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Marktkommentar: Gershon Distenfeld (AB Europe): Sollten High-Yield-Anleger ETFs neu bewerten?
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Marktkommentar Gershon Distenfeld (AB Europe): Sollten High-Yield-Anleger ETFs neu bewerten?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
26.09.2016, 00:00  |  85   |   |   

Die Orientierung an Anleihenindizes ist tückisch, meint Gershon Distenfeld. Riskante Titel werden übergewichtet.

Die globalen High-Yield-Märkte bieten den ertragshungrigen Anlegern Europas verlockende Möglichkeiten. Indem sich Anleger jedoch über ETFs Zugang zu diesen Märkten verschaffen, setzen sie sich einer Reihe von Risiken aus – und erwirtschaften möglicherweise nur enttäuschende Erträge.

Erweiterung des Anleihenhorizonts?

Viele europäische Anleger haben Mühe, bei ihren Anlagen in Anleihen ein angemessen hohes Mass an Erträgen sicherzustellen. Viele der ‚sichersten‘ Staatsanleihen der Region werden schon seit Monaten mit negativen Renditen gehandelt, da diese durch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) immer tiefer gedrückt werden. Und nun, da das Anleihenkaufprogramm der EZB auch auf Unternehmensanleihen ausgeweitet wurde, hält auch hier der „unter null“-Trend Einzug. Infolgedessen liegt die Rendite von über 10% der europäischen Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating nun im negativen Bereich, und rund 80% unterhalb von 2%.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass eine zunehmende Zahl europäischer Anleger bei ihrer Jagd nach verlockenderen Renditen und zusätzlichen Diversifizierungsvorteilen über die lokalen Anleihenmärkte hinausblickt. Die globalen High-Yield-Anleihenmärkte bieten durchaus attraktive Möglichkeiten für Anlagen in höher verzinslichen Anleihen, insbesondere da die voraussichtliche Ausfallquote auf absehbare Zeit wohl niedrig bleiben dürfte. Doch Anlagestrategien, die weltweite High-Yield-Indizes einfach nur nachbilden – wie beispielsweise Exchange Traded Funds (ETFs) –, führen dazu, dass Anleger in den riskantesten Möglichkeiten übergewichtet und in den rentabelsten wiederum untergewichtet sind.

Das Problem bei ETFs

Die Anleihenindizes bieten nützliche historische Momentaufnahmen der Anleihenmärkte. Jedoch weisen sie als Anlagestrategien für die Suche nach den besten Anlagemöglichkeiten künftig unerwartete Einschränkungen auf. Durch das Begeben weiterer Schuldtitel steigt die Gewichtung des betreffenden Unternehmens in den Anleihenindizes, und dementsprechend leihen Anleger in Anleihenindizes den größten Schuldnern das meiste Geld. Dies ist gewiss kein vorsichtiger Ansatz, und es kann sich als ausgesprochen schmerzvoll erweisen, wenn die Schwergewichte in Indizes ins Wanken geraten.

Mitte 2014 beispielsweise war der Energiesektor zum grössten Einzelsektor des US High-Yield Index geworden – dem grössten der Welt –, wodurch ETF-Anleger stärker in Anleihen aus dem Energiesektor als aus jedem anderen Sektor investiert waren. Folglich mussten diese Anleger herbe Verluste hinnehmen, als zahlreiche Energieunternehmen aufgrund des Ölpreisrückgangs enorm unter Druck gerieten.

Ein paar ETF Anbieter haben auf diese starke Konzentration auf den Energiesektor reagiert und diesen ausgeschlossen. Doch unserer Ansicht nach ist eine solche Herumbastelei keine Alternative für einen aktiven Ansatz. Aktuell den ganzen Energiesektor auszuklammern ist, als würde man erst reagieren, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist. Darüber hinaus trägt diese Herangehensweise nicht zwangsläufig dazu bei, dass Anleger zukünftig richtig positioniert sind.

In den Monaten nach der Finanzkrise wurde es offensichtlich, dass für zukünftige Erträge ein Blick in den Rückspiegel nur eingeschränkt hilfreich ist.

Damals beschlossen viele Anleger, Bankanleihen komplett zu meiden. Dies hatte jedoch zur Folge, dass sie eine beachtliche Rally verpassten, als sich der Finanzsektor wieder erholte. Analog dazu lässt sich sagen: Hätte Anfang des Jahres ein High-Yield-ETF Energietitel ausgeklammert, so würden sich deren Anleger heute grün und blau ärgern. Warum? Weil sich die Ölpreise – genau wie viele High-Yield-Anleihen aus dem Energiesektor – im Laufe der vergangenen Monate stark erholt haben.

Selektivität auf Sektorebene ist nur ein Teilaspekt. Wir sehen in den einzelnen Anleihen des Sektoren-Spektrums sehr unterschiedliche Reize. Im Gegensatz zu ETFs haben aktive High-Yield-Strategien die freie Wahl, in welche Anleihen sie investieren. Dies eröffnet die Möglichkeit, sich auf Emittenten zu konzentrieren, die gute Fundamentaldaten und solide Kreditkennzahlen aufweisen – und dementsprechend Anleihen zu meiden, deren Abwärtsrisiken ihr Gewinnpotenzial überwiegen könnten.

Die Zahlen sprechen für sich

Der potenzielle Nutzen eines höchst selektiven Ansatzes bei der Anlage an den globalen High-Yield-Märkten wird offensichtlich, wenn man sich die Performance ansieht. Seit der Finanzkrise sind High-Yield-ETFs durchgängig hinter aktiv verwalteten Investmentfonds zurückgeblieben.1

Nach unserer Einschätzung bieten die globalen High-Yield-Märkte heute durchaus Wertpotenzial – insbesondere in Anbetracht der geringen Renditen in anderen Anleihen. Doch Anleger sollten nach Unternehmen Ausschau halten, die ihrer Ansicht nach mit ihrem Risikoprofil im Einklang stehende Renditen liefern, anstatt einfach nur in einen Index zu investieren, der sich aus den höchstverschuldeten Unternehmen zusammensetzt.

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1 Im Zeitraum vom 1. Januar 2008 – kurz nach der Auflegung der zwei grössten High-Yield-ETFs der USA – bis zum 31. August 2016 haben aktive High-Yield-Manager, gemäss den Berechnungen von Lipper, im Schnitt annualisierte Renditen von 6,34% erwirtschaftet. Die besten zwei ETFs erzielten 5,59% bzw. 5,97%

Stand: 31 August, 2016

Quelle: Thomson Reuters Lipper

In diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Recherchen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider.

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