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Marktkommentar: Igor de Maack (DNCA): Wöchentlicher Kommentar zu den Märkten (01. Juli 2016)
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Marktkommentar Igor de Maack (DNCA): Wöchentlicher Kommentar zu den Märkten (01. Juli 2016)

Nachrichtenquelle: Asset Standard
13.07.2016, 12:01  |  445   |   |   

Eine Woche ist seit dem erschreckenden Ergebnis der Befragung eines eigentlich als durch und durch demokratisch und weltoffen geltenden Volkes verstrichen. Die ersten Stellungnahmen und Analysen haben weder sachlich zur Debatte beigetragen noch eine weiterführende Lösung bezüglich der Folgen eines Verfahrens nach Artikel 50 des Lissabon-Vertrags über den Austritt aus der Europäischen Union aufgezeigt, wie es im September zur Anwendung kommen dürfte. Zum einen macht sich in Großbritannien, das der vom Volk versetzte Kinnhaken völlig unvorbereitet aus dem Schlaf gerissen hat, Katerstimmung breit, und keine der bedeutenden politischen Parteien möchte letztlich die Verantwortung für das Votum oder die künftigen Verhandlungen übernehmen. Zum anderen stellen die Briten nun verblüfft die sofort demonstrierte Härte Ihrer EU-Partner fest, obwohl diese nur mit Mühe zu dieser gemeinsamem Position gelangt waren, die wohl als erste Drohgebärde vor künftigen Gesprächen zu verstehen ist. Wie der spartanische Alexis Tsipras am eigenen Leib erfahren musste, ist es schwierig, mit jemandem zu verhandeln, den man zuvor beleidigt hat (hier: die Europäische Union).

Deutlich verstimmt dürfte die politische Führung des Kontinents denn auch mit den Briten umgehen, die aufgefordert werden, den gemeinsamen Kreis auf unbestimmte Zeit zu verlassen, um die Entscheidung ihres Volkes zu respektieren. Um die Vorteile des Binnenmarkts zu bewahren, sollte der Zugang zu diesem möglichst schwierig und teuer sein - welchen Zweck hätte sonst diese Union? Die Finanzmärkte haben sich somit nach ihrer Panik am vergangenen Freitag und Montag dazu entschlossen, auf ein Ende der Ungewissheit zu setzen - entweder, weil ein Zurückrudern der englischen Eliten angesichts der allzu schwerwiegenden Folgen eines EU-Ausstiegs unvermeidlich scheint, oder weil die EU mit aller Härte verhandeln und damit einen schnellen und endgültigen Austritt ohne jedes Entgegenkommen bewirken wird. In beiden Fällen könnten die Anleger letztlich wieder nach vorn blicken; als einzige offene Frage verbliebe die volkswirtschaftliche Lage im Fall eines endgültigen Austritts, da Großbritannien damit in eine schwierigere Phase, wenn nicht gar in eine Rezession geraten würde. Dies würde zwangsläufig auch das Wachstum im Euroraum in Mitleidenschaft ziehen. Welchen Ausgang das Brexit-Spiel letzten Endes nehmen wird, kann niemand vorhersagen; er steht längst nicht so eindeutig fest, wie es das Abstimmungsergebnis nahelegt.

Die (Makro- und Mikro-) Ökonomie wird wieder die Oberhand gewinnen, und alle Anleger werden die Kennzahlen studieren, um etwaige Veränderungen in den Verhaltenstrends der Wirtschaftsakteure ausmachen zu können. Wie Firmenchefs werden unsere Managementteams eine Bestandsaufnahme der Chancen und Risiken vornehmen.

Seltsamerweise könnte es selbst heute noch geboten sein, im Euroraum anzulegen, da auch überall sonst (ob Dollar-, Renminbi-, Yen- oder Pfund-Raum) ebenso komplexe und mitunter prekäre Gleichgewichte herrschen ... außer im Euroraum, wo die lange Serie institutioneller Krisen letztlich sogar die Länder zusammengeschweißt und den Fortbestand einer Währungsunion ermöglicht hat, die bislang gerne als "reines Experiment" belächelt wurde. Anlass zum Triumphieren gibt es jedoch keinesfalls, da die Finanzmärkte volatil und anfällig für Erschütterungen bleiben werden, die das politische Misstrauen gebiert. Maßgeblich für den langfristigen Trend werden all dem zum Trotz jedoch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten sein.

Igor de Maack, Fondsmanager und Sprecher Portfoliomanagement, am 1. Juli 2016

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