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„Dieses Thema ist viel mehr, als nur selbstfahrende Autos."

29.09.2016, 09:00  |  602   |   |   

Der ETF-Securities-Chef für die deutschsprachigen Länder erklärt im Interview wie die Zukunftsthemen Robotics und Automatisierung als ETF-Investment funktionieren.

 Jan-Hendrik Hein, Head of German Speaking Regions bei ETF Securities, erklärt im Interview, warum Robotics und Automatisierung Themen sind, die schon in vielen Branchen nicht mehr wegzudenken sind. Deutsche Anleger für diese Thematiken zu gewinnen brauche aber seine Zeit, so Hein.

FundResearch: Wie werden die beiden thematischen ETFs, Robotics und Automatation sowie Cyber Security von Ihren Kunden angenommen? 

Jan-Hendrik Hein: Robotics ist ein ziemliches Nischenthema. Ein Thema, das sicherlich aus den USA übergeschwappt ist und dort von größeren Anlegerkreisen angenommen wird. Solche Themen kommen mit einer Verzögerung von zwei bis fünf Jahren in Europa an. Das war mit Cyber Security und Robotics genauso. Bei beiden ETFs arbeiten wir mit Partnern in den USA zusammen, wie mit ROBO Global für das Thema Robotik und Automatisierung, die ETFs auf entsprechende Indizes in den USA aufgelegt haben.Die unterschiedliche Haltung der Anleger erkennt man auch, wenn man die AuM vergleicht: 750 Millionen US-Dollar sind in dem US-amerikanischen Cyber Security ETF investiert im Vergleich zu 60 bis 80 Millionen US-Dollar, die im europäischen ETF angelegt sind. Aber das Thema wird auch hierzulande vermehrt angenommen. Über das Thema Industrie 4.0, was in Deutschland als Schlagwort viel genutzt wird, gibt es ein Verständnis dafür. Das wird als Aufhänger genommen.

FundResearch: Wie funktioniert die Titelselektion für den ROBO Global-Index?

Hein: Das ETF ist zwar ein passives Produkt. Der Index von ROBO Global hat aber durchaus den Ansatz eines stärker aktiven Selektionsprozesses. Hinter dem ETF steht ein Komitee mit führenden Wissenschaftlern aus der Industrie, die ihren Input liefern, die sagen folgende Unternehmen aus der Industrie sind aus folgenden Gründen interessant.

FundResearch: Wie groß ist das Universum?

Hein: Es gibt global ein Universum von über 1000 Unternehmen. Von diesen 1000 Titeln sind rund 300 Unternehmen öffentlich gelistet. Von ROBO Global werden 13 Sektoren vordefiniert, die entsprechend interessant für die Themen Robotics und Automatisierung sind. Und nur Unternehmen, die in diese Sektoren fallen, werden allokiert. Die Mindestmarktkapitalisierung der Unternehmen muss 200 Millionen US-Dollar sein und die Titel müssen ein tägliches Handelsvolumen von mindestens 500 000 US-Dollar haben, um entsprechend Liquidität zu generieren. Am Ende bleiben so 80 Unternehmen übrig, die über den ETF physisch abgedeckt werden. Das haben wir vor kurzem umgestellt, weil die Investoren physisch gegenüber synthetisch eindeutig bevorzugen. Synthetische Produkte haben ein leicht negatives Stigma. Jeweils ein Drittel der Unternehmen im Index kommen aus den USA, Europa und Asien. 

FundResearch: Es gibt aber auch andere Anbieter ?

Hein: Der ROBO Global war der erste seiner Art. Mittlerweile sind weitere Anbieter gefolgt. Der Index konzentriert sich eher auf kleinere und mittelgroße Unternehmen, die Player von morgen. Im Gegensatz zu ähnlichen Fonds und ETFs, die in diesen Bereich investieren und auch auf Large Caps wie Alphabet setzen. Es ist unserer Meinung nach einfach noch zu früh, um die Gewinner in einem so jungen und nischigen Segment ganz genau definieren zu können.

FundResearch: Wie haben Sie dieses neue Thema den Anlegern näher gebracht?

Hein: Es hat in den ersten Monaten deutlich länger gedauert, diese Ideen dem Anleger näher zu bringen, so dass er sich etwas darunter vorstellen kann. Auch mussten wir vermitteln, dass dieses Thema viel mehr ist, als nur selbstfahrende Autos. Da gibt es zum Beispiel Surgical Robots, diese großen Operationsroboter, die in den USA 70 Prozent aller Prostataoperationen durchführen. Die meisten Anleger wissen zudem nicht, dass der größte Roboterhersteller der Welt Deere & Company ist, Weltmarktführer im Bereich Landtechnik. Fast alle von dem Unternehmen hergestellten landwirtschaftlichen Fahrzeuge sind vollautomatisiert und mit GPS-Kontrolle ausgerüstet. Dieses Thema ist also nicht etwas was uns erst in 15 oder 20 Jahren bevorsteht, sondern was sich in vielen Bereichen schon jetzt durchgesetzt hat.  

(KR)

Themen: Dollar, Anleger, USA


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Konstantin Riffler hat mehr als 10 Jahre an Erfahrung als Redakteur und Journalist in Deutschland, Großbritannien und Asien. Seine Spezialgebiete sind Fondsmanagement, Investmentthemen, IPOs, M&A und Digitalwirtschaft. Als Redakteur und Content-Manager bei €uro Advisor Services GmbH ist er zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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