DAX+0,33 % EUR/USD+0,02 % Gold+0,46 % Öl (Brent)+1,29 %

Spanien bald Finanzplatz Europas? EU-Länder buhlen um die Gunst von Banken und Institutionen - gute Chancen für Madrid

13.07.2016, 11:48  |  2076   |   |   

Schon vor dem Brexit-Referendum haben sich einige europäische Städte in Position gebracht, um zum neuen Finanzplatz der EU aufzusteigen. Neben Frankfurt, Dublin und Paris tritt nun auch Madrid ins Feld. Die Chancen der spanischen Hauptstadt stehen gar nicht so schlecht.

Bereits im April berichtete wallstreet:online über den politischen Balztanz rund um die Großbanken, die man nach dem Brexit nur allzu gern bei sich aufnehmen würde. Frankfurt und Dublin waren schon damals eifrig dabei, für ihren Standort zu werben, bringt doch die Möglichkeit solche Institute bei sich zu beherbergen enormes Potential mit sich. Nicht nur, dass das städtische Image mit dem Stempel des "europäischen Finanzplatzes" auf Maximalglanz aufpoliert würde. Nein, es geht auch schlichtweg um die Aussicht auf neue Arbeitsplätze. 

Diese werden in London aktuell einer schmerzhaften Prüfung unterzogen, einige Bankhäuser, wie die Lloyds Banking Group, befinden sich bereits mitten im Stellenabbau. Auch bei Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley wird offen über den Abzug tausender Mitarbeiter nachgedacht.

Kampf um die Behörden

Neben den Großbanken müssen sich auch die Regulierungsbehörden der EU nach einem neuen Sitz umschauen, sollte Großbritannien demnächst austreten. Auf diese Institutionen ist man im Rest Europas mindestens genauso scharf, wie auf die Banken.

Vor allem Spanien wünscht sich endlich mal ein größeres Stück vom Behördenkuchen. Bislang sind dort lediglich fünf solcher Gremien angesiedelt, sie alle sind jedoch von eher geringerer Bedeutung. Zu nennen sind hierbei die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz oder die Europäische Fischereiaufsichtsagentur. 

Deswegen hat es Soraya Sáenz de Santamaria nun auf mindestens eine der zwei wichtigsten Behörden abgesehen, die ihren Sitz derzeit noch in London haben. Nach Informationen der "Financial Times" möchte die spanische Vizepräsidentin entweder die Europäische Bankenaufsichtsbehörde oder die Europäische Arzneimittelbehörde für ihr Land gewinnen. Zu diesem Zweck hat sie kürzlich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.

"Beide Institutionen sind für uns von großem Interesse und wir werden an der Möglichkeit arbeiten, dass sich mindestens eine davon auf spanischem Territorium ansiedelt", erklärte sie diesbezüglich.

Billige Mieten und freie Flächen

Dass Spanien mit seiner Hauptstadt Madrid von Banken und Behörden durchaus in Erwägung gezogen werden kann, haben Analysten von JP Morgan jüngst im "Business Insider" bestätigt. Zur Auslotung der potentiellen neuen Standorte haben die Experten Mietkosten und die Verfügbarkeit freier Büroflächen in den infrage kommenden europäischen Städten gegenübergestellt. Hinsichtlich beider Kriterien könne Madrid am meisten punkten.

"Was die Verfügbarkeit sowie das zukünftige Angebot angeht, liegt Madrid auf Platz Eins, gefolgt von Frankfurt und Paris", so der Analyst Kian Abhouhossein. Mit monatlich 27 Euro pro Quadratmeter sei die Stadt auch hinsichtlich des Mietniveaus am günstigsten. Es folgen wieder Frankfurt (40 €/qm) und Paris (67 €/qm). 

Das Netz liegt in Deutschland

Nach Ansicht mehrerer EU-Parlamentsabgeordneter sei es dennoch am sinnvollsten, die Europäische Bankenaufsichtsbehörde zusammen mit der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde nach Frankfurt am Main zu verlegen.

Neben der geografischen Nähe zur EZB ließen sich die zwei Institutionen mit der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung zu einer allumfassenden EU-Regulierungsbehörde zusammenschließen. In diesem Fall dürften wohl die meisten Großbanken nachfolgen.

Darüber, dass Frankfurt so oder so ein großes Stück vom Kuchen abbekommen wird, sind sich die deutschen Immobilienexperten schon jetzt einig. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen" sehen 72 Prozent den Frankfurter Finanzplatz als Hauptgewinner. 86 Prozent erwarten deshalb aber auch steigende Kauf- und Mietpreise für Wohnungen und Häuser. 

 



Verpassen Sie keine Nachrichten von Redaktion w:o
Abonnieren Sie jetzt Ihren Lieblingsautor
Ich habe die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung gelesen und stimmt diesen zu.
Autor abonnieren
Wir respektieren Ihre Privatsphäre, es werden keine Daten an Dritte weitergegeben!
Verpassen Sie nichts mehr aus der wallstreet:online Redaktion!
Newsletter kostenlos abonnieren

Schreibe Deinen Kommentar

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel