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Mythos „Hedgefonds“

15.07.2016, 11:29  |  950   |   |   

Schätzen Anleger die Nettorendite von Hedgefonds richtig ein? Eine Analyse.

Welche Nettorendite erwarten Anleger von Hedgefonds? Dies beantworteten mehr als 400 institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen in einer aktuellen Umfrage wie folgt. 

Die Investoren erwarten von den Managern eine jährliche Wertentwicklung von 9 bis 17%! Damit hängt die Latte definitiv hoch – insbesondere in Zeiten niedriger Zinsen und schwacher Aktienmarktrenditen. Doch worauf begründet sich diese Erwartung? Können Hedgefondsmanager mit ihren flexibleren, zum Teil hoch-konzentrierten oder illiquideren Anlagestrategien wahre Wunder erbringen?

In der Vergangenheit erzielten Hedgefonds mit außergewöhnlicher Wertentwicklung hohe Aufmerksamkeit. So wurde z.B. John Paulson dadurch berühmt, dass er als einer der wenigen die Finanzkrise kommen sah und Milliarden verdiente, in dem er gegen den US-Immobilienmarkt gewettet hat. Doch bei mehr als 10.000 Hedgefonds stehen den Gewinnern auch statistisch Verlierer gegenüber. 

So mag überraschen, dass die Anlagegruppe „Hedgefonds“ in den vergangenen 12 Monaten durchschnittlich 3,2% an Wert verlor. Über 3 und 5 Jahre sieht die Bilanz etwas positiv aus. Mit einer jährlichen Wertentwicklung von 3 bis 4% liegt aber der langfristige Wertzuwachs nur BEI EINEM DRITTEL der Erwartungen von Anlegern.
Dabei stellen viele Hedgefonds-Datenbanken die Wertentwicklung viel positiver dar als sie in Wirklichkeit ist. Ein Grund dafür ist, dass Hedgefonds in illiquiden Märkten agieren und anstelle von Marktpreisen oftmals auf Modellparameter oder zuletzt gehandelte Preise zurückgreifen. 

Zusätzlich ergibt sich noch eine Reihe an Datenverzerrungen (z.B. Survivorship- und Backfill-Bias). So fallen Hedgefonds, die aufgrund ihrer schlechten Wertentwicklung geschlossen werden, aus den jeweiligen Datenbanken heraus. Am Ende bleiben nur die Renditen der „überlebenden“ Produkte übrig. Im Schnitt wird die Wertentwicklung der Hedgefonds in den Datenbanken um 1 - 1,5 Prozent besser ausgewiesen aus als sie in Realität ist. 

Zudem kann ein Investor nicht davon ausgehen, dass er in jedem Fall die Renditen erzielen kann, die in den Datenbanken angegeben werden. Denn möchte der Anleger sein Geld aus einem Hedgefonds abziehen, muss er oftmals entweder eine Gebühr (Redemption Fee) bezahlen, oder er darf für einen gewissen Zeitraum seine Mittel überhaupt nicht abziehen (Lock up-Periode).

So mag es aussehen, dass die investierbaren Produkte nicht die Wertentwicklung des Hedgefonds-Index abbilden können. Zwar ist das Maß für die Abbildungsqualität (Tracking Error) mit 1,3 bzw. 2,4% unauffällig. Dennoch weitet sich die Wertentwicklung von investierbaren Produkten und theoretischem Index von Monat zu Monat immer stärker aus. So beträgt die Performance-Differenz zweier repräsentativer Indexfonds zum HFRX-Index -20% über 5 Jahre.

FAZIT: 

1. Anleger schätzen das Renditepotenzial von Hedgefonds mit 9 bis 17% viel zu optimistisch ein. 

2. Die jährliche Wertentwicklung von Hedgefonds liegt jedoch bei 3 bis 4%.

3. Diese Wertentwicklung können viele investierbare Produkte nicht abbilden.

In Kooperation mit Mars Asset Management.  



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Teresa Laukötter hat den M. Sc. in Volkswirtschaft der Universität Maastricht. Als Redakteurin und Content-Managerin bei €uro Advisor Services GmbH ist sie zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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