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Bis zum großen Knall Vom Aktienmarkt ignoriert - Rekordniedrige Zinsen sind starkes Warnsignal

09.06.2016, 11:51  |  6962   |   |   

Die Zinsen in den Industriestaaten sinken auf immer neue Rekordtiefs. Dennoch flüchten Investoren immer weiter in die Papiere. Damit zeigen sie, wie schlecht es um die Weltwirtschaft tatsächlich steht.

Die Zuversicht bei Aktionären wächst: Der DAX ist zwischenzeitlich auf 10.300 Punkte geklettert, der S&P500 schnuppert gar am Rekordhoch. Einziger Grund für den Kursanstieg ist allerdings die Aussicht, dass die US-Notenbank nach den verheerenden Arbeitsmarktdaten für Mai entgegen der zwischenzeitlichen Erwartung der Investoren weder bei der Sitzung am 15. Juni noch am 27. Juli die Zinsen anheben wird – denn die US-Wirtschaft ist zu schwach, um selbst eine mickrige Zinserhöhung um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) zu verkraften. Vor dem Hintergrund flüchten Investoren in US-Staatsanleihen, womit die Zinsen für zehnjährige Anleihen auf nur mehr 1,73 Prozent zurückgegangen sind. Tendenz: stark sinkend. Ende 2015 hatten die allzeit bullischen Volkswirte einen Anstieg bis auf 2,55 Prozent bis Ende Juni 2016 vorhergesagt. Dann kam aber einmal mehr die Realität dazwischen.

Rekordtiefe Zinsen in Industriestaaten

Die Entwicklung in den USA verschärft damit die Lage am Anleihenmarkt der Industriestaaten. Laut dem Bloomberg Developed World Bond Index sind die Zinsen in den Industriestaaten auf das Rekordtief von 62 Basispunkte (0,62 Prozent) gesunken. Die EZB hat das Anleihenkaufprogramm auf 80 Mrd. Euro aufgestockt und kauft neben Staatsanleihen und Asset Backed Securities (ABS, Forderungsbesicherte Wertpapiere) nun auch Unternehmensanleihen (mehr dazu hier und hier). Gleichzeitig liegen die Zinsen für Bankeinlagen bei minus 0,4 Prozent, die Banken zahlen also Strafzinsen auf das Geld, das sie bei der EZB parken.

Im Zuge dieses Irrsinns sind die Zinsen beispielsweise für zehnjährige französische Anleihen mit rund 0,4 Prozent auf neue Rekordtiefs gesunken. Die japanische Notenbank folgt dem „Vorbild“ der EZB und hat ebenfalls Strafzinsen eingeführt. Die Folge: Die Zinsen für zehnjährige japanische Anleihen liegen mit minus 0,12 Prozent am Rekordtief. Inzwischen werfen weltweit Anleihen im Volumen von umgerechnet 10,4 Billionen Dollar Strafzinsen ab. Das bedeutet, dass fast ein Drittel der weltweiten Staatsanleihen Strafzinsen abwerfen – der reine Irrsinn.

Niedrige Zinsen schwächen Weltwirtschaft immer mehr

Dass die Investoren trotz der Rekordniedrigen Zinsen immer weiter in die Staatsanleihen flüchten, zeigt, wie trübe die Investoren die Perspektiven für die Weltwirtschaft einschätzen – zurecht. Denn durch die immer weiter sinkenden Zinsen entgehen den Sparern jährlich umgerechnet Billionen von Dollar. Das Geld fehlt für den Konsum, weshalb sich das Wachstum der Weltwirtschaft immer weiter abschwächt – zumal viele Schuldner, seien es private Haushalte oder Unternehmen, angesichts ihres gigantischen Schuldenbergs enorme Probleme haben, noch viel mehr neue Schulden zu machen. Zuletzt haben die Volkswirte die Prognose für das Wirtschaftswachstum der USA für 2016 auf das Rekordtief von 1,8 Prozent gesenkt. Das dürfte allerdings noch lange nicht der Tiefpunkt sein.

Die sinkenden Zinsen sind damit ein starkes Warnsignal. Der Aktienmarkt ignoriert das aber weiterhin völlig, weshalb der Aktienmarkt und der Anleihenmarkt immer weiter auseinander laufen. Die Schere hatte sich begonnen zu öffnen, als der ehemalige Fed-Chef Ben Bernanke auf dem Notenbankertreffen im August 2011 in Jackson Hole angedeutet hatte, dass die Fed das Gelddruckprogramm QE2 vorbereitet. Seitdem ist der weltweite Aktienmarkt um 40 Prozent gestiegen. Hingegen sind die Zinsen für die Industriestaaten von 1,7 Prozent auf das Rekordtief von 0,62 Prozent implodiert. Hätte sich der weltweite Aktienmarkt im Gleichschritt mit den Zinsen nach unten bewegt, würde er heute um 50 Prozent unter dem Niveau vom August 2011 stehen.
Wegen der trüben Perspektiven für die Weltwirtschaft dürften die Zinsen immer weiter sinken. Das könnte dem Aktienmarkt zumindest kurzfristig weiter Rückenwind geben. Dass die Blase irgendwann einmal aber mit einem großen Knall platzen dürfte, sollte jedem Normal denkenden klar sein. 

Wertpapier: DAX, E-Stoxx 50, S&P 500


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Kommentare

Ja also die Banken kriegen das Geld von der Zentralbank für so gut wie nichts....und die Banken müssen jetzt Strafzinsen zahlen glaube 0,30% wenn sie das Geld bei der EZB Parken...

Aber warum geben die Banken das Geld nicht weiter in die Wirtschaft....?

Ich bin nur mal als Beispiel zum Spaß man bei der Volksbank gewesen und habe mich mal erkundigt wenn man da als Konsument einen "easy Credit"lach haben will zahlt man 9% und mehr fast wie bei einem Dispokredit das ist doch abzocke.....dazu ist zu bemerken ich habe 0 Schulden und keine Verpflichtungen....

Ich dachte das Billige Geld soll investiert werden und die Banken zocken die Kunden weiter ab und spekulieren wieder wie vor der Krise irgendwie nichts gelernt....

http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/null-zinsen-geld-sparer-100.html
Der weltweite Aktienmarkt soll sich also im Gleichschritt mit den Zinsen nach unten bewegen.
Im Endeffekt bedeutete das, je niedriger die Zinsen desto höher die Dividenden Renditen.
Das wäre für mich verkehrte Welt. Alles, was ich in meinem mittlerweile langen Leben gelernt habe über den Zusammenhang von Höhe der Zinsen und Preise von Aktien würde damit auf den Kopf gestellt.
Der wahre Irrsinn ist der, dass man in Deutschland viele Aktien mit Dividendenrenditen über vier Prozent kaufen kann, deren KGV weit unter 15 liegt, während die Zinsen unter Null liegen.
wenn es so klar ist, dass es einen großen Crash gibt. Warum wetten sie dann nicht auf ein solches Ereignis anstatt hier Horrormeldungen zu verbreiten.
Niedrige Zinsen schwächen Weltwirtschaft immer mehr ?

Das ist ja mal neu, war doch sonst immer das Öel oder der Dollar, ach ja es war auch einmal die nicht Lust des Kaufens der Verbraucher.
Ich würde mal die Mücken daran die Schuld geben, man hat keine Lust mehr zu konsumieren wenn man ständig gestochen wird, daran wird die Weltwirtschaft noch untergehen.

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