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Marktkommentar: Dr. Ernst Konrad (Eyb & Wallwitz): Hochzins-Anleihen: Die Teufel unter den Engeln meiden
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Marktkommentar Dr. Ernst Konrad (Eyb & Wallwitz): Hochzins-Anleihen: "Die Teufel unter den Engeln meiden"

Nachrichtenquelle: Asset Standard
08.07.2016, 11:08  |  586   |   |   

Datentransparenz, geringe Ausfallquoten und ein Risikoaufschlag von 400 Basispunkten - Fallen-Angel-Anleihen lassen Investoren aufhorchen. Ernst Konrad von der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement, kennt das spezielle Anleihesegment. Seit drei Jahren managt er den Phaidros Funds Fallen Angels.

Am Anfang meiner Karriere, 1994, offenbarte mir ein erfahrener Rentenmanager eine einfache Handelsregel: Wenn die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen über sieben Prozent steht, dann kaufen wir, wenn sie darunter liegt, verkaufen wir. Dieser Rat nützt mir heute nicht mehr viel. Im Juni ist die zehnjährige Bund-Rendite erstmals in den negativen Bereich gerutscht. Investoren müssen auch künftig mit niedrigen Renditen am Anleihemarkt leben. Und auch vor zwischenzeitlichen Kursverlusten sind sie nicht gefeit. Ein Renditeanstieg bei zehnjährigen Bundesanleihen von 10 Basispunkten würde einem Kursverlust von 70 bis 80 Basispunkten entsprechen. Das ist ein hoher Wert in Zeiten, in denen es praktisch keinen Zins gibt, der solche Verluste abfedern könnte.

Anleihe-Investoren bevorzugen Kreditrisiken

Da risikolose Anlagen schon länger keinen Zins mehr zahlen, müssen Anleiheinvestoren für eine auskömmliche Rendite mehr Risiken in Kauf nehmen. Grundsätzlich haben sie drei Möglichkeiten: Sie können Durationsrisiken, Währungsrisiken über den Kauf von Fremdwährungsanleihen oder Kreditrisiken eingehen. Wir halten Kreditrisiken für die attraktivste Variante von allen, und in diesem Bereich stechen insbesondere die Fallen Angels positiv hervor.

Fallen Angels sind Anleihen, die bei Emission eine Investmentgrade-Bewertung hatten und diese während der Laufzeit verloren haben. Gefallene Engel werden häufig zumindest vorübergehend abgestraft und weisen eine entsprechend attraktive Rendite auf. Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Rating zahlen aktuell kaum noch einen Risikoaufschlag. Selbst im untersten Investmentgrade-Segment, dem BBB-Sektor, liegt dieser bei Euro-Anleihen bei nur 160 Basispunkten. Die Anleihen im Bank of America Merrill Lynch Euro Fallen Angel High Bonds Index hingegen, die mehrheitlich ein Bonitäts-Rating von BB aufweisen, haben einen durchschnittlichen Aufschlag von aktuell 400 Basispunkten. Dieser ist nicht viel niedriger als der durchschnittliche Spread für Euro-High-Yield-Anleihen insgesamt, der bei etwa 450 Basispunkten liegt.

"Fallen Angel" - Fachbegriff aber kein Qualitätsmerkmal

Die leicht schwächere Rendite wird durch die Vorteile der Fallen Angels mehr als kompensiert. Die Ausfallquote ist gering. Es handelt sich häufig um größere Unternehmen, die regelmäßig Finanzdaten veröffentlichen. Zudem weisen viele Fallen Angels eine längere Historie auf und man kann sehen, wie sie in der Vergangenheit Krisen gemeistert haben. "Fallen Angel" ist allerdings nur ein Fachbegriff und kein Qualitätsmerkmal. Ein aktives Management in diesem Anleihesegment ist sehr wichtig. Denn unter den Engeln sind auch Teufel. Und die gilt es zu meiden. Ein gutes Beispiel ist Portugal Telecom. Das Unternehmen wurde 2012 in den Non-Investmentgrade-Bereich herabgestuft. Jetzt hat die brasilianische Muttergesellschaft Oi Insolvenz gemeldet. Wir haben die Schieflage erkannt und die Anleihe im Vorfeld verkauft.

Im Phaidros Funds Fallen Angels setzen wir seit drei Jahren eine aktive Portfoliostrategie in diesem Anleihe-Segment um. Unseres Wissens ist dies nach wie vor der einzige aktiv gemanagte Fonds in Deutschland, der ausschließlich auf dieses Anleihesegment setzt. Sein Anlageuniversum orientiert sich an den rund 150 Anleihen des Bank of America Merrill Lynch Euro Fallen Angel High Yield Bonds Index, die ein Emissionsvolumen von etwa 100 Milliarden Euro aufweisen. Das mit Abstand wichtigste Auswahlkriterium ist die Überlebens- und Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Zudem schauen wir auf verschiedene Kennzahlen wie die Gewinnentwicklung, die Liquiditätssituation, aber auch darauf, wie das Unternehmen bislang mit Krisen umgegangen ist.

Derzeit sind wir in etwa 50 Titeln investiert. Wenn wir von einem Titel nicht überzeugt sind, kaufen wir auch nicht. Auf die letzten drei Jahre gesehen haben wir eine Rendite von vier Prozent jährlich nach Kosten erwirtschaftet - bei einer Volatilität von 2,7 Prozent.

Im Rohstoffsektor finden sich günstig gepreiste Anleihen

Aktuell ist aufgrund der Situation an den Rohstoffmärkten der Basisgrundstoff-Sektor besonders stark im Fallen-Angel-Index vertreten, was sich auch im Portfolio unseres Fallen Angels Fonds widerspiegelt. Mit Anglo American wurde einer der größten Bergbaukonzerne der Welt vor einigen Monaten aus dem Investmentgrade-Bereich herabgestuft. Dem Unternehmen fehlt grundsätzlich nichts, es ist gut geführt und schon sehr lange am Markt. Solche Anleihen finden wir attraktiv, vor allem wenn die Rendite stimmt. Interessante Titel im Fallen-Angel-Segment sind auch der brasilianische Bergbaukonzern Vale, das Stahlunternehmen Arcelor Mittal, Telecom Italia oder aus Deutschland Thyssen Krupp und Lufthansa. Vorsichtig hingegen sind wir bei Nachranganleihen kleinerer südeuropäischer Banken, die neben dem klassischen Geschäftsrisiko ein erhebliches regulatorisches Risiko aufweisen.

Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement und Fondsmanager der Phaidros Funds

Dieser Beitrag erschien zuerst an Das Investment, 7.7.2016

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