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Marktkommentar: Union Marktticker KW22 - 03. Juni 2016
Foto: www.assetstandard.de

Marktkommentar Union Marktticker KW22 - 03. Juni 2016

Nachrichtenquelle: Asset Standard
09.06.2016, 09:55  |  521   |   |   

Fusionen und Übernahmepläne dominieren das Geschehen an den Aktienmärkten. Das Geschäft mit Börsengängen weltweit ist derzeit jedoch rückläufig. Das Treffen der Europäischen Zentralbank am Donnerstag hielt keine Überraschungen parat. Es wurden aber weitere Details zum nunmehr startenden Ankaufprogramm für europäische Unternehmensanleihen bekanntgegeben.

Aktien:

- Fusionen und Übernahmen dominieren die Schlagzeilen

- Bayer könnte nachbessern

- Zahl der Börsengänge rückläufig

Renten:

- EZB-Treffen ohne besondere Highlights

- Weitere Details zum Ankauf von Unternehmensanleihen

- Ruhiger Handel an den Staatsanleihemärkten

Ausblick:

- Wenige Impulse für Frankreich durch Fußball-EM erwartet

- Deutsche Industrieproduktion vor leichter Verbesserung

- China-Daten dürften durchwachsen bleiben

Aktien

Fusionen und Übernahmen dominieren die Schlagzeilen

Die globalen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche uneinheitlich gehandelt. Während in den USA Gewinne anfielen, schlossen die europäischen Börsen überwiegend im Minus. Unter dem Strich stand für den MSCI World Index in lokaler Währung bis Freitagmittag ein Minus von 0,1 Prozent. Die Aktien der Schwellenländer lagen, gemessen am MSCI World Emerging Markets Index, leicht im Plus.

Die Börse wurde dabei dominiert von Fusionsgesprächen. Dabei standen zwei deutsche Unternehmen im Mittelpunkt: die Deutsche Börse, die den Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) anstrebt, und der Chemiegigant Bayer, der den Saatgutkonzern Monsanto schlucken will und ein erstes Angebot über 55 Milliarden Euro unterbreitet hat. Im Falle der vorgesehenen Börsenfusion dürfte bis Mitte Juli etwas mehr Klarheit herrschen. Am 4. Juli sollen die Anteilseigner der LSE dem Zusammenschluss ihren Segen geben, acht Tage später sind die Aktionäre der Deutschen Börse gefragt. Damit die Fusion im dritten Anlauf gelingt, müssen bei beiden Unternehmen jeweils drei Viertel der Aktionäre zustimmen - hinzu kommt das Plazet von 20 Behörden, so dass ein Abschluss vor dem ersten Quartal 2017 kaum realistisch scheint.

Bayer könnte nachbessern

Bei Bayer und Monsanto zeichnet sich ein zähes Ringen ab. Monsanto hatte die 55 Milliarden Euro schwere Offerte als zu niedrig zurückgewiesen, sich aber wohl grundsätzlich offen für Gespräche gezeigt. Medienberichten zufolge hat nun der Bayer-Konzern die Voraussetzungen geschaffen, um das Angebot weiter erhöhen zu können. Die Übernahme wird an den Märkten überwiegend kritisch gesehen, Monsanto genießt insbesondere in Deutschland wegen der Herstellung von genmanipuliertem Saatgut sowie dem Vertrieb des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat keinen besonders guten Ruf.

Zahl der Börsengänge sinkt deutlich

Trotz der beiden großen Transaktionen läuft das weltweite Geschäft mit Börsengängen derzeit vergleichsweise schleppend. Ungeachtet der niedrigen Refinanzierungskosten der Unternehmen liegt das Emissionsvolumen in Europa im laufenden Jahr um rund 65 Prozent niedriger als vor einem Jahr. In den USA gingen die Börsengänge um 60 Prozent zurück, heißt es in einer Studie - auch wenn am dortigen Markt mittlerweile Tauwetter eingesetzt hat und in den vergangenen Wochen fünf Firmen an die Börse gegangen sind. In Deutschland haben im laufenden Jahr erst zwei Unternehmen den Sprung aufs Parkett gewagt, im Vorjahr waren es immerhin noch 15.

Der Grund für die Zurückhaltung liegt offenbar in den derzeit sehr präsenten Unsicherheitsfaktoren. Die Märkte haben in den ersten Monaten des Jahres heftig geschwankt - ein Umfeld, in dem Neulinge die Börse lieber meiden. Aktuell lastet die Debatte um den möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union auf der Stimmung, weshalb viele IPOKandidaten lieber noch etwas abwarten. Experten erwarten eine Belebung des europäischen IPO-Markts erst nach der Sommerpause. An die Zahlen und Volumina aus dem Jahr 2015 werde man allerdings kaum nach aufschließen können, heißt es.

Renten

EZB-Treffen ohne besondere Highlights

Wenig spektakuläres ergab sich aus dem Treffen der EZB am vergangenen Donnerstag. Die relevanten Zinssätze blieben unverändert, auch die Ausgestaltung der unkonventionellen Geldinstrumente wurde unverändert belassen.

