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Wenn die US-Notenbanker die Leitzinsen erhöhen, müssen sie auf die Couch

Gastautor: Robert Halver
14.09.2016, 10:00  |  1308   |   |   
Die internationalen Aktienmärkte zeigen sich trotz einer ganzen Palette politischer und fundamentaler Krisen robust. Und dabei haben wir doch einen skurrilen Diktator in Nordkorea, der die USA bis 2020 mit Atombomben treffen will. Die USA und China leisten sich einen geostrategischen Konflikt im Südpazifik und ohnehin schon seit langem mit Russland. In den USA sind viele der Meinung, bei der Präsidentschaftswahl nur zwischen Pest und Cholera auswählen zu können. Und die weltweit deflationären Konjunkturdaten sorgen auch nicht für Entzückung. Mittlerweile zeigt sich auch Amerika konjunkturell immer mehr als Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Krisenfrei ist auch Europa nicht. Es zeigt sich maximal sklerotisch. Der Brexit wird nicht nur viel geopolitisches Kapital, sondern die anderen EU-Länder - über den Ausfall eines großen Nettozahlers - auch viel Geld kosten. Und kabarettreife Polit-Einlagen sind auch zu bewundern. In Spanien wird vermutlich zum dritten Mal innerhalb eines Jahres ein neues Parlament gewählt. Und in Österreich ist ein mangelhafter Kleber auf Briefwahlumschlägen schuld an einer Verzögerung der Bundespräsidentenwahl. Auch Deutschland muss als politisch sonderbar gelten, wenn sich selbst zwei Schwarze nicht mehr grün sind.

Warum prallen Krisen an den Börsen ab wie Fliegen an der Windschutzscheibe?


Das alles sind fundamentale bzw. politische Gründe, die früher Aktien richtig in depressive Verzweiflung gebracht hätten. Und heute? Heute haben wir uns offenbar an politische, geostrategische und konjunkturelle Betriebsunfälle gewöhnt. Aufgrund ihrer Häufigkeit hat sich ihre Schockwirkung abgenutzt.   

Doch das wirkliche Breitbandantibiotikum gegen Aktienkrisen kommt von den medizinischen Abteilungen der internationalen Notenbanken. Insbesondere die Fed als bedeutendste aller Zentralbanken hat die Rolle des stets aufmunternd lächelnden Professors Brinkmann aus der Serie „Schwarzwaldklinik“.

Solange an der Zinsfront vor allem in den USA also nichts anbrennt, werden die politischen und fundamentalen Probleme zwar nicht gelöst, aber ihr Zerstörungspotenzial zumindest eingefangen wie der Geist in der Flasche. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass man ihn nicht mehr herauslassen darf. Ansonsten ist die Illusion der schönen neuen heilen Finanz-Welt dahin. Dann werden schlafende Krisen-Hunde geweckt. Um auf die Schwarzwaldklinik zurückzukommen: Fed-Chefin Janet Yellen darf nie die Rolle der rabiaten Oberschwester Hildegard spielen.

Mit Zinserhöhungsrhetorik sollten gerade Fed-Mitglieder nicht spielen

Einige weise Notenbanker haben begriffen, dass man vor dem real existierenden Fundamentalhintergrund das Zinserhöhungsspiel nicht betreiben sollte. Andere allerdings reden munter von der Notwendigkeit von Zinserhöhungen. Neben den Zinstauben sollten aber auch die Zinsfalken wissen, dass schon kleinste geldpolitische Schocks so aggressiv auf das nur mühsam wiedererreichte, empfindliche Gleichgewicht an den Finanzmärkten wirken wie Bienen auf den Honig klauenden Bären.

Mittlerweile verunsichert doch schon nur die Beibehaltung einer grundsätzlich üppigen Geldpolitik die Aktienmärkte. Dieses Phänomen konnte man gut im Anschluss der letzten Sitzung der EZB beobachten. Denn dort wurden keine weiteren geldpolitischen Stimulierungsmaßnahmen beschlossen.

