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So saugen uns die Amerikaner aus – und wir sind selbst schuld

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
04.10.2016, 12:11  |  433   |   |   
Foto: The Motley Fool

Deutschland erwirtschaftet seit Jahren Tag für Tag fast 1 Milliarde Euro Exportüberschuss. Wir müssten eigentlich mittlerweile über unermesslichen Reichtum verfügen und tatsächlich ist das deutsche Auslandsvermögen in den letzten 15 Jahren um fast 2.000 Milliarden Euro gewachsen. Dass dabei trotzdem nicht so viel herumkommt hat auch mit den Amerikanern zu tun – und uns selbst.

Exportüberschüsse generieren Vermögen …

Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank erhöhte sich die deutsche Netto-Vermögensposition gegenüber dem Ausland um 302 Milliarden Euro von Ende 2014 bis Ende 2015. Zum Ende des 3. Quartals 2016 dürfte sich das Auslandsvermögen auf gut 1,7 Billionen Euro aufsummiert haben, was mehr als der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Ein guter Teil dieser Vermögensanhäufung erklärt sich durch die deutschen Exportüberschüsse, die monatlich rund 20 Milliarden Euro betragen und sich laut Bundesbank-Statistik bis Ende Juli bereits wieder auf über 160 Milliarden. aufsummieren.

Man stelle sich vor, es gelänge, die 1,7 Billionen Euro Nettovermögen so anzulegen, dass sie 5 Prozent jährlichen Ertrag bringen: So würden den deutschen Sparern daraus 85 Milliarden zufließen, ohne dass sie dafür arbeiten müssten — und es würde jedes Jahr mehr. Mit einer solchen Rendite und gleichbleibenden Exportüberschüssen würde das Auslandsvermögen bis 2031 laut meiner kleinen Überschlagsrechnung auf sagenhafte 10 Billionen Euro anwachsen, die fast 500 Milliarden Ertrag pro Jahr brächten.

Das ist natürlich etwas zu optimistisch gerechnet, aber ganz aus der Luft gegriffen ist es nicht. Der Staat Kuwait ist beispielsweise 1974 Großaktionär von Daimler (WKN:710000) geworden und freut sich seither trotz einiger Krisen der Stuttgarter über schöne Dividendenzahlungen. Die Gesamtrendite über die letzten 15 Jahre beträgt 8,8 % pro Jahr.

… aber es vermehrt sich nicht

Den Deutschen hingegen gelingt es kaum, überhaupt eine Rendite auf ihr immenses Vermögen zu erwirtschaften. Immobilien auf Mallorca, Containerschiffe und Staatsanleihen, für die Deutsche gerne ihr Geld ins Ausland tragen, bringen eben keine vernünftigen Erträge, im schlimmsten Fall fällt der Rücklauf sogar negativ aus.

So verzichten wir sparsamen Deutschen in hohem Maße auf Konsum, ohne im Gegenzug in angemessener Weise Vermögen aufzubauen. 20 Milliarden Euro, das bedeutet pro Kopf und Monat etwa 250 Euro, die entweder gut investiert oder für importierte Produkte ausgegeben werden könnten.

Bislang sind die Zuflüsse aus dem Besitz von ausländischen Aktien verschwindend gering. Die ohnehin geringe Aktienquote weist darüber hinaus eine starke Präferenz für einheimische Werten auf. Anteile ausländischer Unternehmen werden überwiegend über international investierende Fonds gekauft, was aber nur wenig ins Gewicht fällt.

Die Amerikaner machen es besser …

Nur 16,4 % der frei gehandelten DAX-Aktien waren 2015 einer Auswertung von DIRK und IPREO zu Folge in deutscher Hand. Nordamerikanische Investoren kommen hingegen mit einem investierten Vermögen von 189 Milliarden Euro auf 31,0 %. Das heißt, wenn die DAX-Unternehmen Milliarden an Dividenden ausschütten, dann wandert ein großer Teil davon über den Großen Teich.

Es ist also gut möglich, dass die amerikanischen Investitionen in Deutschland bessere Erträge bringen, als die deutschen Auslandsinvestitionen. Nehmen wir spekulativ an, dass wir im Ausland 1 % Rendite auf die etwa 8,3 Billionen im Ausland liegenden Investitionen erwirtschaften, während es den Ausländern gelingt, mit ihren lediglich rund 6,5 Billionen in Deutschland auf 2 % zu kommen. Dann entspricht das einem Kapitalabfluss von 47 Milliarden Euro!

Da man davon ausgehen kann, dass die im Investmentbereich mit allen Wassern gewaschenen Amerikaner im Schnitt besonders erfolgreich agieren, könnte man wirklich auf die Idee kommen, dass wir still und leise ausgesaugt werden.

… und das sollten auch wir

Während der Michel fleißig alles auf die Exportkarte und den Konsumverzicht setzt, kalkuliert Uncle Sam kühl, um dann das eingesetzte Geld lautlos für sich arbeiten zu lassen. Über viele Jahren gelang es den Amerikanern trotz Außenhandelsdefiziten ihr Vermögen zu mehren, also gleichzeitig in vollen Zügen zu konsumieren und reicher zu werden.

Vielleicht sollten wir die Amerikaner nicht überall kopieren und etwa Konsumjunkies mit Kreditkartenschulden werden, aber nichts spricht dagegen, uns etwas Wichtiges abzugucken: Die wohlüberlegte Investition in die besten Aktien der Welt.

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Ralf Anders hält eine Long-Position auf Daimler. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Daimler


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Kommentare

Die ohnehin geringe Aktienquote weist darüber hinaus eine starke Präferenz für einheimische Werten auf"

Es scheint so, als wünsche der deutsche Staat kein Aktienvermögen bei den Deutschen.
Hohe Besteuerung der Ertäge der AGs, letztlich knapp 50 % der Gewinne einer AG gehen an den deutschen Staat, wenn man die Abgeltungssteuer mit einbezieht.
Verluste aus Aktienverkäufen dürfen nicht mit Gewinnen aus Dividenden verrechnet werden.
Werbungskosten werden vom Staat fast komplett ignoriert.
Z.B. die Zinsen auf Wertpapierkredite können nicht abgesetzt werden.
So beträgt die wahre Besteuerung von Aktiengewinnen auch schon mal 100 % und mehr.

Dieser deutsche Staat ist der wahre Feind der deutschen Aktionäre.

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