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Globalisierung Wirtschaftliche Freiheit führt zu Ungleichheit

19.09.2016, 13:32  |  377   |   |   

Freiheit ist ein hohes Gut, doch nicht jede Freiheit führt gleich zu einem höheren Lebensstandard. Das ist eine Erkenntnis, die weltweit immer mehr reift. Selbst der Internationale Währungsfonds gibt sich ein wenig geläutert.

Der Abbau von Beschränkungen im Handel und Kapitalverkehr war mehrere Jahrzehnte lang das Kernprogramm des Internationalen Währungsfonds und vieler Regierungen. Brauchten Staaten Hilfskredite vom IWF, dann gab es diese für gewöhnlich nur, wenn die entsprechenden Länder eine Rosskur durchführten. Zu dieser Rosskur gehörte vor allem die Liberalisierung des Kapitalverkehrs.

Relativ freier Kapitalverkehr ist heute eine Selbstverständlichkeit. In der Eurozone und der EU gilt das ohnehin, aber auch darüber hinaus gibt es nur wenige Beschränkungen. Investoren können heutzutage Assets fast überall auf der Welt problemlos kaufen und verkaufen. Das war nicht immer so.

Der freie Kapitalverkehr ist eine ziemlich neue Errungenschaft. In Europa machte Großbritannien Ende der 70er Jahre den Anfang. Bis zu diesem Zeitpunkt war es für Briten so gut wie unmöglich, im Ausland Assets zu erwerben. Ebenso war es für ausländische Unternehmen schwierig, in Großbritannien zu investieren. Selbst wenn investiert werden konnte, war nicht garantiert, dass Unternehmen ihr Kapital auch wieder ins Heimatland zurückholen konnten.

In den meisten Ländern sind diese Hindernisse nun Geschichte. In den 80er und 90er Jahren fand eine Liberalisierungswelle statt. Hatten Staaten zuvor eine geschlossene Kapitalbilanz, wurde diese geöffnet. Bei einer liberalisierten Kapitalbilanz ist es Inländern wie Ausländern möglich, Kapital frei über die Grenzen hinweg zu bewegen. Konkret bedeutet dies, dass Unternehmen investieren und Investoren Assets kaufen und verkaufen können.

Der Grund für die Liberalisierung war klar. Alle erhofften sich durch diesen Schritt mehr Wohlstand und Wachstum. In einigen Ländern erfüllte sich diese Hoffnung, in anderen nicht. In vielen Ländern kam es sogar zu einem vollkommen unerwarteten Effekt: die Ungleichheit stieg, die Schere zwischen Arm und Reich ging also schnell auseinander.

Die Einkommensverteilung wird durch den Gini-Koeffizient gemessen. Es handelt sich dabei um einen Index, der Werte zwischen 0 und 100 annehmen kann. Ein Wert von 0 bedeutet, dass Einkommen absolut gleich verteilt sind. Ein Wert von 100 bedeutet, dass lediglich eine einzige Person sämtliches Einkommen erhält.

Die meisten Länder hatten vor der Liberalisierung der Kapitalbilanz einen Gini-Koeffizient, der im internationalen Durchschnitt oder darunter lag. Grafik 1 zeigt den Koeffizient für südamerikanische Länder. Diese liberalisierten in den 90er Jahren ihre Kapitalbilanz. Wie es der Zufall so will stieg der Koeffizient in den Folgejahren schnell an. Die Ungleichheit nahm rapide zu.

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Die Entwicklung des Gini-Koeffizienten ist oftmals ähnlich zur Wechselkursentwicklung. Grafik 2 zeigt den Wechselkurs des brasilianischen Real zum US-Dollar. Die Entwicklung ist repräsentativ für die meisten südamerikanischen Länder. Es folgte eine starke Abwertung bis 2002, dann eine langanhaltende Aufwertung bis 2011 und wieder eine radikale Abwertung.

Die Auf- und Abwertungszyklen lassen sich vor allem durch Kapitalströme erklären, die dank einer liberalisierten Kapitalbilanz möglich sind. In Boomzeiten strömt viel Kapital ins Land. Unternehmen investieren und schaffen Arbeitsplätze. Investoren kaufen Assets und stellen Kredit zur Verfügung. Im Abschwung geschieht das Gegenteil. Kapital wird abgezogen. Es kommt zu einer Abwertung der Währung.

Wertet die Währung ab, dann steigt die Inflation, weil Importe in lokaler Währung teurer werden. Das trifft vor allem ärmere Bevölkerungsschichten. Starke Wechselkursschwankungen aufgrund von unkontrollierten Kapitalströmen benachteiligen die Armen.

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Beginnen ausländische Investoren ihr Kapital abzuziehen, wie es in vielen Emering Markets bis zuletzt der Fall war, kommt es zu Krisen. Brasilien hat eine hohe Inflationsrate und die schwerste Rezession seit Jahrzehnten. Freie Kapitalströme führen tendenziell zu einer höheren Volatilität in der wirtschaftlichen Entwicklung.

Ungleichheit wird auch gefördert, da vor allem jene, die etwas besitzen, Zugang zu den Vorteilen einer freien Kapitalbilanz haben. Sie können den internationalen Finanzmarkt nutzen und in Zeiten der Währungsabwertung ihr Geld im Ausland in Sicherheit bringen. Dem Durchschnittsbürger ist das nicht möglich.

Es sind nicht nur Entwicklungsländer, die von einer freien Kapitalbilanz negativ betroffen sein können. In entwickelten Ländern kommt es zu einer Verschiebung der Gewichtung von Kapital und Arbeit zugunsten des Kapitals. Kapital erwirtschaftet mehr und mehr vom Gesamteinkommen. Das liegt unter anderem daran, dass Unternehmen mehr Druck auf Arbeitnehmer ausüben können. Wenn die Lage (Löhne, Regulation, Steuern etc.) nicht passt, dann können sie einen Teil ihrer Aktivitäten inkl. der Arbeitsplätze ins Ausland verlegen.

Eine freie Kapitalbilanz ist nicht nur negativ. Die negativen Seiten wurden jedoch viele Jahre lang einfach ignoriert. Inzwischen wird erkannt, dass nicht jede zusätzliche Freiheit auch automatisch gut sein muss. Der IWF kann sich sogar vorstellen eine Entliberalisierung unter bestimmten Umständen zu unterstützen. Das ist ein klarer Bruch mit der früheren Politik.

Beginnt die Entliberalisierung erst einmal ist es schwer das richtige Maß zu finden. Es kann schnell zu einer zu strikten Beschränkung kommen. Derzeit sehen wir weltweit sowohl beim Handel als auch beim Kapital vermehrt protektionistische Bemühungen. Es ist gut möglich, dass nach Jahrzehnten der Öffnung die Globalisierung wieder ein Stück zurückgenommen wird.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

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Christoph Scherbaum M.A. und Diplom-Betriebswirt Marc Schmidt sind die Gründer von dieboersenblogger.de. Der Social-Börsenblog wurde Ende 2008 im Zeichen der Finanzkrise von den zwei Finanzjournalisten gegründet und hat sich seither fest in der Börsenmedienlandschaft etabliert. Heute schreibt ein gutes Dutzend Autoren neben Christoph Scherbaum und Marc Schmidt über Aktien, Geldanlage und Finanzen. Weitere Informationen: www.dieboersenblogger.de.

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