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Mensch gegen Maschine Trading-Bilanz nach dem Brexit: Im Handelskrieg triumphieren Algorithmen über Herzen

29.06.2016, 16:36  |  2169   |   |   

Nicht mit dem Herz, sondern mit Logik sollst du wetten. Diese Lehre dürfte so manch ein Investor aus dem Brexit-Desaster gezogen haben. Denn während einige Hedgefonds aus Überzeugung auf den EU-Verbleib setzten und damit Verluste einfuhren, gewannen jene, die sich auf ihre Computer verließen.

Im März dieses Jahres unterlag der weltbeste Go-Spieler, Lee Sedol, in einem vielseitig beachteten Duell der "AlphaGo-Maschine", ein Algorithmus aus dem Hause Google. Das Spiel gilt als Komplexestes überhaupt, es gibt weitaus mehr Varianten, als beim Schach. Der Versuch hat gezeigt: Am Ende gewinnt immer die künstliche Intelligenz. 

So und nicht anders verhielt es sich auch im jüngsten Handelskrieg nach dem Wahlausgang zum Brexit. Wie es aussieht, sind hier viele Investoren kurz vor dem Referendum eher ihrem Herzen gefolgt und haben auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU gesetzt.

Abgesehen davon, dass viele einflussreiche Politiker und Investoren diesen Ausgang zusätzlich im Vorfeld beschwörten, hat man den Briten diesen Ausgang des EU-Refrendums offenbar schlichtweg nicht zugetraut. Zu viel wurde gewarnt, zu viel über die desaströsen Folgen einer Abspaltung berichtet, als dass die Hedgefonds ernsthaft noch von einem tatsächlichen Brexit ausgehen konnten. Auch wenn sich das manche von ihnen im Zuge des Traums von weniger Regulierung ihrer Geschäfte herbeigesehnt hatten.

"Future Bias" - Fehlprognosen implantiert

"Future Bias" wird solch ein irrationales Denken in der Verhaltensökonomik genannt. Dieses psychologische Phänomen hebelt die neoklassische Annahme eines vollkommen rationalen Menschen - eines Homo Oeconomicus - mal eben aus. Daniel Kahnemann, Psychologe und Entdecker dieses Bias', hat damit gezeigt, dass Entscheidungen in Risikosituationen doch nicht immer ganz sachlich getroffen werden. Das brachte ihm im Jahr 2002 den Wirtschafts-Nobelpreis ein.

Den Investoren brachte ihr menschentypisches Entscheidungsverhalten nach dem Brexit nur einen bitteren Verlust. Um mehr als 2,1 Prozent ging der Chicagoer Hedge Fund Research Index (HFRX) am Freitag nach der Wahl zurück. Natürlich gab es auch Gewinner. Und zwar jene, die nicht auf ihr Bauchgefühl, sondern vielmehr auf den besten Investor der Welt setzten: Einen Algorithmus.

CTA - Mit Algorithmen auf der Siegerspur?

Commodity Trading Advisors oder auch CTAs nennen sich diese hübschen kleinen Trading-Programme. Unbeeindruckt von all dem Terz, der in wirtschaftlichen oder politischen Krisen vor sich geht, arbeiten sie stillschweigend und pausenlos vor sich hin und platzieren Wetten nur aufgrund der jeweiligen Datenlage. Unsichere Wahlprognosen spielen hier nicht mit rein. Nach Angaben der Consulting-Agentur Agecroft Partners machen sich insgesamt 15 Prozent aller Hedgefonds diese Technik zunutze. 

Der Großteil von ihnen nahm im Vorfeld des Rerendums eine eher defensive Position ein. Anstatt auf Öl oder Schwellenmärkte zu setzen, flüchteten sich die meisten in sichere Häfen, wie Gold oder hochwertige Staatsanleihen. Nach dem Absturz des Pfunds zahlte sich diese Strategie aus. Zu den großen Gewinnern zählen AQR Capital Management, Fort Investment und Welton Investment Partners. 

Auch Altergis Funds sahnten dank der CTAs ab, auf vier Prozent belief sich der Gewinn allein am Freitag. "Anders als ein Mensch werden unsere Modelle nicht von Empfindungen beeinflusst", erklärte Portfolio-Strategin Lara Magnusen dem "Wall Street Journal". Ihre Firma hatte auf Gold und den Yen gesetzt.  

Mehr Glück als Verstand?

Anders dagegen der Hedgefonds von Steven A. Cohen. Laut Insiderinformationen habe man sich bei SAC Capital Advisors gänzlich von den Brexit-Wetten ferngehalten. Zu unsicher wäre das Spiel in Hinblick auf die letzten Prognosen, die quasi einen Gleichstand anzeigten, gewesen.

Investmentberater und Harvard-Historiker Niall Ferguson dürfte ebenso davon abgeraten haben. Mehr als eine halbe Million US-Dollar sind den Hedgefonds seine Ratschläge hinsichtlich ihrer Wettstrategien wert. Auch vor dem Brexit sollen sich viele an den Experten gewandt haben, der noch Anfang Juni zu 65 Prozent gegen den Brexit tippte. Am 14 Juni setzte er die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs schon auf 55 Prozent herab. Kurz vor dem Votum lautete es dann: 50/50. 

"Fast niemand lag bei dieser Wahl richtig", sagte Ferguson dem "Wall Street Journal" am Dienstag. "Jeder, der hier einen Treffer gelandet hat, hatte mehr Glück als Ahnung." 

Was sie am Ende alle nicht hatten, war absolute Logik. Denn diese ist eben doch nur Maschinen oder Vulkaniern vorbehalten. Ist vielleicht auch gut so.



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