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Marktkommentar: J.P. Morgan Asset Management: Die Märkte sollten es sich nicht zu einfach machen
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Marktkommentar J.P. Morgan Asset Management: "Die Märkte sollten es sich nicht zu einfach machen"

Nachrichtenquelle: Asset Standard
20.07.2016, 09:40  |  650   |   |   

- Die EU nach dem Brexit: Politische Risiken bleiben

- Die US-Wirtschaft befindet sich nun am Anfang des Spätzyklus

- "Guide to the Markets" für das 3. Quartal 2016 beleuchtet das aktuelle Marktgeschehen

Frankfurt, 19. Juli 2016 - Nachdem das Referendum zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union zunächst ein erhebliches Maß an Verunsicherung in die Märkte gebracht hatte, scheint drei Wochen nach dem britischen Referendum wieder Normalität eingekehrt zu sein. Einige Indizes, wie beispielsweise der S&P 500, verzeichnen gar neue Höchststände. Bei Betrachtung der Volatilitätsindizes zeigt sich entsprechend auch, dass die Aktienmärkte den Brexit eher als regionalen Event einordnen. Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, betont jedoch, dass die Märkte es sich "nicht zu bequem machen" sollten.

Das mögliche Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union eröffne nun eine Phase intensiver Verhandlungen zwischen beiden Seiten: "Die aktuelle Unsicherheit wird sich sicherlich negativ auf das Wirtschaftswachstum in Europa auswirken, wobei wir hierin keine fundamentale Bedrohung für die Erholung der Eurozone sehen." Die umfassenderen politischen Auswirkungen des "Leave-Votums" der Briten seien hingegen schwieriger vorherzusagen: "Europa benötigt weitere Reformen, um ein schnelleres und vor allem integrativeres Wachstum zu fördern. Sollte der Brexit den Aufstieg euro-skeptischer Parteien beschleunigen, dürfte es schwieriger werden, diese Reformen durchzusetzen", erläutert der Stratege. "Was auch immer geschieht - wir müssen uns angesichts der politischen Unsicherheit in den kommenden zwölf Monaten europaweit auf erhöhte Volatilität an den Finanzmärkten gefasst machen", so Galler.

Brexit ist nicht genug, um die Erholung in Europa zu stoppen

Laut dem Experten spricht aber nach wie vor einiges für Investments innerhalb Europas: "Das Wachstum wird sowohl durch den privaten Konsum als auch durch Staatsausgaben gestützt. Und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist nach wie vor außerordentlich locker. Es gibt also nach wie vor gute Argumente für europäische Aktien, zumal sich die makroökonomischen Fundamentaldaten aktuell relativ robust darstellen. Und nachdem Zinserhöhungen zunächst einmal vom Tisch sind, sollten europäische Investment-Grade-Anleihen weiter vom laufenden Kaufprogramm der EZB profitieren. Anleger könnten sich auch dem europäischen Hochzinsmarkt zuwenden, wo sich eine attraktive Kombination aus Ertragschancen und sich verbessernden Fundamentaldaten finden lässt", fasst Galler die aktuellen Chancen für Anleger auf der Suche nach Ertrag zusammen.

Aus den USA ist die Luft noch nicht raus

Panik vor einer US-Rezession, wie sie zu Jahresbeginn aufloderte, ist laut Galler derzeit nicht angebracht. "Die langjährige Erholung des Arbeitsmarkts hat die Arbeitslosenquote unter die 5-Prozent-Marke gesenkt. Auf diesem Niveau befinden wir uns schon nahe den Tiefständen vergangener Konjunkturzyklen. Dies legt nahe, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession mittelfristig steigt. Kurzfristig erscheint ein Konjunktureinbruch jedoch eher unwahrscheinlich." Man sollte sich jedoch auf niedrigere Rendite¬beiträge durch US-Aktien gefasst machen, da der Zyklus eine fortgeschrittene Phase erreicht hat und die Margen der Unternehmen durch langsam steigende Löhne unter Druck geraten. "Wenn die Umsätze steigen, können die Erträge durchaus weiter wachsen - bei der aktuell niedrigen Produktivität der US-Wirtschaft ist dabei ein allzu hohes Tempo nicht zu erwarten." Mit Dividendentiteln und Substanz¬werten lässt sich davon profitieren, während berauschende Kapitalgewinne im S&P 500 laut dem Strategen eher unwahrscheinlich sind.

