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Mario Draghi versetzt dem DAX einen Dolchstoß

12.09.2016, 09:19  |  403   |   |   

Eine herbe Ernüchterung trat für Aktienanleger zum Wochenende ein. Die Spirale aus Verkäufen spitzte sich nach der EZB-Entscheidung bzw. deren Nicht-Entscheidung für weitere expansive Ankaufprogramme zu und erreicht auch den amerikanischen Aktienmarkt. Im Gegensatz zur Vorwoche, als ich noch titelte „Euphorie in letzter Minute“ (zur Nachricht) und die Kurse zum Handelsende anzogen, beobachteten wir in dieser Woche das genaue Gegenteil. Doch der Reihe nach.

DAX im Wochenrückblick

Einen positiven Start und eine, bis zur EZB-Sitzung, positive Entwicklung war nicht zu übersehen. Auf diese Möglichkeit wies ich in der Vorwoche mit dem Zitat und Chart hin:

…ist ein Ausbruch über 10.700 erst vollzogen und macht den Weg bis 10.750 und dann 10.800 als bisheriges Jahreshoch frei

ch_am3_20160904

Tatsächlich eröffneten wir auch über 10.700 Punkten und schlichen uns quasi in Richtung Jahreshoch. Ohne viel Dynamik, jedoch bis Donnerstag mit täglich steigenden Hochs. Die historischen Kurse im DAX zeigen dies von Montag 10.740 auf Dienstag 10.742 zu Mittwoch 10.775 bis Donnerstag 10.780:

2016-09-11_tabelle

Dann war es endlich soweit – die lang erwartete EZB-Sitzung bzw. die darauffolgende Pressekonferenz von Mario Draghi. Seine Worte in Richtung weiterer Maßnahmen am Kapitalmarkt wurden heiß erwartet. Und kamen dann nicht so heiß wie erwartet am Markt an. Denn letztlich gab es keine neuen „Drogen“ für den Markt – es bleibt bei der aktuellen Politik und dem Zinssatz, jedoch ohne Ausweitung. Der sogenannte „Anti-Krisen-Kurs“ wird also nicht verschärft. Immerhin umfasst der aktuelle Kurs ein Investment von monatlich 80 Milliarden Euro! Das sollten wir nicht vergessen. Und ebenfalls nicht, auch das betonte Mario Draghi in seiner Rede, als Sparer selbst vorzusorgen.

Die Reaktion des Marktes war eindeutig – eindeutig ernüchternd. Starke Abgaben drückten den DAX aus der gezeigten Range nach unten heraus. Erst zum Handelsende am Donnerstag fand eine kleine Stabilisierung statt. Alles in Ordnung im Stundenchart, konnte man beim Blick darauf am Freitagmorgen noch meinen:

ch_am0_20160909

Aber am Nachmittag kam es eben nicht mehr zur gewohnten Hilfe von den amerikanischen Märkten, die sich in den letzten Wochen immer wieder erholten und damit die Tagesschwankung lange Zeit nicht mehr über ein Minus von einem Prozent zuließen. Im großen Chartbild des Stundenchart XETRA von diesem Jahr sieht die Lage noch verhalten optimistisch aus:

ch_am1_20160911

Dort notiert der XETRA-DAX über einem kleinen Aufwärtstrend, den ich hier noch einmal näher heranzoome:

ch_am2_20160911

Doch dies ist nur die halbe Wahrheit, denn das sprichwörtliches „Dämmebrechen“ gab es dann am Abend nach XETRA-Schluss. Schalten wir somit auf den 8-22 Uhr Chart und markieren den nachbörslichen Handel, wird die Dynamik und auch der Trend vom Freitag sehr gut sichtbar:

ch_am3_20160911

Was bedeutet dies für die kommende Handelswoche?

Nach aktueller Indikation sollte der DAX um 10.440 Punkten in die neue Handelswoche starten. Vermutlich werden dort zum XETRA-Start noch einige Bullen auf dem falschen Fuß erwischt und stellen Positionen via Stopp-Orders glatt. Die Unterstützungszone muss daher im Stundenchart bis 10.380 nach unten ausgedehnt werden. Hier trifft der Index auf einige Hochs aus den Monaten Juni und Juli und sollte sich erst einmal beruhigen. Dies trage ich im oben gezeigten und über jede Wochenanalyse fortgeführten Chartbild zur Orientierung ein:

ch_am4_20160911

Sehr positiv wäre ein Ausbruch aus dem Abwärtstrend im 5 Minutenchart über 10.500 Punkte. Extrem negativ dann natürlich jedes Durchsacken unter 10.380 Punkte.

Beim Blick über den Teich zum Dow Jones ist die 18.000er-Marke psychologisch wichtig. Dieser kamen wir nachbörslich bis auf 80 Punkte nahe. Vielleicht besinnen sich daher die Marktteilnehmer gleich am Montag auf den Nebensatz von Mario Draghi zur eigenen Vorsorge und kaufen fleißig ein?

Denken Sie darüber nach und starten Sie erfolgreich in die neue Handelswoche.

andreasmuellerEin Beitrag von Andreas Mueller

Andreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen u.a. auf wallstreet-online seit dem Jahr 2005 in den „Tages-Trading-Chancen“ ein und ist dort Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen. Auf dieboersenblogger.de analysiert er den DAX mit Hilfe der Charttechnik. Weitere Informationen erhalten Sie in seinem Facebook-Kanal und auf seinem Blog www.bernecker1977.de

Bildquelle: Andreas Mueller / dieboersenblogger.de

Wertpapier: DAX


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Christoph Scherbaum M.A. und Diplom-Betriebswirt Marc Schmidt sind die Gründer von dieboersenblogger.de. Der Social-Börsenblog wurde Ende 2008 im Zeichen der Finanzkrise von den zwei Finanzjournalisten gegründet und hat sich seither fest in der Börsenmedienlandschaft etabliert. Heute schreibt ein gutes Dutzend Autoren neben Christoph Scherbaum und Marc Schmidt über Aktien, Geldanlage und Finanzen. Weitere Informationen: www.dieboersenblogger.de.

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Eine herbe Ernüchterung trat für Aktienanleger zum Wochenende ein. Die Spirale aus Verkäufen spitzte sich nach der EZB-Entscheidung bzw. deren Nicht-Entscheidung für weitere expansive Ankaufprogramme zu und erreicht auch den amerikanischen Aktienmarkt. Im Gegensatz zur Vorwoche, als ich noch titelte "Euphorie in letzter Minute" und die Kurse zum Handelsende anzogen, beobachteten wir in dieser Woche das genaue Gegenteil. Doch der Reihe nach.

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