Eine leichte Anpassung erfolgte hingegen bei den Inflationsund Wachstumsprognosen für das laufende Jahr 2016. Beide wurden um jeweils 0,1 Prozent leicht nach oben angehoben. EZB-Präsident Mario Draghi wies jedoch darauf hin, dass der Inflationsausblick mit Ausnahme von Deutschland weiterhin mit Abwärtsrisiken behaftet sei. Zudem bestünden mittelfristig Wachstumsrisiken, die in einer leichten Abwärtsrevision der langfristigen Wachstumsprognose für 2018 von 1,8 auf 1,7 Prozent zum Ausdruck kam. Allerdings scheint die EZB mit Blick auf die Konjunkturdynamik im Euroraum derzeit nicht sonderlich besorgt und nimmt eine abwartende Haltung ein. Da jedoch weiterhin mittelfristige Risiken bestehen, wird vom Markt für die zweite Jahreshälfte 2016 eine Konkretisierung der zeitlichen Ausweitung der Anleiheankaufprogramme über den März 2017 hinaus erwartet.

Ein weiteres Thema war Griechenland. Die Diskussion über eine mögliche Aufnahme griechischer Staatsanleihen in das EZB-Ankaufprogramm nach den zuletzt vom griechischen Parlament beschlossen Reformen bleibt bislang offen. Die EZB wird die Entwicklung weiterhin beobachten und dann diskretionär eine Entscheidung über etwaige Ankäufe fallen.

Weitere Details zum Ankauf von Unternehmensanleihen

Die EZB gab am Donnerstag zudem noch weitere Details zum Ankaufprogramm für Unternehmensanleihen bekannt. Der Startschuss wird nun am 8. Juni erfolgen. Den Details zufolge wird die EZB eine sehr transparente Ankaufspolitik verfolgen. Nach den sich zuletzt ergebenden Berechnungen steht der EZB ein Unternehmensanleiheuniversum im Gegenwert von circa 700 Milliarden Euro zur Verfügung. Darüber hinaus wird die EZB auch am Primärmarkt tätig werden und sich den Regularien entsprechend an Neuemissionen beteiligen. Der Ankauf wird über die sechs nationalen Notenbanken aus Deutschland, Belgien, Spanien, Finnland, Italien und Frankreich erfolgen. Der Unternehmensanleihemarkt zeigte sich von seiner ruhigen Seite, die Marktteilnehmer warteten ab.

Ruhiger Handel an den Staatsanleihemärkten

An den europäischen Staatsanleihemärkten setzte sich in der Berichtswoche der ruhige Handel fort. In den Kernmärkten waren im Zehnjahresbereich leichte Renditerückgänge zu beobachten, in der Peripherie legten diese hingegen weniger (Italien, Spanien) oder mehr (Portugal) zu. Auf Indexebene (iBoxx Euro Sovereign) gewann der Markt vor den US-Arbeitsmarktdaten leicht hinzu (plus 0,1 Prozent). Deutlichere Renditerückgänge waren in Großbritannien zu beobachten. Zehnjährige Gilts rentierten zehn Basispunkte tiefer als in der Vorwoche. Am US-Markt gaben Zehnjahrespapiere einige Basispunkte ab. Dort verflachte sich - wie auch am deutschen Staatsanleihemarkt - die Zinsstrukturkurve in der Berichtswoche ein wenig.

Ausblick

Die erste volle Juni-Woche hält nur wenige Datenpunkte aus der ersten Reihe parat. So fiebert der ein oder andere Marktteilnehmer bereits der am Freitag beginnenden FußballEuropameisterschaft entgegen. Ganz unabhängig von möglichen sportlichen Erfolgen sind für Gastgeber Frankreich keine größeren wirtschaftlichen Impulse vom Turnier zu erwarten. Investitionen sind ebenso bereits ins Bruttoinlandsprodukt eingeflossen wie mögliche Erlöse aus dem Ticketverkauf. Zwar lockt die EM viele Event-Touristen und damit auch Geld ins Land, allerdings bleiben die regelmäßigen Urlauber aufgrund des deutlich höheren Preisniveaus eher zu Hause. Belebende Effekte für die Grande Nation, die durch die Diskussionen um die Sicherheit und die Arbeitsmarktreform gespalten ist, dürften also gering bleiben.

Ob die deutsche Nationalmannschaft in Frankreich groß aufspielen kann, wird sich erst später herausstellen. Einen Fingerzeig auf den Zustand der Industrie in der Bundesrepublik gibt es dagegen schon Anfang der kommenden Woche. Während bei der April-Produktion nach zwei schwachen Monaten in Folge wieder mit einem leichten Anstieg gerechnet wird, sollten die Auftragseingänge aufgrund der fehlenden globalen Konjunkturdynamik abnehmen.

Fernab aller Fußball-Themen verläuft die Wirtschaftsentwicklung in China eher schleppend. Die Daten zur Handelsbilanz dürften dieses Bild bestätigen. Die verhaltene Binnenkonjunktur sollte sich in weiter rückläufigen Import-Zahlen ausdrücken, auch bei den Exporten scheint (noch) keine Steigerung in Sicht - wobei hier das im vergangenen Jahr späte Neujahrsfest verzerrend wirkt.

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