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Endlich: Monsanto lizensiert die wichtigste Biotech-Entdeckung des 21. Jahrhunderts

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
30.09.2016, 11:00  |  714   |   |   
Bayer hat eine kontroverse Übernahme des Giganten Monsanto in Gang gebracht. Foto: Pixabay, stux

Vielleicht hast du es gar nicht mitbekommen, aber bis letzte Woche hat Monsanto (WKN:578919) in der Forschung eine große Stütze gefehlt. Eigentlich ein kleines Wunder, dass man sich erst jetzt drum kümmert. Vielleicht musste sich das Management erst noch über den schiefgelaufenen Deal mit Syngenta ärgern, oder sich um die bevorstehende Fusion mit Bayer (WKN:BAY001) kümmern. Vielleicht wollte man aber auch erst mehr Klarheit haben bei dem Thema, das vom MIT Technology Review „die größte Entdeckung im Biotech-Sektor des Jahrhunderts“ genannt wird.

Was auch immer der Grund, Monsanto hat sich endlich dazu durchgerungen, das man das Gen-Veränderungs-Tool namens CRISPR vom Broad Institute in Boston lizensieren will. Mit dieser weltweit anwendbaren Lizenz können die Forscher im Unternehmen neue genetische Eigenschaften Pflanzen hinzufügen – oder die unerwünschten entfernen. Im Vergleich zu derzeitigen Methoden würde die neue Art ungemein genau sein.

Interessant und kontrovers dabei: Auch wenn CRISPR letztlich zu genetisch veränderten Organismen führt („genetically modified organisms“, GMO), so ist doch der Gesetzgeber in den USA nicht immer davon überzeugt, dass man die Methode irgendwie groß regulieren müsste. Das bedeutet, dass Monsanto sich Jahre im Labor und mit Regulierungsprozessen sparen könnte. Darunter fallen auch mindestens 35 Millionen US-Dollar pro vermarktbarer Eigenschaft an Gebühren und Testläufen. Allerdings ist diese ganze Geschichte voller Wirrnisse und falscher Annahmen.

Aber: Wird das alles den Langzeitwert von Monsantos Pipeline beeinflussen, und damit letztlich auch die Entscheidung über die Fusion mit Bayer? Wird der Rechtsstreit des Broad Institute mit der University of California Berkeley das Lizenzgeschäft beeinflussen? Könnte die öffentliche Meinung dazu führen, wie CRISPR reguliert wird und damit vielleicht die Kosteneinsparungen wieder zunichte machen?

Fusionieren oder nicht?

Seit Monaten schon spreche ich mich gegen die Fusion von Monsanto und Bayer aus. Manche sagen, dass die bevorstehende Konsolidierung in der Branche den Bauern, die es ohnehin schon nicht leicht haben, alles noch teurer machen wird. Andere sagen wiederum, dass langfristig der Innovationstrieb leiden wird. Ich kann beides nachvollziehen. Aus einer rein finanziellen Sicht aber denke ich, dass eine Fusion für die Investoren nicht von Vorteil ist. Monstanto ist beim Thema Forschung und Entwicklung sehr stark aufgestellt, hat außerdem die wohl vielversprechendsten neuen Produkte der ganzen Branche. Wenn man also für 57 Milliarden Dollar verkaufen sollte (also 128 Dollar pro Aktie), dann erscheint das hinsichtlich der langfristigen Versprechen wie ein schlechter Deal. Investoren sehen das wohl ähnlich und gehen davon aus, dass die Fusion nicht klappen wird.

Und CRISPR? Legt man da noch einmal an Wert zu, auch wenn die Pipeline ohnehin schon voll mit interessanten Sachen ist? Ja, CRISPR würde Zeit und Geld sparen. Wendelyn Jones von DuPont hat mal die Kosten zusammengefasst, die entstehen, wenn man in der Agrarwirtschaft eine Eigenschaft ändern will:

Eine Umfrage aus dem Jahr 2011 hat ergeben, dass die Kosten für Forschung, Entwicklung und Legalisierung, die entstehen, wenn man eine einzige Biotech-Komponente ändern will, in den Jahren 2008 bis 2012 bei 136 Millionen US-Dollar lagen. Durchschnittlich fielen davon 26 Prozent der Kosten auf Testläufe und Regulierungsbeiträge. In derselben Studie wurde die durchschnittliche Entwicklungszeit für diesen Prozess auf 13 Jahre beziffert.

