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Nicht im "nationalen Interesse" Ex-Chef griechischer Statistikbehörde drohen zehn Jahre Haft für korrekte Rechnung

05.08.2016, 10:03  |  3917   |   |   

Was fällt ihm auch ein, einfach so eine ungefälschte Statistik aufzustellen. Weil er die Zahlen über das griechische Defizit korrigiert hatte, muss der ehemalige Chef der Statistikbehörde Elstat bald vor Gericht. Er habe den "nationalen Interessen geschadet."

Ach ja, die Hellenen. Sie sind schon ein Volk für sich. Lebenslustig, gastfreundlich und ungemein stolz. Letzteres spiegelt sich unter anderem in deren anhaltenden Unglauben über die Schuldenstände im Laufe der letzten Krisenjahre wieder.

So schlecht, wie die offiziellen Zahlen verlauten lassen, habe man nämlich gar nicht dagestanden. Die Ausweisung der Statistiken sei nichts als eine vom IWF und der EU eingefädelte Intrige gewesen, um das Land in den Würgegriff der verhassten Austeritätspolitik zu nehmen. 

Für die Regierung liegen die entsprechenden Beweise laut einem Bericht der "Weltklar auf der Hand. Denn nachdem der ehemalige und langjährige IWF-Mitarbeiter Andreas Georgiou die Leitung der nationalen Statistikbehörde Elstat übernommen hatte, sprangen die Zahlen über die öffentliche Neuverschuldung plötzlich auf ein bisher unbekannt hohes Niveau. 15 Prozent solle das Minus plötzlich im Jahr 2009 betragen haben. Unerhört!

Solche Zahlen war man in Athen bislang nicht gewohnt, noch kurz zuvor betrug das Defizit des griechischen Haushaltes gerade mal sonnige 3,7 Prozent. Dass diese Angaben jedoch schon vor dem Amtsantritt Georgious auf Anweisung der Regierung und auf Druck der EU - sagen wir mal - korrigiert worden waren - geschenkt. Dass das erste Rettungspaket mit den harten Sparauflagen in der Folge eintrudelte, noch bevor Georgiou auch nur irgendwas mit der Statistikbehörde am Hut hatte - irrelevant. Dass die europäische Statistikbehörde Eurostat die neuen Daten im Nachgang auch noch bestätigte - sowieso Teil des Plans!

Letztlich, so der Oberste Gerichtshof, habe der Statistikchef mit der Berichtigung "den nationalen Interessen geschadet". Dafür drohen ihm nun bis zu 10 Jahren Haft. Ehrlich währt eben doch nicht immer am längsten. 

 



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