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Doch alles richtig gemacht? Trotz aller Probleme: Für Großbritannien hat der Brexit einen entscheidenden Vorteil

26.07.2016, 17:54  |  4561   |   |   

Eine Kette ist immer nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Vor diesem Hintergrund kann der Brexit für britische Kreditinstitute tatsächlich auch als Glücksfall gewertet werden. Denn damit wären sie endlich von den maroden Zombie-Banken aus dem Süden losgelöst. 

Der europäische Binnenmarkt. Er ist das zentrale Argument, wenn es in der Wirtschaft um den EU-Verbleib geht, die Lebensader für sämtliche im Staatenverbund agierenden Banken und Konzerne. Doch der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen kann zu mancher Stunde auch Fluch und Segen zugleich sein. Nämlich dann, wenn die meist im Süden auftretenden Probleme langsam aber sicher auf den Norden überschwappen.

Für den "Visual Capitalist" ergibt sich aus der Abkopplung Großbritanniens von der EU daher ein unscheinbarer und doch ernstzunehmender Marktvorteil. Ungeachtet der zum Teil befürchteten, zum Teil sogar schon eingetretenen negativen Folgen, wie dem Pfund-Crash oder des Wachstumsrückgangs, müssen sich die Briten dann wenigstens nicht mehr mit dem "wirtschaftlichen Chaos" herumärgern, das in Teilen Europas noch immer Bestand habe. 

Das größte Sorgenkind von allen ist dieser Tage immernoch Italien. Vier Regionalbanken gingen Ende letzten Jahres pleite, zehntausende Kleinsparer verloren ihr Vermögen. Das Gesamtvolumen an faulen Krediten beläuft sich auf unglaubliche 360 Milliarden Euro. Am härtesten hat es die älteste Bank der Welt, die Banca Monte dei Paschi di Siena getroffen. Ende Juni wurde sie von der Europäischen Zentralbank dazu aufgefordert, bis 2018 insgesamt 9,6 Milliarden Euro ihrer faulen Kredite abzubauen.

Was folgte war ein Kursverfall auf 30 Cent je Aktie. Das 544 Jahre alte Institut steht damit kurz vor dem Bankrott, der nur noch mit staatlicher Hilfe abgewehrt werden kann. Ein heikles Thema seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Bei UniCredit sieht es nicht besser aus. Die größte italienische Bank ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und besitzt gerade mal ein Drittel des Wertes, den sie vor einem Jahr noch hatte. 

Dasselbe Bild zeichnet sich ebenfalls im portugiesischen Bankensektor. Hier lag der Anteil toxischer Kredite am gesamten Vergabevolumen im März 2016 mit 19,2 Prozent sogar noch über demjenigen Italiens. Ganz zu schweigen von den 46,6 Prozent, auf denen die griechischen Banken sitzen. Selbst in Deutschland ist schon lange nicht mehr alles Gold, was glänzt. Das bewies die Deutsche Bank in letzter Zeit mehrfach, indem sie sich mit dem einen Skandälchen hier und der andere Blamage dort ins Abseits des Börsenparketts manövrierte. 

Fragt sich also wirklich, was die britischen Banken mit diesem europäischen Gepäck anfangen sollen. Bei einem Kollaps würde der Dominoeffekt nicht einfach vor dem Ärmelkanal Halt machen. Daher sei es laut dem "Visual Capitalist" langfristig durchaus eine "weise Entscheidung, Abstand zu den taumelnden europäischen Banken zu halten."

Ob sich das vom Kontinent ausgehende Gefahrenpotential bestätigt, werden die Ergebnisse des neuesten Banken-Stresstests am Freitag zeigen. Hierbei ermittelt die Europäische Zentralbank, wie es um die Schockabsorptionsfähigkeit der einzelnen Institute bestimmt ist und ob die Eigenkapitalanforderungen erfüllt werden können. 



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Kommentare

Ob der Brexit gut oder schlecht ist, werden wir vermutlich erst in einigen Jahren feststellen. Noch gibt es nichtmal neue Verträge zwischen GB und der EU, geschweigeden ist es klar wie es mit Schottland weitergeht. Für mich ist alles ein wenig ungewiss! Betreff Bankenabwanderung, auch das sehe ich in dieser Form noch nicht als Fixum an. Dieser ganze Brexit und die folgen sind alle spekulativ und für Leute die auf Risikogeschäfte stehen sicher sehr interessant, aber mir persönlich ist der Ausgang zu ungewiss!
Schönes Märchen. Wovon sollen die Briten denn leben? Gibt es dort genügend Werke wie in Deutschland? Banken verschwinden alle nach Frankfurt.
Hierbei ermittelt die Europäische Zentralbank wie es um die Schockabsorptionsfähigkeit ....Es war einmal eine Zentralbank,die...weiter geht es wie in allen Märchen.Lediglich das Happy End fehlt,wie in nur wenigen!

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