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Halbleiteraktien sind „en vogue“ – Technische Analyse Spezial vom 12. Oktober 2016
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Halbleiteraktien sind „en vogue“ – Technische Analyse Spezial vom 12. Oktober 2016

Gastautor: Achim Matzke
12.10.2016, 09:31  |  569   |   |   

Im Sektor liegt ein klassischer Split vor
An den internationalen Aktienmärkten weisen Technologie-Aktien – angeführt vom amerikanischen Nasdaq Composite Index – eine relative Stärke auf. Besonders der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), welcher 30 Titel aus dem Sektor Halbleiter- und Mikrochips umfasst, zeichnet sich dabei durch ein stabile technische Hausse und ein hohes Aufwärtsmomentum aus. Eine Detailanalyse der Sektormarktbreite zeigt jedoch einen klassischen technischen Split bei den Sektormitgliedern. Einige Schwergewichte, wie z.B. die amerikanische Nvidia, weisen nach sehr ausgeprägten Kursgewinnen eine kurz-, mittel- und langfristig überkaufte Lage auf. Demgegenüber sind z.B. Intel (arbeitet am langfristigen Kaufsignal) und in Europa Infineon wegen intakter Aufwärtstrends geeignete technische (Zu-)Kaufkandidaten.

Philadelphia Semiconductor Index: Hohes Aufwärtsmomentum
Aus langfristiger technischer Sicht erreichte der Philadelphia Semiconductor Index (kurz: SOX) nach der TMT-Hausse (steht für Technologie, Medien und Telekommunikation) der 1990iger-Jahre im März 2000 sein Allzeithoch bei 1362 Punkten. Es folgte eine lange Baisse (bis Nov. 2008; Kurstief bei ca. 367 Punkten). Seitdem läuft der aktuelle Hausse-Zyklus, wobei sich der Index bis Februar 2011 zunächst bis 474 Punkte erholte. Es folgte eine Seitwärtsphase, welche der Index erst im Mai 2013 mit einem übergeordneten Investment-Kaufsignal beendete. Nach einem zügigen Aufwärtsschub bis 751 ging der Index – parallel zur Gesamtmarktkorrektur – im Januar 2015 in eine Gegenbewegung über. In dieser fiel er bis auf den mehrjährigen Hausse-Trend zurück und etablierte die Support-Zone bei 543. Es folgte ein neuer kurzfristiger Aufwärtstrend (Trendlinie zurzeit bei 730), wobei der Index im Juli 2016 ein weiteres Investment-Kaufsignal herausbildete. Dieses ist mit dem zügigen Anstieg auf 841 Punkte nun größtenteils abgearbeitet. Einerseits signalisiert die dabei entstandene überkaufte Lage eine Abschwächung des hohen mittelfristigen Aufwärtsmomentums, z.B. durch eine normale Konsolidierung. Andererseits deutet die technische Gesamtlage eine Fortsetzung der seit Jahren laufenden Hausse an.

Nvidia: Langfristig überkaufte technische Lage
Der auf Grafikprozessoren spezialisierte Hersteller Nvidia gehört zu den technischen USMarathonläufern. Der seit 19999 rückgerechnet zu 1,0 USD an der Nasdaq gelistete Titel notiert zurzeit am All-Time-High bei 69,7 USD. Der Titel weist typische Charakteristika für eine Technologieaktie auf, wie zum Beispiel mehrjährige Hausse- und Baisse-Trends mit einem hohen Momentum. Zurzeit befindet sich der Titel wieder in einem Hausse-Zyklus, welchen er ausgehend vom Tief im November 2012 bei 11,2 USD startete. Zwischen 2013 bis Ende 2015 stieg er in einem Trendkanal mit moderaterer Aufwärtsdynamik bis auf 30,0 USD. 2016 hat die Aktie – getrieben von Spekulationen bezüglich Produktinnovation im Chip-Bereich – diesen Trendkanal in einen beschleunigten Aufwärtstrend verlassen. Damit setzte die Aktie ihre technische Neubewertung fort und stieg bis September 2016 auf neue All-Time-Highs um 69,7 USD. Weil damit eine mittel- und langfristig stark überkaufte Lage vorliegt, sollte ein Verlassen des beschleunigten Aufwärtstrends (zurzeit bei ca. 64,7 USD) zur Seite in eine ausgeprägte Konsolidierung einkalkuliert werden. In Summe ist Nvidia zurzeit nur noch ein „Good Hold“, wobei ein Sicherungsstopp bei 63,0 USD liegen sollte.

