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OPEC stützt Ölpreis – Was Anleger jetzt beachten sollten

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
06.10.2016, 09:58  |  560   |   |   
Foto: Wikimedia, Nutzer Patrick-br

Kürzlich vereinbarten die im OPEC-Kartell organisierten Länder, dass sie bis November Details über die Kürzung der Erdöl-Förderung festlegen wollen. Die Ölpreise reagierten moderat. Welche Aktien besonders von einer weiteren Aufwärtstendenz profitieren würden und warum ich glaube, dass ein großer Anstieg ausbleiben wird, erläutere ich knapp in den folgenden Abschnitten.

Diese Aktien profitieren am meisten von steigenden Ölpreisen

Längst nicht alle Akteure der Öl- und Gasbranche sind gleichermaßen von den Schwankungen der Ölpreise betroffen. Manche Marktteilnehmer machen Verluste beim aktuellen Niveau und andere weisen weiterhin Milliardengewinne aus.

Drei Faktoren sind entscheidend: Die Produktionskosten, die Nachfrage und die nachgelagerten Geschäftsaktivitäten.

Venezuela, ein Land das vor dem Ölpreisverfall als dasjenige mit den weltweit größten wirtschaftlich abbaubaren Reserven noch vor Saudi Arabien galt, ist nun in eine schlimme Krise gerutscht, weil die Produktionskosten höher sind als bei der Konkurrenz im arabisch-persischen Raum. Außerdem wird fast nur das Rohprodukt exportiert. Der Aufbau einer leistungsfähigen Chemie- und Kunststoffindustrie im Inland wurde von der Chávez-Regierung völlig vernachlässigt.

Wie wichtig das gewesen wäre, zeigen hochprofitable Konzerne wie die Wintershall-Mutter BASF (WKN:BASF11) oder die französische Total (WKN:850727). Die Gewinneinbußen auf der Förderseite werden dort über höhere Margen bei Endprodukten wettgemacht.

Andersherum würden Unternehmen, die sich rein auf die Ölförderung konzentrieren, viel stärker reagieren, sollte der Preis signifikant anziehen. Hierzu gehören zum einen die Ölfeldbetreiber und zum anderen Ausrüster, Explorations- und Ölfeldservice-Unternehmen wie die französisch-amerikanisch-niederländische Schlumberger (WKN:853390) oder die norwegische Aker Solutions (WKN:A12A18).

Erstere profitieren direkt von jeder Preisschwankung, soweit sie nicht am Terminmarkt einen Fixpreis festgelegt haben. Bei der zweiten Gruppe zieht das Geschäft erst an, wenn der Preis nachhaltig nach oben tendiert, weil dann die Explorationsaktivität zunimmt und damit die Nachfrage nach Dienstleistungen, Maschinen und so weiter, wobei die Aktienkurse dies in der Regel vorwegnehmen.

Darum wird der Ölpreis keine großen Sprünge machen

Wer allerdings darauf hofft, dass der Ölpreis in absehbarer Zeit die Hochs von vor drei Jahren erreichen würde, wird wahrscheinlich enttäuscht (zumindest solange die allgemeine Inflationsrate nicht losgaloppiert). Dass sich der Kurs von 2011 bis 2014 im Bereich von 100 US-Dollar bewegte, lag vor allem an einer Sondersituation: Mit der Nachfrageexplosion aus China konnten die Lieferanten nicht mithalten.

Das ist nun vorbei, die Importe des asiatischen Riesen haben sich genauso normalisiert wie dessen Wachstumsraten. Wer die langfristige Ölpreisentwicklung anschaut, der wird erkennen, dass das aktuelle Niveau von rund 50 US-Dollar (4.10.) weder teuer noch billig ist.

Bundeskanzler Schröder nannte einmal ein Niveau von 40 US-Dollar als Gefahr für die deutsche Industrie, der Spiegel sprach damals von einem Ölschock. Als normal wurden in den 1990er-Jahren Kurse von weit unter 20 Dollar angesehen. Würde man die 40 US-Dollar von 2000 auf heute mit der durchschnittlichen Inflationsrate der USA hochrechnen, käme man auf etwa 60 US-Dollar. Dort dürfte meines Erachtens in etwa der Deckel liegen. Dafür gibt es noch weitere Gründe.

Einen Faktor sehe ich darin, dass auch andere Roh- und Werkstoffe billig sind. Da Plastikprodukte heute viel billiger produziert werden können, ist eigentlich zu erwarten, dass der Absatz der petrochemischen Industrie massiv zunimmt. Allerdings gibt es keinen relativen Vorteil gegenüber Materialien wie Aluminium und Stahl, weshalb beispielsweise Fahrzeugbauer offenbar Überlegungen auf Eis gelegt haben, vermehrt auf Kunststoffe umzustellen.

Daneben gibt es eine Reihe bedeutender Förderländer, die darauf angewiesen sind, ungeachtet der OPEC-Beschlüsse so viel Öl wie möglich auf den Markt zu werfen. Sollten also Saudi Arabien und einige andere Länder tatsächlich die eigene Produktion zurückfahren, bin ich ziemlich sicher, dass andere schnell einspringen werden. Iran, Irak und Libyen sind nur drei Beispiele.

Sollte der Preis sich allerdings tatsächlich ein Stück über die 60 US-Dollar-Marke wagen, dann werden zusätzlich in ganz Amerika die Förderanstrengungen intensiviert. Das Interesse an US-amerikanischem Fracking-Erdgas würde steigen, in Kanada und Venezuela würden viele Ölsand-Projekte wieder wirtschaftlich und Brasilien würde seine bedeutenden Felder vor der Küste anzapfen.

Zu beachten ist diesbezüglich auch, dass technologische Fortschritte die Wirtschaftlichkeitsschwelle ständig senken. Ein Projekt, das vor zehn Jahren noch mit zu hohen Kosten verbunden war, könnte schon morgen gute Profite abwerfen.

Was du jetzt machen kannst

Es gibt Experten, welche die Meinung vertreten, dass ein neuer Ölpreis-Boom bevorsteht. Andere sehen Erdöl wie alle Rohstoffe als Inflationsschutz an. Es kann also durchaus Sinn ergeben, sich die eine oder andere Erdöl-Aktie ins Depot zu legen. Wer hingegen höchstens an einen moderaten Anstieg glaubt, der greift vermutlich eher zu einem der integrierten Konzerne.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool empfiehlt Total.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



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