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Warum Trump wählen?

Gastautor: Bernd Niquet
08.10.2016, 13:00  |  1787   |   |   

Man könnte jetzt, wie es viele tun, entsetzt fragen, was eigentlich in den USA los ist, dass es so ein Clown wie Donald Trump bis zum Präsidentschaftskandidaten bringen kann. Man kann das allerdings auch sein lassen.

 

Mir ist das Verhalten der US-Amerikaner durchaus verständlich – und neulich bringt mich eine Reportage sogar dazu, das in einem größeren Zusammenhang zu sehen, der das Politische weit übersteigt.

 

Da wurden Leute aus der Unterschicht interviewt, die allesamt Trump wählen wollen. Doch warum? Einer sagt „Weil Trump ein Geschäftsmann ist und Dinge sieht wie du und ich.“

 

Das scheint mir der Schlüssel zu sein, und zwar gleich in doppelter Hinsicht: Die wirtschaftliche Logik ist eine universelle Sprache, die gerade diejenigen Menschen, die wirtschaftlich täglich ums Überleben kämpfen, extrem gut verstehen und selbst sprechen (müssen).

 

Wohingegen die Berufspolitiker, ebenso wie die Notenbanker, mit wirtschaftlicher Logik schon seit Jahrzehnten nichts mehr zu tun haben. Schließlich können sie stets aufs Neue die Büchse der Pandora öffnen und sich aus dem Füllhorn bedienen.

 

Wichtiger ist mir allerdings noch der Terminus „wie du und ich“. Jahrelang habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich in meinem Leben so viele Dinge so beharrlich nicht mag. Die Antwort, die ich darauf gefunden habe, lautet: „Weil sie mit meiner Welt nichts zu tun haben.

 

Andere hingegen mag ich sehr, weil ich da persönlich ankoppeln kann.

 

In der Politik scheint das nicht anders zu sein, was mir in dieser Deutlichkeit vorher nicht klar gewesen ist. Die Menschen verabschieden sich in immer größerer Anzahl von denjenigen, die die Dinge nicht mehr sehen „wie du und ich“. Und sie verzeihen dafür denen, die das tun, auch ein Weit-über-das-Ziel-Hinausschießen.

 

Trump vermittelt extrem vielen Menschen das Gefühl, so zu fühlen, wie sie es tun. Deswegen werden sie ihn wählen, genauso wie sie bestimmte Musik hören oder bestimmte Bücher kaufen. Weil sie daran ankoppeln können, die politischen Technokraten sie jedoch abstoßen.

 

Doch ist das alles wirklich mehr als ein verbaler Zirkus? Ich denke, dass Trump, sollte er gewählt werden, die USA sicherlich genauso radikal verändern wird, wie Obama das im Endeffekt getan hat – nämlich gar nicht.

 

Letztendlich fängt das System nämlich alle Ausreißer immer wieder erfolgreich ein. Es sei denn, sie hebeln das System selbst aus. Doch das ist in den USA völlig ausgeschlossen. Und heute selbst in Deutschland durch das Grundgesetz nicht mehr möglich.

 

Die Einheitssoße wird uns also erhalten bleiben. Bis zu dem Tag, an dem alles zusammen bricht, sollte er denn jemals kommen.

 

 

 

Themen: USA, Politik, Amerika


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Kommentare

Aber,dann müsstest Du Dich doch auch mit der Zeit befasst haben,in der er President wurde und ebenfalls zu den gleichen Schlüssen kommen!
Vergleiche einmal die europäische Situation,mit der Schuldenkrise damals!!!
Die gleichen Maßnahmen,dieselben Fehler,dieselben untauglichen Lösungen,das läuft genau parallel,genau die selben Sünder,dasselbe Gequatsche,von mehr Europa,man kann es fast an einer Uhr ablesen,was die Stunde geschlagen hat,anstatt die Ärmel hoch zu krempeln,flüchten die Süd-Europäer in den Schoss des Sozialismus und wollen künftig auf Kosten Merkels leben!

Eine Ära,geht zu Ende,weil es gut tut,danach werden alle wieder lernen,eigenverantwortlich zu wirtschaften und zu handeln,wie sollte es anders kommen?

