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Albert Edwards zur US-Geldpolitik Die nächste US-Rezession wird die Schuldenberge der Unternehmen offenlegen

13.10.2016, 10:38  |  3170   |   |   

Mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik macht die US-Notenbank es möglich, dass die Verschuldung der US-Unternehmen auf immer neue Rekordwerte steigt. Im Gegensatz zu Volkswirten ist Albert Edwards, Anlagestratege der Société Générale, der Überzeugung, dass das nicht gut ausgehen kann.

Larry Summers ist ein gern gesehener Gast auf vielen Veranstaltungen: Der ehemalige Chefökonom der Weltbank und ehemalige Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama argumentiert immer, dass die weltweiten Notenbanken auf das anhaltend schwache Wirtschaftswachstum mit immer mehr Gelddrucken reagieren und die Regierungen trotz der enormen Schuldenberge weiterhin kräftig Schulden machen sollten. In einem Umfeld rekordniedriger Zinsen sei das alles kein Problem. Summers sind die Zinsen nie niedrig genug und die Neuverschuldung nie hoch genug.

Albert Edwards, Anlagestratege der Société Générale, geht mit Summers hart ins Gericht. „Larry Summers gehört definitiv zu denjenigen, die der Überzeugung sind, dass die US-Notenbank die Zinsen nicht anheben sollte und die (Geld)Politik – wenn überhaupt – gelockert werden sollte und sich dahin entwickeln sollte, Infrastrukturausgaben zu fördern (über Helikoptergeld)“, schrieb Edwards.

Helikoptergeld bedeutet, dass ein Land zusätzliche Schulden macht und diese Anleihen nicht mehr über den Anleihenmarkt verkauft, sondern direkt an die Notenbank weitergibt. Sie finanziert damit noch mehr der Staatsausgaben direkt aus der Notenpresse. „Was mich überrascht ist, ist dass Summers trotz des kräftigen Schuldenanstiegs entspannt ist, was uns hingegen so große Sorgen bereitet.“

Schulden der US-Firmen steigen auf immer neue Rekordwerte

„Summers lockere Einstellung gegenüber dem Schuldenanstieg, der vor allem im Unternehmensbereich sichtbar ist, steht im starken Gegensatz zu unserer Ansicht, dass das die US-Wirtschaft ruinieren wird. Summers lehnt es völlig ab, die Schulden im Verhältnis zum Einkommen zu vergleichen, weil das erstere eine Bestandsgröße sei, während letzteres eine Stromgröße (Flussgröße) sei.“

Summers halte die Schuldenexplosion in einem Umfeld sehr niedriger Zinsen für normal, und stünde damit auch im starken Gegensatz zum Internationalen Währungsfonds (IWF), der sich zuletzt besorgt über den Schuldenanstieg geäußert habe. Summers Erklärung, weshalb man sich über den Schuldenanstieg keine Sorgen machen müsse, sei, dass QE-Gelddrucken die Preise von Vermögenswerte nach oben treibe, weshalb die höheren Schuldenstände im Verhältnis zu den Vermögenswerten nicht exzessiv aussähe. Zudem würden die rekordniedrigen Zinsen bedeuten, dass man die Schulden leicht bedienen könne.

„Die Unternehmensschulden sind im Vergleich zu den Vermögenswerten in die Höhe geschossen und übersteigen nun den Irrsinn, den es letztmalig auf dem Höhepunkt der 2000er-Blase bei Technologie-Medien- und Telekomaktien geben hat“, so Edwards. Der Finanzprofi schaut dabei auf die Schulden der Unternehmen aus dem marktbreiten S&P1500 Index, der sämtliche Aktien aus dem S&P500, S&P400 und S&P600 enthält und dabei 90 Prozent des gesamten Börsenwerts der US-Aktien abbildet.

Edwards bereinigt das Ergebnis dabei um die Sektoren Energie und Finanzwerte. Das Ergebnis: Die Schulden der Unternehmen belaufen sich auf mehr als 26 Prozent der Bilanzsumme. Der Wert liegt damit noch etwas über dem Blasenjahr 2000 und deutlich über dem letztmaligen Blasenjahr 2007 mit 23 Prozent.

Verliert die US-Notenbank ihre Unabhängigkeit?

„Das Problem mit Summers Analyse ist meiner Meinung nach, dass die höheren Schulden genutzt worden sind, um die Preise der Vermögenswerte (über Aktienrückkäufe) nach oben zu treiben, genauso, wie es während der Immobilienblase zwischen 2005 und 2007 gelaufen war. Aber indem man die Preise der Vermögenswerte weit über ihren fundamentalen Wert nach oben treibt, baut man Schuldensysteme auf falschen Vermögenspreisen auf, die erst offensichtlich werden, wenn die Blase bei den Vermögenswerten platzt“, so Edwards.

Vereinfacht gesagt: Während in der nächsten Krise die Preise der Vermögenswerte kollabieren werden, wird der Schuldenstand nicht sinken, sondern auf dem alten Stand bleiben. Das würde ein massives Problem werden. „Während der nächsten Rezession wird ein starker Rückgang sowohl der Gewinne als auch am Aktienmarkt den Wirbel des Schuldenschwachsinns offenlegen.“ Dann würden die Zinsen für Unternehmensschulden kräftig steigen, „während die Wirtschaft überwältigt wird von Zahlungsausfällen von Unternehmen und Pleiten. Und da die US-Notenbank die Geburtshelferin einer weiteren Finanzkrise war, was zahlen Sie mir dafür, dass sie (die Fed) ihre Unabhängigkeit verliert?“

Der Finanzprofi deutet an, dass die Fed - nachdem sie in den vergangenen knapp 20 Jahren drei immer größere Blasen aufgeblasen hat - tatsächlich ihre Unabhängigkeit verlieren könnte. „Beruhigt es mich in irgendeiner Weise, dass die Fed keine Blasen sieht? Nein, überhaupt nicht. Diese Typen werden nie eine Blase bei Vermögenspreisen erkennen – zumindest nicht vor dem Ereignis (Platzen).“



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