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ETF Securities - September Ausblick Ein Blick auf den steigenden Investitionsbedarf im Infrastruktursektor

Nachrichtenquelle: ETF Securities
28.09.2016, 12:14  |  726   |   |   

Weiterer Anstieg der Infrastrukturausgaben erwartet

Zwischen 2008 und 2013 hat China ca. 8,8% seines BIP in seine wirtschaftliche Infrastruktur investiert. Einer Analyse des McKinsey Global Institute zufolge kann das Land es sich leisten, diesen Wert in den Jahren 2016-2030 auf 5,5% des BIP zu senken, da die Regierung insgesamt ein langsameres Wirtschaftswachstum anstrebt. Dennoch könnten die jährlichen Investitionen von 829 Mrd. USD im Jahr 2013 auf 950 Mrd. USD pro Jahr steigen. In der gleichen Analyse schätzt das McKinsey Global Institute, dass Indien seine Infrastrukturausgaben in den Jahren 2016-2030 von 5,2% auf 5,7% des BIP anheben muss, um seine Wachstumsziele zu erreichen. Obwohl zahlreiche Beobachter befürchten, das langsamere Wachstum der chinesischen Wirtschaft könnte die Nachfrage nach Rohstoffen schwächen, dürfte eher die Senkung der Ausgaben in den asiatischen Industrienationen und in Westeuropa die Entwicklung hemmen. In China dürften die Investitionen in Infrastrukturprojekte weiter steigen.

China mit den größten Investitionen

Die Höhe der Infrastrukturausgaben variiert sehr stark von Land zu Land, wobei China die größten Investitionen tätigt. Indien lässt einen großen Teil seines BIP in Infrastrukturprojekte fließen, doch angesichts der vergleichsweise kleinen Volkswirtschaft bleiben die absoluten Zahlen hinter den asiatischen Industrienationen oder Westeuropa zurück (siehe Balken in der Abbildung unten). Relativ zum Einkommen verfügen sowohl Indien als auch China über eine gute Infrastruktur. Beide Länder rangieren in einem Vergleich des World Economic Forum zwischen einer Reihe von Ländern weit oben im Hinblick auf das Verhältnis von Pro-Kopf-BIP und Infrastrukturqualität. Im Zuge des anhaltenden Wachstums in Indien dürfte sich auch die Qualität der Infrastruktur kontinuierlich verbessern, doch um den chinesischen Standard zu erreichen, hat das Land noch einen weiten Weg vor sich.

Infrastruktur begünstigt Wachstum

Investitionen in eine qualitativ hochwertige wirtschaftliche Infrastruktur stützen die Konjunktur. Dieser Faktor ist einer der Gründe dafür, dass China in puncto Wirtschaftswachstum Indien seit 1990 weit hinter sich lassen konnte. Nachdem 1990 beide Länder ungefähr gleichauf gelegen hatten, verzeichnet China mittlerweile ein mehr als doppelt so hohes Pro-Kopf-BIP wie Indien. Der IWF schätzt den Multiplikator für öffentliche Investitionen in Schwellenmärkten historisch auf einen Wert von 1–1,3. Dies bedeutet, dass sich Investitionen in die Infrastruktur in der Regel durch ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum bezahlt machen.

Starker Anstieg der Rohstoffausgaben

Sollte Indien erfolgreich in die Ausweitung seiner Infrastrukturbasis investieren, so könnte sich die Rohstoffnachfrage ähnlich wie in China entwickeln. In den 1990er Jahren importierte China ähnlich viele Rohstoffe wie Indien, doch die massive Aufstockung der heimischen Infrastruktur hat die Nachfrage nach Rohstoffen erheblich steigen lassen. Mittlerweile importiert China mehr als die 36-fache Menge an Industriemetallen (in USD) wie Indien.

Potenzial zur Steigerung der Ausgaben

Die Einhaltung der Zielvorgaben für den Haushalt und den Schuldenabbau dürfte eine rasche Ausweitung der indischen Infrastrukturausgaben vorerst erschweren. Der bereits genannte Multiplikator für Infrastrukturinvestitionen bewirkt in vielen Fällen eine Senkung der Schuldenquote, da das erzielte Wirtschaftswachstum die getätigten Investitionen mehr als aufwiegt. Da sich sorgfältig geplante Infrastrukturprojekte fast selbst finanzieren, hat die indische Regierung definitiv einen Anreiz zur Ausweitung seiner aktuellen Infrastrukturprogramme.

Die indischen Infrastrukturausgaben tendierten bis vor kurzem nach unten, und trotz der relativ guten Qualität der bestehenden Infrastruktur sieht der IWF in Indien akuten Handlungsbedarf. Verzögerungen und Mehrkosten bei zahlreichen Projekten belasten die Kreditqualität im Banken- und Unternehmenssektor. Die Verschuldungsquote indischer Unternehmen (Verbindlichkeiten zu Eigenkapital) zählt zu den höchsten innerhalb der Schwellenländer. Dies birgt Gefahren für Banken, wenn sie Kredite an Unternehmen vergeben, die an Infrastrukturprojekten mit hohen Mehrkosten beteiligt sind. Im Jahr 2015 entfielen ca. 41% des notleidenden Brutto-Kreditvolumens bei öffentlichen Banken auf die Bereiche Infrastruktur, Eisen und Stahl. Im Zuge der Bereinigung der Bankbilanzen könnten Privatunternehmen immer mehr Probleme haben, Kredite für Infrastrukturprojekte zu erhalten.

Schätzungen des IWF zufolge könnte jede zusätzliche INR an öffentlichen Investitionen innerhalb von acht Quartalen private Investitionen in Höhe von 1,1–1,25 INR generieren. Vor dem Hintergrund der schleppenden privaten Investitionen und der Belastung der Banken durch notleidende Kredite könnte die Regierung versuchen, den Investitionszyklus durch eine Ausweitung der Infrastrukturausgaben in Schwung zu bringen. 

Ein nationaler Investitions- und Infrastrukturfonds (NIIF) wurde bereits geschaffen und mit 200 Mrd. INR ausgestattet, wobei 49% des Kapitals durch die Regierung und der Rest durch strategische indische und internationale Partner aufgebracht werden sollen. Bei Eisenbahnprojekten sollen sogar ausländische Direktinvestitionen in Höhe von bis zu 100% erlaubt werden. In ihrem letzten Haushalt hatte die Regierung die Entwicklung eines steuerfreien Anleihenmarktes für Infrastrukturprojekte angekündigt, der ebenfalls die Finanzierung erleichtern dürfte.

In den kommenden Jahren erwarten wir einen kontinuierlichen Aufwärtstrend bei Infrastrukturinvestitionen, insbesondere in China. Auch wenn die Abkühlung der chinesischen Konjunktur die Ausgaben belasten könnte, besteht in China auch weiterhin ein riesiger Investitionsbedarf. Obwohl die Investitionen in die indische Infrastruktur kurzfristig ins Stocken geraten könnten, sehen wir hier auch weiterhin ein erhebliches Potenzial zur Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums. Derzeit werden unterschiedliche politische Maßnahmen umgesetzt, um den Investitionszyklus in Schwung zu bringen. Im Zuge dieser Maßnahmen erwarten wir einen Anstieg der Infrastrukturausgaben im nächsten Jahr, nachdem sich die Investitionen in den letzten Jahren schleppend entwickelt hatten.



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