Und jetzt stelle man sich vor, die US-Notenbank würde tatsächlich restriktiv. Die bislang in zinsgünstiger Liquidität fast ersäuften Aktienrisiken würden schnell wieder Luft bekommen. Im Einklang mit steigenden Leitzinsen würde sich die Büchse der Konjunktur-Pandora schnell öffnen. Die Delle, nein die Beule, die im US-amerikanischen Industriesektor bereits sichtbar ist, würde nicht mehr mit der nonchalanten rosaroten Brille, sondern mit der kritischen Nickelbrille betrachtet. Ohnehin ist der aktuelle amerikanische Konjunkturzyklus bereits der viertlängste in der Nachkriegszeit. Er läuft bereits sieben Jahre. Kommen nicht nach sieben fetten Jahren irgendwann auch wieder magere Jahre?  
 
Schon kommen konjunkturelle Alarmsignale von den amerikanischen Unternehmensmargen, die sich im Rückwärtsgang befinden. Erst sinkt die Rentabilität, dann die Investitionsausgaben. Auf kostensenkende Entlassungen haben die Unternehmen bislang weitgehend verzichtet. Ihrer finanziellen Verfassung konnten sie alternativ mit der extensiven Nutzung zinsgünstiger Fremdverschuldung auf die Sprünge helfen. Inzwischen jedoch befindet sich das Verhältnis von Unternehmensschulden zur US-Wirtschaftsleistung auf dem höchsten Stand seit 2009.

Kappt die Fed das Rettungsseil günstiger Leitzinsen, ist das Beihilfe zum Konjunktur-Mord

Mit steigenden Notenbankzinsen ist historisch auch ein Anstieg der Renditen am Anleihemarkt verbunden. Das Leitzinsänderungsrisiko lässt man sich dort gut bezahlen. Steigende Renditen heißt aber auch steigende Kreditzinsen für Unternehmen. Sie werden dann ihre Verschuldung gesund-, aber damit leider ebenso die US-Wirtschaft krankschrumpfen. Und die Entlassungen werden dann zügig nachgeholt.



Aufgrund ihrer in der Tendenz gleichläufigen Entwicklung torpediert die Fed nicht nur die amerikanischen, sondern gleich auch die globalen Rentenmärkte. So richtig Schwung bekommt die Renditewende durch den massiven Anleiheverkaufsdruck, da kein Vermögensverwalter seine gewaltigen Buchgewinne opfern will. Dann bekommt auch der Aktienmarkt von der Fed bewertungsseitig sein Fett weg. Für die im Augenblick hohe Gewinnbewertung - die sogar noch höher als zu Zeiten der Immobilienblase ist - gibt es dann keine Rechtfertigung mehr.


Leider können die Aktien diesen geldpolitischen Nachteil weder mit guter Konjunktur noch attraktiven Unternehmensgewinnen ersatzbefriedigen. Und was passiert erst bei fortgesetzter Leitzinswende mit den nicht weit vom Rekordstand entfernten Wertpapierkrediten? Sie werden abgewickelt und mit ihnen die Aktien gleich mit. Was das für die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen mit Streuwirkung für die ganze Konjunkturwelt bedeutet, ist auch klar.


Es gibt überhaupt keinen Grund für strengere zinspolitische Bedingungen in den USA. Im Gegenteil, der doppelte Vorteil - die realwirtschaftliche Attraktivität günstiger Kreditzinsen und die finanzwirtschaftliche Unattraktivität renditeschwacher Zinsanlagen - muss erhalten bleiben.
 
Niemand bei der Fed sollte aus Selbstüberschätzung die Illusion bedienen, man sei zinspolitisch allmächtig. De facto ist man ohnmächtig: Aus der zinspolitischen Rettungsnummer kommt die Fed nicht heraus. Damit ist die Zinserhöhungs-Rhetorik von Mitgliedern der Fed nur dazu geeignet, an den Aktien- und Anleihemärkten wehrkraftzerstörend zu wirken. Wer nichts Vernünftiges zu sagen hat, sollte einfach die Klappe halten.
Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG: http://www.bondboard.de/main/pages/index/p/128


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Robert Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernsehsendern und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie Fachpublikationen und als Kolumnist einem breiten Anlegerpublikum bekannt. Seine Markenzeichen, die unterhaltsame, bildhafte Sprache, kommen bei keinem seiner Auftritte zu kurz.

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