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Marktkommentar: Christian Hantel (Vontobel): Das globale Kredituniversum bietet unseren Kunden Mehrwert
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Marktkommentar Christian Hantel (Vontobel): "Das globale Kredituniversum bietet unseren Kunden Mehrwert"

Nachrichtenquelle: Asset Standard
31.05.2016, 11:23  |  515   |   |   

Nur für institutionelle Anleger

Christian Hantel, Senior Portfoliomanager

Christian Hantel ist seit Oktober 2015 bei Vontobel Asset Management als Senior Portfoliomanager im Fixed Income Corporate Bonds Team tätig. Von 2012 bis 2015 war er Senior Portfoliomanager bei Swisscanto Asset Management AG. In dieser Rolle verwaltete er den "Flaggschiff" Global Corporate Bond Fonds und war verantwortlich für Euro Unternehmensanleihenfonds sowie für globale Corporate Bond Mandate. Zuvor war er bei BNY Mellon Asset Management in Düsseldorf tätig, wo er das Team Credit Investment Grade leitete sowie bei PricewaterhouseCoopers im Corporate Finance/M&A.

Weltweit gibt es unzählige Anleihenfonds. Weshalb benötigt die Welt einen weiteren solchen Fonds?

Das ist eine gute Frage zum Einstieg. Anleihenfonds gelten generell als Allwetterprodukte, denn Anleihen bieten als Anlageklasse über den Zyklus hinweg einen regelmäßigen Ertrag. Das Angebot an globalen Kreditprodukten ist jedoch nach wie vor relativ bescheiden verglichen mit dem Angebot an Fonds, die in US-amerikanische oder europäische Unternehmensanleihen investieren.

Meiner Meinung nach bietet das globale Kredituniversum unseren Kunden Mehrwert, besonders im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Zudem erwarte ich, dass das globale Anleihensegment als Anlageklasse weiter wächst. Im Zuge dieses Wachstums stehen die Anleger vor der Herausforderung, die Portfoliomanager zu finden, die sich im globalen Kredituniversum auskennen.

"Die Ratingmigration bietet Anlegern zwei entscheidende Vorteile."

Was ist an ihrem globalen Unternehmensanleihefonds speziell?

Eines der Hauptargumente für unsere neue Strategie ist die Diversifikation. Das Anlageuniversum ist global und beinhaltet die USA und Europa sowie in gewissem Masse Schwellenländer. Daraus ergeben sich Relative-Value-Chancen. Wir wählen die attraktivsten Währungen eines Emittenten aus, den wir interessant finden, ohne ein Währungsrisiko eingehen zu müssen.

Der Anlagefonds nennt sich «Mid Yield». Können Sie dieses Konzept genauer erklären?

Das Konzept ist seit der Einführung des EUR Mid Yield Fund gut etabliert. Der Schwerpunkt liegt auf dem relevantesten Teil des Anlageuniversums, nämlich den Ratingkategorien A und BBB. Dieses Segment ist für Anleger attraktiver als das gewöhnliche Investment-Grade-Universum, besonders im aktuellen Niedrigzinsumfeld.

Zudem ist das Segment in den letzten zehn Jahren infolge der Ratingmigration kontinuierlich gewachsen. Dies ist ein wichtiger Treiber für uns. Sofern wir von der Bonität überzeugt sind, kann der Fonds auch in Anleihen mit einem BB-Rating investieren.

Die Ratingmigration ist eines der Hauptargumente für den Mid-Yield-Ansatz. Inwiefern profitieren die Anleger von diesem Ansatz?

Die Ratingmigration bietet Anlegern zwei entscheidende Vorteile. Der erste überrascht möglicherweise viele Anleger: die Herabstufungen. Wenn ein Unternehmen herabgestuft wird, sind manche Anleger infolge ihrer Anlagerichtlinien gezwungen, diese Anleihen zu verkaufen und zwar zu jedem Preis. Für unser Mid-Yield-Konzept gilt dies nicht. Im Gegenteil, wir können Anleihen mit BB-Rating, die herabgestuft wurden und infolge technischer Faktoren nach Zwangsverkäufen überverkauft sind, in unser Portfolio aufnehmen.

Für den zweiten Vorteil sind robuste Unternehmen mit einem BB-Rating verantwortlich, die sich in Richtung Investment Grade entwickeln. Sie sind gewissermaßen die ,Rising Stars'. Solange die Anleihen mit einem BB-Rating eingestuft sind, sind deren Preise deutlich attraktiver. Nach der Hochstufung auf Investment Grade ist ein Großteil der Einengung bei den Kreditspreads abgebaut. Wer sich also in einer frühen Phase in solchen Titeln positioniert, erzielt eine deutlich höhere Rendite, wenn BB-Anleihen hochgestuft werden.