Die Erholung an den Rohstoffmärkten unterstützt Schwellenländer

Die sinkenden Rohstoffpreise der letzten Jahre wurden bislang stets als symptomatisch für die allgemeinere wirtschaftliche Schwäche und den unsicheren Ausblick für Wachstum und Nachfrage in China gewertet. Der Bloomberg Commodity Index, der einen breiten Korb von Rohstoffen abbildet, hat gegenüber seinem im Februar 2008 erreichten Höchststand 62 Prozent eingebüßt. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass sich dieser Baissemarkt seinem Ende nähern könnte. Seit Beginn des Jahres haben die Preise bereits um 14 Prozent zugelegt. "Eine dramatische Erholung der Rohstoffpreise ist derzeit jedoch kaum zu erwarten. Aber wenn der Markt inzwischen das Schlimmste hinter sich gelassen hat, würde dies Rohstofferzeuger und Schwellenländer durchaus positiv beeinflussen", erläutert Galler. Da einzelne Segmente des Rohstoffmarkts schneller wieder Fuß fassen als andere, sind dabei durchaus gegenläufige Preisentwicklungen zu erwarten.

Höhere Rohstoffpreise bringen zudem auch eine höhere Inflation mit sich: Für viele Anleger könnte ein steigender Preisdruck nach so vielen Jahren der Disinflation eine Überraschung sein. Von Zentralbanken sind zunächst kaum Reaktionen zu erwarten, selbst wenn die Inflationsziele kurzfristig überschritten werden.

Die Bewertungen von Schwellenländer-Aktien anhand des Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) bewegen sich seit geraumer Zeit in der Nähe ihrer historischen Tiefststände. "Wenn das KBV in der Vergangenheit auf dieses Niveau gesunken ist, ließen sich in den darauffolgenden zwölf Monaten häufig positive Renditen erzielen", unterstreicht Galler. "Die Aussicht, dass sich die Baisse am Rohstoffmarkt ihrem Ende nähern könnte, hat in Kombination mit diesen niedrigen Bewertungen und den starken Abwertungen vieler Schwellenländerwährungen dazu geführt, dass Investments der Emerging Markets in den letzten Monaten deutlich attraktiver geworden sind."

Strategien für das andauernde Niedrigzinsumfeld

Tilmann Galler erläutert abschließend, dass durch die strukturelle Abschwächung des Wachstumspotenzials, gepaart mit den Nachwehen der globalen Finanzkrise, die Wachstumsraten unter Druck geraten sind und diese die langfristigen Renditen mit in die Tiefe gezogen haben. Gleichzeitig haben zahlreiche Zentralbanken ihre Leitzinsen ins Minus gedrückt. "Die Zentralbanken wollen mit ihrer Niedrigzinspolitik die konjunkturelle Erholung ankurbeln und sicherstellen, dass die Inflationserwartungen steigen. Dies hat aktuell zu flachen, teils sogar negativen Zinsstrukturkurven geführt, was eine Investition in die klassischen ,sicheren Anlagehäfen' zu einer äußerst herausfordernden Angelegenheit macht." Er führt aus, dass in diesem Umfeld ein globales und flexibles Investment ohne Beschränkung der Anlageklassen sinnvoll ist, das es ermöglicht, das Portfolio zu stabilisieren und weiterhin attraktive Erträge zu erzielen. So lohne ein Blick über den Tellerrand auf die Investments, die üblicherweise bei konservativen Anlegern nicht besonders stark im Fokus stehen, wie beispielsweise Unternehmensanleihen - vorzugsweise aus dem Hochzinsbereich - oder Dividendenaktien, die derzeit attraktive Bewertungen aufweisen und vor allem weiterhin Ertragsmöglichkeiten bieten.

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