CRISPR bietet Monsanto also die Chance, dass man ernsthaft Kohle spart. In diesem Jahr bekam ein Labor der Penn-State-Universität erstmals die Zulassung für einen genetisch veränderten Pilz, der nicht braun wird. Man braucht also eben nicht ein riesiges Budget für Forschung und Entwicklung, um in der Agrarwirtschaft Neues zu reißen.

Das führt natürlihc zu einem Punkt, der auf der Hand liegt: Wenn Monsanto derart von CRISPR und ähnlichen Diensten profitiert, dann werden das auch andere Unternehmen in der Branche.

Gerichtsstreit um CRISPR

Irgendwann werden zum Thema CRISPR und seiner Nutzung sowie Zulassung sicherlich Bücher geschrieben und Filme gedreht werden. Die Geschichte kurz zusammengefasst: Forscher aus Schweden und Kalifornien waren wohl die ersten, die die Wichtigkeit und das Potenzial erkannt haben, allerdings waren es Forscher vom Broad Institute in Boston, denen das Patent zugesprochen worden ist und die es weitreichend einsetzen dürfen. Allerdings wurden die Patente unter dem alten Regulationssystem eingereicht, wo noch die Regel nach “zuerst entdeckt” galt. Derzeit sind Horden von Anwälten in Europa und den USA dmait beschäftigt, Laborbücher durchzugehen und festzustellen, wer das Potenzial von CRISPR zuerst festgehalten hat.

Milliarden Dollar hängen von dem Ergebnis ab. Als wäre das nicht alles genug, wird stark erwartet, dass CRISPR im nächsten Jahr den Nobelpreis gewinnt.

Als Anleger bei Monsanto hat man kleinere Probleme. Wenn sich herausstellt, dass dem Broad Institute fälschlich Patentrechte zugesprochen worden sind, was geschieht dann mit Monsanto? Zum Glück sollte es recht einfach sein, eine Lizenz zu erwerben von wem auch immer am Ende der rechtmäßige Inhaber des Verfahrens sein wird.

Werden sich die Regularien ändern?

Was am Ende ein GMO ausmacht oder nicht, bestimmt das Gesetz – und das hängt natürlich den Entwicklungen und dem Fortschritt immer hinterher. Derzeit haben es auf diese Weise 30 GMOs durch die Schlupflöcher der Regulierer der USDA geschafft. Das ist einerseits schön für die Hersteller, andererseits dürfte das kein Dauerzustand sein. Die USA dürften bald ihre Gesetze anpassen und in den Änderungen die neuesten Errungenschaften in der Biotech-Branche reflektieren. Damit könnte CRISPR fix in den Blickpunkt rutschen. Aber Veränderungen müssen ja kein Nachteil sein.

Seit der ersten Gen-Ernte von 1996 sind viele Dinge passiert. Wir haben z.B. gelernt, dass GMOs sicher sind, vielleicht sogar ein wenig zu stark reguliert werden. Vielleicht könnte sich bald das Zulassungsverfahren verschnellern. Das würde den Unternehmen viel Zeit und Geld sparen.

Was bedeutet das alles für Anleger?

Investoren von Monsanto sollten sich absolut über die Nutzung von CRISPR freuen. Ich nehme zwar an, dass die Methode noch einmal den Besitzer wechseln wird, aber davon sollte Monsanto selber nicht allzu stark betroffen sein. Außerdem sollte die Lizensierung keine große Auswirkung auf die Fusion mit Bayer haben (von der ich nach wie vor alles andere als ein Fan bin).

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel von Maxx Chatsko erschien am 27.9.2016 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Bayer, Monsanto


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