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Marktkommentar: Walser Wirtschaftsausblick - Countdown für Brexit-Referendum läuft
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Marktkommentar Walser Wirtschaftsausblick - Countdown für Brexit-Referendum läuft

Nachrichtenquelle: Asset Standard
10.06.2016, 10:26  |  562   |   |   

Abb.: Einkaufsmanagerindex (Composite PMI) und Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts in Großbritannien / Stand: 31.05.2016: Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Unabhängig von den aktuellen Außentemperaturen steht der Europäischen Union (EU) auf der politischen Bühne ein heißer Juni bevor. Mit Griechenland wird um die Konditionen für die Auszahlung der nächsten Hilfstranche gerungen, in Spanien sollen Neuwahlen Ende Juni ein halbes Jahr politischen Stillstand beenden und in Großbritannien kommt es schließlich zum Europa-Showdown schlechthin: Am 23. Juni werden die britischen Wähler in einem Volksentscheid über EU-Verbleib oder -Austritt ihres Landes abstimmen - und schon jetzt hält die britische Wirtschaft wegen des drohenden "Brexit" (Wortkombination aus Britain und Exit) den Atem an. Der britische Einkaufsmanagerindex, der als wichtiges Konjunkturbarometer gilt, fiel im April auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren. Die Daten zeigen, dass die Unternehmensmanager im großen Stil Investitionen und Neueinstellungen vor dem brisanten Referendum aufschieben. Aufgrund der Ungewissheit über den Ausgang der Volksabstimmung dürfte das Wachstum in Europas zweitgrößter Volkswirtschaft in diesem Frühjahr annähernd stagniert haben. Dabei zählten die Briten in den vergangenen Jahren noch zu den Wachstumsspitzenreitern im Kreis der großen Industriestaaten. Nun lähmt die Furcht vor dem Brexit den Aufschwung und die Konjunktur schwächelt (siehe Abbildung).

Historische Renditeangaben und Finanzszenarien sind keine Garantie für laufende oder zukünftige Ergebnisse.

Die Meinungsumfragen der vergangenen Wochen lassen derweil keinen klaren Schluss auf den Ausgang des Referendums zu, Kritiker und Befürworter der EU liegen nahezu gleichauf. Essenziell wird die Mobilisierung der noch unentschlossenen Wähler sein, denn mit 15 bis 20% ist ihr Anteil hoch. Diese setzen sich mehrheitlich aus jüngeren, tendenziell EU-freundlich Gesinnten zusammen. Werden sie motiviert zur Wahlurne zu gehen, dürfte dies das Pro- EU-Lager spürbar stärken. Außer Acht gelassen werden darf das Risiko eines Austritts jedoch nicht, denn fest steht auch, dass die EU-Gegner ihre einmalige Chance nutzen werden und von ihrem Wahlrecht auf jeden Fall Gebrauch machen werden.

Paradoxerweise könnte gerade die durch Brexit-Ängste ausgelöste Wirtschaftsschwäche dafür sorgen, dass die Briten letztlich doch in der EU bleiben. Denn die schwachen Konjunkturdaten liefern den Pro-Europäern auf der Insel wertvolle Munition für den Wahlkampf. Sie untermauern nämlich ihr wohl schlagkräftigstes Argument, dass die Briten im Falle eines Austritts mit schmerzhaften Wohlstandseinbußen zu rechnen hätten. Das britische Schatzamt hat in einer Studie errechnet, dass einer durchschnittlichen britischen Familie langfristig Einkommenseinbußen von 4.300 Pfund (rund 5.400 Euro) im Jahr drohten. Die OECD kommt zu dem Ergebnis, dass die Kosten für jeden Privathaushalt einer jährlichen Steuererhöhung um 2.200 Pfund oder ca. 2.800 Euro gleichkämen. Darüber hinaus geben die EU-Befürworter, angeführt von Premierminister David Cameron, zu bedenken, dass Großbritannien nach einem EU-Austritt der Verlust des freien Zugangs zum europäischen Binnenmarkt drohe, auf dem die Briten rund die Hälfte ihrer Güterexporte absetzen. Nicht zuletzt deshalb sind auch weite Teile der britischen Wirtschaft gegen einen Austritt.

Die EU-Gegner - allen voran Boris Johnson, den scheidenden Bürgermeister von London - beunruhigt all das freilich nicht, sie weisen Warnungen vor wirtschaftlichen Schäden durch einen möglichen Brexit als "Angstkampagne" zurück, die darauf abziele, die Wähler einzuschüchtern. Sie sind überzeugt, dass Großbritannien, befreit von den Fesseln der EU, wirtschaftlich aufblühen werde. Alleine - so die Argumentation der Brexit-Befürworter - wäre das Land unabhängiger, flexibler und demokratischer.

Doch die Bremsspuren in der britischen Konjunktur, die schon jetzt immer deutlicher sichtbar werden, deuten eben darauf hin, dass an den düsteren Prognosen der Gegenseite doch etwas dran sein könnte. Auch ein Blick auf den Wechselkurs des Britischen Pfunds könnte unentschlossene Wähler dazu bewegen, für den Status quo und gegen den EU-Ausstieg zu stimmen. Seit Mitte November hat das Pfund gegenüber dem Euro um rund 11% abgewertet. Aus dem Ausland importierte Waren und der Urlaub auf dem Kontinent werden durch die Pfundschwäche für britische Verbraucher teurer. Und sollten die Briten der EU tatsächlich den Rücken kehren, könnte der Wechselkurs noch deutlich stärker absinken.

Wir gehen davon aus, dass sich das Referendum letztlich an wirtschaftlichen Fragestellungen entscheiden wird. Ein Großteil der Bevölkerung dürfte bei einem Austritt persönliche wirtschaftliche Einbußen befürchten und daher trotz einer latenten Europaskepsis für den Verbleib in der Gemeinschaft stimmen. Dies spiegeln auch die Wettquoten britischer Buchmacher wider, die mit rund 70% das Pro-EU-Lager deutlich vorne sehen. Auch wir gehen in unserem Hauptszenario davon aus, dass Großbritannien sich letztlich - hauptsächlich aus ökonomischen Gründen - für einen Verbleib aussprechen wird. Europa kann insofern nur auf den Pragmatismus der Briten hoffen. Wenn sie am 23. Juni für einen Austritt stimmten, schwächten sie ihr eigenes Land und die Union.

Aus Sicht der EU hätte ein Verbleib Großbritanniens grundsätzlich eine positive Signalwirkung, da sich ein traditionell eher EU-skeptisches Land letztlich doch zur Gemeinschaft bekennen würde. Zumindest eine ihrer Baustellen hätte die EU damit geschlossen.

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