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Dürfen die das? Der Monsanto-Übernahme durch Bayer steht eine rechtliche Hürde im Weg

03.08.2016, 15:46  |  2360   |   |   

Die Absichtsbekundungen von Bayer-Vorstand Werner Baumann über die Fusion mit Monsanto können noch so nachdrücklich sein - am Ende könnte das ganze Vorhaben aber an den Regularien des US-Kartellrechts scheitern. 

62 Milliarden, 64 Milliarden - egal. Hauptsache wir kriegen sie! Nachdem der Pharmariese Bayer sein Gebot für den Saatguthersteller Monsanto noch einmal erhöht hatte, unterstrich Vorstandschef Werner Baumann seinen unbedingten Willen, zum weltgrößten Agrochemie-Konzern aufsteigen zu wollen.

Man habe "die feste Absicht, diese Transaktion abzuschließen", sagte er der "ARD". Experten glauben, dass Bayer dafür noch ein Stück tiefer in die Tasche greifen muss, denn der umstrittene US-Biotechnologiekonzern gibt sich divenhaft. So billig sei er nicht zu haben. Für konstruktive Gespräche aber dennoch allzeit bereit

Das große Feilschen geht also weiter. Doch haben sich die zwei Weltherrscher in spe eigentlich schon mal mit den rechtlichen Fragen dieser Mega-Übernahme befasst?

Kein Problem, wenn nicht. Denn zwei ehemalige Anwälte des US-Justizministeriums haben ihnen diese Arbeit schon einmal im Voraus abgenommen. Ihr Ergebnis: Das ganze Projekt müsste nach den Bestimmungen des amerikanischen Kartellrechts eigentlich untersagt werden (Quelle: "WirtschaftsWoche")

In ihrer 32-seitigen Studie haben die Rechtsprofessoren Maurice Stucke und Allen Grunes detailliert erklärt, inwiefern ein Zusammenschluss der zwei Riesen zu einer massiven Einschränkung des Wettbewerbs führen würde. Sowohl Landwirte als auch Konsumenten wären die Hauptleidtragenden. 

Vor allem beim genveränderten Saatgut wäre der resultierende Marktanteil des Megakonzerns dermaßen hoch, dass es zu einer "inakzeptabel hohen Marktkonzentration" kommen würde. Für den Bereich der Unkrautvernichter gilt Selbiges. Hier sind Bayer und Monsanto schon jetzt Marktführer. Bei einer Fusion könnte kein Wettbewerber mehr mithalten. 

Neben dem Kartellrecht würden die Konzerne auch gegen eine gerichtliche Auflage aus dem Jahr 2008 verstoßen. Damals übernahm Monsanto den Baumwollsamen-Hersteller "Delta and Pine Land Company". Nachdem die Behörden kartellrechtliche Bedenken geäußert hatten, gab Monsanto nach und trennte sich von Teilen der Firma - die prompt von Bayer gekauft wurden. Der Anordnung zufolge dürfe Monsanto oder dessen Rechtsnachfolger diese Teile vor 2018 nicht zurückkaufen. 

Vor diesem Hintergrund dürfte Baumann wohl Recht behalten mit seiner Aussage, dass die Fusion eher ein Marathon denn ein Sprint wird. Wenn ihn die Imageprobleme Monsantos nicht abschrecken, dann werden es die rechtlichen Hürden womöglich genauso wenig. Am Ende, so der Vorstandschef, geht es ja darum "mit Monsanto den Hunger zu lindern." 

Wertpapier: Bayer, Monsanto

Themen: Bayer


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