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Professor Klemens Skibicki „Massive Einschläge in der Finanzbranche"

28.09.2016, 10:46  |  1361   |   |   

Beim Partner-Meeting von €uro Advisor Services und FondsConsult Research erklärt Professor Dr. Klemens Skibicki, warum Vorstände der digitalen Migration hinterherhinken, die Industrie 4.0 nur ein kleiner Bruchteil der vernetzten Ökonomie ist und wo die Finanzbranche aktuell steht.

„Technologien verändern sich schnell… Menschen nicht“, zitiert der Professor für Professor für Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School aus anonymer Quelle. Und liefert im Vortrag auch die Erklärung für diese Diskrepanz:

„Gespeicherte Erfahrungen behindern uns, denn wir versuchen die Welt mit alten Maßstäben zu erfassen. Daher ist die digitale Migration in Führungspositionen so schwierig“, erklärt der Experte. Dabei würden viele Vorstände den Fehler machen dieselben Inhalte, Botschaften oder Aktivitäten nur über verschiedene Kanäle spielen zu wollen. Doch hier handele es sich laut Skibicki um ein Missverständnis: „Digitale Transformation bedeutet nicht das Gleiche zu tun wie vorher - nur über digitale Kanäle -  sondern, dass Sie sich an die Rahmenbedingungen einer Netzwerkökonomie anpassen“, sagt er. 

In mancher Führungsetage sei er in den ersten fünf Jahren ausgelacht worden. Erst in den darauffolgenden fünf Jahren hätte man ihn gefragt: „Was muss ich eigentlich tun.“
Der Geschäftsführer der PROFSKI GmbH hat unter anderem  DAX-Konzerne und Mittelständler auf dem Weg der digitalen Transformation beraten und bei der Umsetzung begleitet. Seit 2013 ist er Kernmitglied des Beirates „Junge digitale Wirtschaft“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. 

Die Finanzbranche hat sich intern am wenigsten verändert

Besonders veränderungsresistent sei laut dem Digitalisierungs-Experten die Finanzbranche: „Ich bin in der Finanz- und Versicherungsbranche am längsten unterwegs. Doch dort ist intern am wenigsten passiert, obwohl es extern massive Einschläge gab.“

Interessant für die Finanzbranche dürfte sein, dass sich die Kommunikation mit dem Kunden komplett verändere. So sei im Dialog mit dem Kunden und beim Anwerben neuer Kunden nicht mehr die klassische Werbung zentral, sondern, dass sich Botschaften, Themen und Dialoge von Netzwerk-Teilnehmern selbst, also viral, verbreitet würden. „Man vertraut mittlerweile Menschen und nicht Kanälen, d.h. es ist entscheidend, wer spricht und nicht wo. Aus Wertschöpfungsketten werden Wertschöpfungsnetzwerke“, so der Digitalisierungs-Berater. Dabei werde auch die maximale Einfachheit von Bedienung und Prozessen für Kunden und Netzwerkteilnehmer zum branchenübergreifenden Standard. 

Aber auch in anderen Bereichen sei das Verständnis bzw. der Veränderungswille hierzulande geringer – zumindest wesentlich niedriger als in den USA. „Die Amerikaner haben einen Vorteil. Wenn Sie sehen, dass etwas einen ökonomischen Vorteil hat, dann machen sie es gegen alle Widerstände.“ So sei in den USA der häufigste Job LKW-Fahrer. Dennoch hindere dies amerikanische Unternehmen nicht daran, bei der Entwicklung selbstfahrender LKWs ganz vorne zu sein. Auch sei die gesellschaftliche Akzeptanz für solche einschneidenden Umbrüche größer. 

Dieses Bewahrungs-Denken sei auch bei der so oft als Schlagwort angeführten Industrie 4.0 der Fall.„Die vernetzte Fabrik mit dem Schlagwort Industrie 4.0 steht uns Deutschen näher als die digitale Transformation, dabei muss das Ganze als eins gesehen werden. Denn die Frage ist wie gliedert sich diese Fabrik in die digitalen Rahmennetzwerke ein.  Die Frage ist nicht wie können wir die Digitalisierung nutzen, sondern wie müssen wir uns anpassen“, so Skibicki. „Wir befinden uns in einer Transformationsphase, welche die DNA der Kundenbeziehung fundamental verändert.“

Skibicki fasst die Digitalisierung wie folgt zusammen:  „Digitalisierung bedeutet letztendlich Transaktionskostensenkung“. Beispiele kann er genug anführen.  Etwa das Startup mytaxi, das den Intermediär der Taxizentrale ersetze. Oder das Milliarden-Unternehmen Uber, das gleich das Taxi selbst überflüssig mache  – und mittlerweile der weltweit größte Anbieter von Taxifahrten sei. In Deutschland wolle man hingegen meist die alte Welt bewahren. Dass dies letztlich gelingt, bezweifelt Skibicki allerdings stark. 

(KR) 



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Konstantin Riffler hat mehr als 10 Jahre an Erfahrung als Redakteur und Journalist in Deutschland, Großbritannien und Asien. Seine Spezialgebiete sind Fondsmanagement, Investmentthemen, IPOs, M&A und Digitalwirtschaft. Als Redakteur und Content-Manager bei €uro Advisor Services GmbH ist er zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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