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Interviews: Harald Preißler (BANTLEON): „Wenn diese Blase platzt, fliegt das Finanzsystem in die Luft“
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Interviews Harald Preißler (BANTLEON): „Wenn diese Blase platzt, fliegt das Finanzsystem in die Luft“

Nachrichtenquelle: Asset Standard
05.10.2016, 00:00  |  2768   |   |   

manager-magazin.de sprach mit Harald Preißler, Chefvolkswirt bei Bantleon, über die riskante Lage am Markt für Staatsanleihen.

Der Blick auf den Markt für Staatsanleihen bereitet Finanzexperten derzeit größte Sorge. Die Kurse sind in astronomische Höhen geklettert, das Zinsniveau bewegt sich vielfach unterhalb der Nulllinie. Ein möglicher Einbruch der Kurse, so scheint es, könnte verheerende Folgen haben. Mit Harald Preißler, Chefvolkswirt und Leiter des Anlagemanagements beim Vermögensverwalter Bantleon, sprach manager-magazin.de über die Gründe und Hintergründe dieser gefährlichen Entwicklung sowie über die Frage, welche Auswege

mm.de: Herr Preißler, wie dramatisch ist die Situation momentan an den Anleihemärkten?

Preißler: Das ist eine sehr schwierige Frage. Man ist schon versucht zu sagen, was wir zurzeit sehen, ist die Mutter aller Blasen. Und wenn die schlussendlich platzt, wird das gesamte Finanzsystem in die Luft fliegen, das steht fest. Das unterscheidet diese Blase von allen anderen: Die Sprengkraft wäre beispiellos.

Was genau meinen Sie mit: Das Finanzsystem würde in die Luft fliegen?

Weil sich die Bewertung sämtlicher Assets wie Aktien, Währungen und aller Derivate am Zinsniveau orientiert. Wenn also die Zinsen plötzlich kräftig steigen, dann hat das Auswirkungen auf alle Assetklassen. Das ist der Unterschied zur Dot-Com-Blase oder der Subprime-Blase. Dort waren die Ausstrahlungen im Vergleich dazu begrenzt.

Wird es so kommen?

Wir müssen zunächst schauen, mit welcher Art von Blase wir es hier zu tun haben. Das beginnt beim Thema Überbewertung, die wir definitiv haben. Anders als bei Spekulationsblasen üblich besteht aber keine Euphorie. Im aktuellen Fall gibt es eher ein verzweifeltes Mitmachen, weil die Akteure keine Alternative sehen.

Das macht die Gefahr allerdings nicht geringer.

Das ist richtig. Entscheidend ist aber: Diese Blase wird nicht durch waghalsige Investoren befeuert, sondern durch die Zentralbanken. Auch dieser Umstand macht sie mit anderen Blasen schwer vergleichbar. Ein Platzen ist zwar auch in diesem Fall möglich, aber es ist eben nicht zwingend. Wir haben es hier schließlich mit Notenbanken zu tun, die die niedrigen Zinsen bewusst einsetzen. Notfalls könnte die Geldpolitik den Staatsanleihenmarkt auch komplett übernehmen und das Problem auf diese Weise gewissermaßen wegdefinieren. Japan beispielsweise geht ja bereits in diese Richtung.

Sie halten ein Platzen der Blase also für unwahrscheinlich?

Ich halte es zumindest für unwahrscheinlicher als bei einer Durchschnittsblase. Normalerweise könnte die Blase dadurch platzen, dass den Anlegern das Preisniveau schlicht nicht mehr angemessen erscheint. Dann würden sie beginnen, ihre Assets zu verkaufen. Es käme zum Dominoeffekt und alle Kurse brächen ein, wie bei Tech-Aktien Anfang des neuen Jahrhunderts. Diesmal haben wir auf der Gegenseite aber jemanden, der unbegrenzt kaufen kann. Das dafür nötige Geld kann die EZB einfach selber drucken.

Ist die Euro-Zone im weltweiten Vergleich die größte Problemzone?

Die Fehlbewertung ist sicher in der Euro-Zone am größten, sogar noch größer als in Japan.

Was ist das größte Risiko?

Die Gefahr ist, dass irgendwann das Vertrauen in die Notenbank schwindet. Dann könnte es zu einer Eskalation an den Märkten kommen - die Folge wäre wahrscheinlich eine Implosion der Aktienmärkte im Verbund mit explodierenden Zinsen. Aber es lässt sich kaum sagen, wann und unter welchen Umständen es dazu kommen könnte.

Die Gretchenfrage ist ja ohnehin, welche Möglichkeit es für die Zentralbank gibt, irgendwann einmal auf sanftem Wege aus dieser fatalen Lage zu kommen.

Die Frage lässt sich nur theoretisch beantworten, weil es bislang noch niemand - nicht einmal die Amerikaner - geschafft hat, wirklich aus der Niedrigzinsphase herauszukommen. Ein solcher Ausstieg wird viele Jahre dauern. Man sieht in Japan, wo jetzt der langfristige Zins bei 0 Prozent zwangsfixiert wurde, dass wir momentan eher auf dem Weg in die andere Richtung, nämlich in die Verstaatlichung des Zinsniveaus sind.

So etwas können Sie sich auch in Europa vorstellen?

Aus blanker Not ist das vorstellbar. Das ist sicher keine Maßnahme, die man als Notenbank gerne trifft. Aber wenn einem die Alternativen ausgehen, ist das möglich. Die vergangenen Jahre haben leider gezeigt, dass es in der Geldpolitik keine Tabus mehr gibt.

Kann eine solche Maßnahme nicht auch einen negativen Effekt haben, weil sie zusätzlich Vertrauen in die Notenbank kostet?

Genau das könnte ein Auslöser für eine Massenflucht aus den Finanzmärkten sein. Zuvor müsste aber etwas gravierendes passiert sein, das den Anlegern die Grenzen der Geldpolitik vor Augen führen würde. Im Idealfall gelingt es den Notenbanken, die Zinsen in den nächsten Jahren auf einem sanften Weg zu erhöhen. Dafür gibt es aber keine Gewähr und auch kein Beispiel auf der Welt, wo das bereits funktioniert hat.

Konkret: Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Die Zeit wird knapp, unbegrenzt lässt sich dieses Zinsumfeld nicht aufrechterhalten. Sie müssen ja nur schauen, wie viele Staatsanleihen es in der Euro-Zone gibt, die die EZB kaufen könnte. Das sind Papiere im Volumen von etwa sieben Billionen Euro. Eine Billion hat die EZB schon, jährlich kommt eine weitere hinzu. Wenn wir die Urteile vom EuGH und vom Bundesverfassungsgericht ernst nehmen, dann gibt es eine nicht genau definierte Obergrenze für die Anleihekäufe, die zwischen etwa 50 Prozent und 66 Prozent liegt. Das heißt: Innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre müssen diese Anleihekäufe aufhören. Es sei denn, die Staaten blähen ihre Verschuldung im gleichen Zuge auf, das wäre dann allerdings der direkte Weg in die Hyperinflation.

Nach einer schnellen Lösung sieht es jedenfalls nicht aus.

Richtig. Das Dilemma ist, dass wir für eine funktionsfähige Altersvorsorge dringend höhere Zinsen bräuchten. Andererseits wären höhere Zinsen der Sargnagel für die Schuldentragfähigkeit der Staaten. Je eher man dieser Falle entrinnt, umso besser. Je länger es dauert, umso größer das Risiko, dass es am Ende doch zu einem gewaltigen Kollaps des Finanzsystems kommt.

Lesen Sie das Original-Interview hier.

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