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Kolumne: Michael Reuss (HRK): Trump als US-Präsident? Kein Grund zur Panik!
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Kolumne Michael Reuss (HRK): Trump als US-Präsident? Kein Grund zur Panik!

Nachrichtenquelle: Asset Standard
27.09.2016, 00:00  |  701   |   |   

Viele Anleger schrecken zusammen bei dem Gedanken, Donald „Big Mouth“ Trump könnte zum mächtigsten Mann der Vereinigten Staaten werden.

Ein Präsident Donald Trump wäre nichts geringeres als ein politischer Supergau der Extraklasse - das jedenfalls suggeriert ein Großteil der Berichterstattung, auch in Bezug auf Börse und Aktienkurse. Ganz so schlimm wird es im Fall des Falles aber nie werden, meint Michael Reuss, Geschäftsführender Gesellschafter der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung.

In weniger als 100 Tagen wird in den USA der neue Präsident oder vielleicht erstmals eine neue Präsidentin gewählt. Viele Anleger schrecken zusammen bei dem Gedanken, Donald „Big Mouth“ Trump könnte zum mächtigsten Mann der Vereinigten Staaten werden. Doch vermag der US-Präsident weniger, als viele Anleger glauben: Die gesetzgeberische Macht liegt allein beim Kongress!

Inzwischen steht fest, was anfänglich viele für unmöglich hielten: Der Republikaner Donald Trump wird gegen die Demokratin Hillary Clinton antreten. Gleich zu Beginn der heißen Wahlkampfphase hat Trump angekündigt, dass er jetzt „die Handschuhe ausziehen“ werde: „No more Mr. Nice Guy“ (Vorbei mit dem netten Kerl). Angesichts seiner bisherigen unkontrollierten Hasstiraden fragt man sich, wie er sich steigern möchte.

Von der „Comic-Figur“ zum „Lügenmaul“

Hierzulande läuft vielen beim Gedanken, dass dieser Mann bald zum mächtigsten Mann der Welt aufsteigen könnte, ein kalter Schauer über den Rücken. Und in Amerika ist die Bevölkerung hinsichtlich seiner Kandidatur tief gespalten – auch bei den Republikanern: Seine Gegner haben ihn zunächst als Comic-Figur belächelt, jetzt beschimpfen sie ihn als Großmaul und Lügner. Seine Anhänger sehen in ihm den Vorkämpfer gegen das liberale Establishment, gegen politische Korrektheit, Überfremdung und ein scheinbar marodes, ungerechtes System. Und dieses einfache Weltbild mit der Aufteilung in Gut und Böse kommt offenbar an.

Neue Schockwellen bei Wahl Trumps?

Der Ausgang der Wahl im November ist aus heutiger Sicht daher völlig offen. Für Anleger stellt sich nach dem „Brexit“-Debakel die Frage: Könnte eine Wahl Trumps zum US-Präsidenten eine neue Schockwelle an den Börsen auslösen? Auf den ersten Blick ist diese Gefahr nicht von der Hand zu weisen, denn unter Trump scheint alles möglich – und Unberechenbarkeit belastet oft die Aktienbörsen. Bei näherem Hinsehen stellt man jedoch fest: Ein US-Präsident ist zwar mächtig, aber eben nicht allmächtig. Markige Sprüche im Wahlkampf sind das eine, Verhandlungen mit hartgesottenen politischen Profis etwas ganz anderes.

Harte Lektionen für den politischen Amateur

Diese Diskrepanz würde der politische Amateur Trump im Falle seiner Wahl sehr schnell zu spüren bekommen: Der New Yorker Geschäftsmann will mit den Chinesen neue Handelsabkommen besprechen. Er möchte, dass die NATO-Partner mehr Geld für das Militär ausgeben. Und er will, dass Mexiko für eine Mauer zu den USA bezahlt. Es ist kaum anzunehmen, dass er in diesen Punkten mit seinen außenpolitischen Verhandlungspartnern schnell Einigkeit erzielen wird.

Verfassung setzt Präsidenten-Macht enge Grenzen

Und innenpolitisch setzt die Verfassung der präsidialen Macht enge Grenzen. So ist Gesetzgeber ausschließlich der Kongress und eben nicht der Präsident. Gerade in Obamas Amtszeit wurde deutlich, dass Senat und Repräsentantenhaus, die zusammen den Kongress bilden, häufig nicht nach der Pfeife des Präsidenten tanzt. Ein Präsident kann zwar eine Verfügung erlassen, aber er kein Gesetz verabschieden oder novellieren.Überschreitet er seine Befugnisse, werden die Gerichte eingeschaltet. Neben dem Obersten Gerichtshof gibt es weitere Bundesgerichte und 50 Bundesstaaten mit eigener Gerichtsbarkeit. Das gilt übrigens auch für die Entsendung von Streitkräften: Soll dies dauerhaft erfolgen, muss der Kongress zustimmen.

Unser Fazit daher: Lassen Sie sich von den wilden Wahlkampfparolen Trumps nicht beeindrucken, denn der Kongress und die Gerichte werden ihn wirksam ausbremsen. Bleiben Sie gelassen – und halten Sie Aktien!

Themen: Aktien, Anleger, Panik


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