Die Argumente,gegen Reagan,damals,waren fast dieselben,ich verstehe es,nach einer Phase des Irrtums,als eine kommende Phase,der Erleichterung,wir können nicht fortfahren,das Geld unserer Kindeskinder zu verbrennen,um ein paar Gestalten zu füttern,die mit ihren exzentrischen Handlungen die Menschheit zu Ader lassen,weiterhin ihr Versagen zu verstecken,sie hatten ihre Chance!
...und das hatten sie heute verdammt länger,als man es damals überhaupt für möglich gehalten hätte!
Hier zählt garnicht soo sehr die Person,es ist die Botschaft,die zählt !
Ob Fr.Clinton überhaupt in der Lage wäre,einen anderen weg zu beschreiben,ist ausserordentlich fraglich,Fakt ist jedoch eines,wir,in Deutschland sind zunächst weit weg davon,führe Dir vor Augen,dass lediglich 8% der Marktteilnehmer hier an einen Sieg Trumps glauben,drüben sind es annähernd 50%,Fazit: Trump,ist stark unterbewertet,vor allem hier !
Ich kann Dir nicht helfen,Borazon,...neulich,haste Dich aufgeregt,weil ich die Politik Obamas,als ganz passabel betrachtet habe!
Ich denke,es wird immer klarer,dass Trump,als er sein Konzept vorstellte,den Amerikanern,einfach die Wahrheit gesagt hat,in Globaler Hinsicht,wirkt die Weltwirtschaft einfach zu fragil,wir müssen hier ein Loch stopfen,da ein leck abdichten,weil es den Globalisierungs-Vertretern gefällt,die Dinge am "Krepeln" zu halten,damit es nicht knallt und das Versagen offenbar wird.
Das Problem an dieser Art zu wirtschaften,ist,dass es eben für uns dabei nicht reicht,auch für die Amis nicht,es wurden zu viele Investitionen einfach verbrannt!
Trump sagt,wir müssen Schluss machen,mit dem Geld-Drucken,die Zinsen müssen eben hoch,der Aktienmarkt ist eine erneute Blase,und der mann scheint einwandfrei Recht zu haben!
Seine Medizin erscheint bitter,auf den ersten Blick,aber ich bin mir absolut nicht sicher,ob Hillu am Ende selbst keinen anderen weg weis,vorgestellt hat sie jedenfalls kein Rezept,das überzeugt!
Ich bin zwar nicht beleidigt,wenn jemand,wie hier am Anfang geschehen,Trump einen Clown nennt,aber die Wirtschaft verläuft nunmal stets in Phasen,man testet etwas aus,manchmal auch etwas,das wir schon vor 40 Jahren weggeschmissen haben und dann lernt man,oder macht eben weiter,bis es wirklich rumst (...nur um namen zu vermeiden!),ich denke,Trump,könnte tatsächlich in die Fußstapfen von Ronald Reagan treten,der immernoch für einen der größten Presidenten der USA gehalten wird und der,war Schauspieler!
Das kann alles noch werden,Ihr werdet noch staunen,...wie anpassungsfähig ihr seid,wenn es soweit ist,da wird auch Borazon noch das lachen vergehen!
Ich kann mich noch sehr genau an die damaligen Irrtümer und den Wandel unter Reagan erinnern,ich freu mich schon drauf,wie Ihr es lieben werdet !
Trump ist kein "Geschäftsmann", sondern in wirtschaftlicher Sicht höchstwahrscheinlich ein Blender.
Ohne die Kohle dubioser Russen hätte er IMHO längst nochmal & vollständig Konkurs anmelden müssen.
Soll er doch mal seine Finanzen offenlegen!

Aber wie richtig bemerkt, weit würde er (IMHO zum Glück) nicht kommen.
Außer daß er wohl der erste Präsi würde, der wegen Geisteskrankheit einkassiert würde und
damit in die Geschichtsbücher einginge.
Ich denke nicht, dass unsere Berufspolitiker nicht das Leben kennen. Deren Problem ist nur, dass es unmöglich ist, es jedem recht zu machen. Und mit den oft faulen Kompromissen ist keiner von uns Egoisten zufrieden.

Trump kann das Problem auch nicht lösen, er kann aber wie alle Demagogen die Gedanken der Leute manipulieren.

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