Welches sind derzeit Ihre Favoriten im Anleihensegment?

Wir halten den Bankensektor für interessant, insbesondere nachrangige Anleihen, da die gesamte Branche immer stärker reguliert und besser kapitalisiert ist. Zu unseren Anlagen gehören auch sogenannte CoCo-Anleihen, die aktuell eine Rendite von über 7 Prozent abwerfen.

Die nach wie vor attraktiven Renditen und Renditedifferenzen haben uns zudem dazu bewogen, stärker in US-Anleihen zu investieren. Der Kreditzyklus ist in den USA weiter fortgeschritten. Doch über die steigenden Zinsen dort sind wir weniger besorgt als noch vor zwölf Monaten.

"Dieses Segment ist für Anleger attraktiver als das gewöhnliche Investment-Grade-Universum."

Können Sie etwas zum Fixed-Income-Zyklus sagen und wo wir uns dort derzeit befinden?

Werfen wir einen Blick auf die beiden unterschiedlichen Zyklen in den USA und Europa.

Die beiden Regionen unterscheiden sich bezüglich der Zinsentwicklung erheblich: In den USA steigen die Zinsen, wenngleich deutlich langsamer als zuvor erwartet; auf den übrigen Kapitalmärkten der Industrieländer notieren die Zinsen sehr niedrig oder sogar im negativen Bereich. Die anziehenden Zinsen in den USA deuten auf eine robuste Verfassung der Wirtschaft, wodurch sich die Renditedifferenz zwischen Europa und den USA noch stärker ausweitete.

Um die Divergenz im Kreditzyklus zwischen den USA und Europa zu verstehen, müssen wir etwas zurückgehen in der Geschichte. Nach der Finanzkrise haben sich die USA rascher erholt als Europa. Darüber hinaus beschäftigte die Euro-Schuldenkrise 2012 Europa. Diese ist nach wie vor nicht gelöst. Die europäischen Unternehmen verhielten sich daher zurückhaltender, ließen nur eine moderate Verschuldung zu und hielten an hohen Barbeständen fest. In den USA ist der Kreditzyklus weiter fortgeschritten. Die Phase der Neuverschuldung infolge von M&A-Aktivitäten und/oder aktionärsfreundlichem Verhalten begann in den USA früher. Dieser Trend zum Schuldenaufbau könnte nun zum Stillstand kommen, was sich vorteilhaft auf die Bonität auswirkt. Obwohl sich die US-Unternehmen in einem deutlich fortgeschrittenen Kreditzyklus befinden, halten wir das Segment aufgrund der attraktiven Entschädigung nach wie vor für interessant.

"Wir stützen uns auf unsere eigene Kreditanalyse, weshalb wir nur in Unternehmen investieren, von denen wir fest überzeugt sind."

Wie gehen Sie mit dem Thema Liquidität bzw. der fehlenden Liquidität um?

Die verminderte Liquidität ist nichts Neues für Anleihenmärkte und der Tatsache geschuldet, dass die Banken weltweit einer schärferen Regulierung unterliegen. Wir haben uns in unserer täglichen Arbeit an das neue Umfeld angepasst. Wir wählen nur Emittenten aus, die mehrere Emissionen in geeignetem Umfang ausstehend haben. Außerdem meiden wir große Positionen in einer einzelnen Anleihe. Wir stützen uns auf unsere eigene Kreditanalyse, weshalb wir nur in Unternehmen investieren, von denen wir fest überzeugt sind. Steigt die Volatilität vorübergehend, geraten wir nicht in Panik.

Ihr Team hat den Begriff «Spread Carry Run» geprägt. Welchen Spread können Ihre Fondsanleger erwarten?

Der Spread des globalen Anleihenfonds beträgt aktuell 220 Basispunkte und die Rendite rund 3.2 Prozent. Die Kreditspreads könnten sich weiter einengen, besonders in den Segmenten, die in den letzten Monaten zurückgeblieben sind, wie britische Banken. Unserer Meinung nach ist der Carry, also die Umlaufrendite des Portfolios, für Anleger in diesem Niedrigzinsumfeld attraktiv. Denn etwa 25 Prozent der Staatsanleihen werfen eine negative Rendite ab.

Kurzum, das globale Kredituniversum verfügt über ein relativ hohes Rating und einen großen, liquiden Markt. Zudem bieten diese Anleihen im aktuellen Umfeld mit sehr niedrigen oder sogar negativen Renditen eine "höhere" Rendite.



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