Netzausbau

30.05.2016, 14:28  |  2706   |   |   

Ob Nord, ob Süd, ob Ost oder West: Den Strompreis regeln die regionalen Anbieter und die Art der Stromförderung - Atom-, Kohle- oder Ökostrom. Doch die EU-Kommision eine weitere Überlegung ins Spiel: Die Trennung Deutschlands in zwei Stromzonen. Eine im Norden und eine im Süden. Hier wäre der Strom dann teurer als an der Küste. Die Idee ist nicht neu.

Das Problem sei die jahrelange Verzögerungen beim Ausbau der deutschen Stromnetze. Es geht einfach nicht schnell genug - auch aufgrund der Blockadehaltung einiger Bundesländer. Der daraufhin in die Nachbarländer überfließende Überschuss-Strom sei „eine Quelle politischer Konflikte und behindert die Integration der west- und osteuropäischen Strommärkte“, zitiert die „Welt am Sonntag“ aus Brüsseler Kreisen. Nun wolle die EU-Kommission zum Jahresende Pläne für eine Marktordnung präsentieren, in der auch der Zuschnitt von Preiszonen angesprochen wird.

Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium laufen bereits. In diesen wurde als „Vorstufe“ von der EU-Kommision die Einführung regional differenzierter Einspeiseentgelte für konventionelle Kraftwerke ins Spiel gebracht. So wolle Brüssel Anreize schaffen, dass Kraftwerke in Regionen mit Stromengpass gebaut werden, heißt es laut „WamS“ aus dem Umfeld des Bundeswirtschaftsministeriums.

Strompreiszonen - alter Hut

Bereits vor einiger Zeit wurde die Einführung zweier Strompreiszonen in Deutschland diskutiert. Immer wieder würden sich die Nachbarstaaten über die mangelnde Leitungskapazität Deutschlands beschweren, um auch effektiv im europäischen Stromhandelsgeschäft tätigt zu werden. Vor allem auch in Zeiten hoher Windstromproduktion würde billige Überschuss-Energie aus Deutschland in die Netze der Nachbarländer drängen und dort konventionelle Kraftwerke unwirtschaftlich machen, schreibt die „Welt am Sonntag“ unter Bezug auf die EU-Kommission.

Diese jedoch wollte bislang von der Errichtung von Preiszonen in Deutschland nichts wissen. Im Gegenzug hatte Deutschland auch den beschleunigten Ausbau großer Nord-Süd-Trassen zugesagt. Auch entsprechende Netzausbau-Gesetze wurden erlassen. Doch passiert ist recht wenig. So werden wichtige Stromautobahnen wie etwa „Suedlink“ anders als geplant nicht Ende 2022 fertig sein werden, wenn das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz geht.

Trassen vs. Erdkabel - Diskussion verzögert Netzausbau

Auch im Bundestag kursieren nach Informationen der „Welt am Sonntag“ bereits Prognosen der Bundesnetzagentur, denen zufolge die Leitungsverbindungen frühestens 2025 fertig gestellt sein werden. Grund für die Verzögerung ist ein neues Gesetz, das den Vorrang von Erdkabeln vorschreibt. Die bisherigen Trassenplanungen der Netzbetreiber, die hauptsächlich auf Freileitungen basieren, müssen deshalb von neuem begonnen werden.

Verzögerungen beim Netzaufbau hin oder her. Die Bundesregierung hält auch in der aktuell diskutierten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) daran fest, den Ökostrom-Anteil am deutschen Energiemix von heute gut 30 Prozent auf bis zu 45 Prozent im Jahre 2025 zu steigern. Damit drohen auch auf die Verbraucher höhere Kosten zuzukommen. Nach Berechnungen des Büros von Michael Fuchs, Vize-Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU im Bundestag, könnte die Umlage von heute 6,35 bis 2020 auf 9,22 Cent pro Kilowattstunde steigen. 

Netzengpassregionen gegen Fragmentieren des deutschen Strommarktes

Beim Sondergipfel der Ministerpräsidenten im Bundeskanzleramt am Dienstag kommender Woche will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) dafür werben, Teile Norddeutschlands sowie Nordhessen zu „Netzengpassregionen“ zu erklären, schreibt die „WamS“ weiter. Damit soll der Bau neuer Windkraftanlagen „vorübergehend“ deutlich eingeschränkt werden (wallstreet:online berichtete). Mit dem Vorstoß will Gabriel die Aufteilung des deutschen Strommarktes durch die EU verhindern. Die regionale Ausbaubremse für norddeutsche Windenergie soll die Bedenken der EU-Kommission zerstreuen, erneuerbare Energien in Deutschland würden weiterhin ohne Rücksicht auf das Vorhandensein von Stromnetzen ausgebaut.  



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