Intel: 15-jährige Widerstandszone wackelt
Der seit dem 21. Oktober 1971 an den US-Aktienbörsen gelistete Chiphersteller Intel erlebte bis September 2000 eine technische Mega-Hausse und stieg in der Spitze bis auf das All-Time-High bei 75,8 USD. Im Jahr 2000 war Intel mit über 400 Mrd. USD zeitweise das viertgrößte Unternehmen der Welt. Mit dem Ende der TMT-Hausse folgte eine lange Baisse, die als übergeordnete Gegenbewegung auf diese Mega-Hausse anzusehen ist. Hierbei etablierte die Aktie von Intel mit Zwischenhochs in den Jahre 2001, 2002 und 2004 eine langfristige gestaffelte Resistance-Zone von 36,0 USD bis 38,6 USD Ausgehend von dem Baisse-Tief im Februar 2009 mit 12,0 USD startete der Titel den aktuell noch intakten Hausse-Zyklus. Es überrascht aber nicht, dass Intel trotz des seit November 2012 (Start: 19,2 USD) vorliegenden, mehrjährigen Hausse-Trends (Trendlinie zurzeit bei 27,6 USD) mehrere Versuche benötigt, um die langfristige Resistance-Zone nachhaltig zu überwinden. Die technische Gesamtlage signalisiert, dass bei dem aktuell laufenden Versuch eine hohe technische Erfolgsaussicht besteht. Da der „Chip-Dino“, der eine (Brutto-)Dividendenrendite von ca. 2,7% erreicht, als nächstes technisches Etappenziel den Bereich um 42,0 USD haben sollte, stellt die Aktie aktuell einen technischen (Zu-)Kauf dar.

Infineon: Relative Stärke ggü. dem DAX
Mit dem Rückenwind des „SOX“ liegt bei ausgewählten europäischen Chipherstellern ebenfalls ein attraktives technisches Gesamtbild vor, wie z.B. beim DAX-Titel Infineon. Dieser befindet sich seit März 2009 (Start: 0,34 EUR) in einer Hausse, die sich bisher aus drei übergeordneten Phasen zusammensetzt: Zuerst eine steile Erholung bis Februar 2011 auf 8,3 EUR. Anschließend eine dreijährige Seitwärtskonsolidierung mit dem Tief im September 2012 bei 4,9 EUR. Seitdem besteht wieder ein mehrjähriger Hausse-Trend (Trendlinie zurzeit bei 9,4 EUR). Innerhalb dieses Trends startete im August 2015 ein mittelfristiger beschleunigter Aufwärtstrend. In diesem generierte die Aktie im September 2016 ein weiteres Investment-Kaufsignal. Damit verdeutlicht die technische Gesamtlage, dass bei Infineon sich die technische Hausse fortsetzen und die relative Stärke – sowohl im europäischen Technologie-Sektor als auch gegenüber dem DAX – andauern sollte. Das nächste technische Etappenziel dieser Hausse ist der Bereich um 18,0 EUR.

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Achim Matzke leitet den Bereich Technische Analyse & Index Research bei der Commerzbank. Nach dem Mathematik- und BWL-Studium startete er 1990 seine berufliche Karriere bei der Commerzbank. Er ist mit seinem Team maßgeblich für die Technische Analyse sowie die Erstellung von Prognosen und Strategien mit dem Schwerpunkt auf deutsche und europäische Aktien und Aktienindizes verantwortlich. 2014 wurde Achim Matzke von Thomson Reuters Extel Surveys erneut zum besten Analysten des Jahres für deutsche Aktien gewählt.

Achim Matzke ist in Printmedien (z.B. FAZ, Handelsblatt) ebenso als kompetenter Kolumnist tätig wie im TV als Interviewpartner bei ARD, CNBC und natürlich regelmäßig bei ideasTV.

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